2009

HU reagiert auf Artikel der Studierendenzeitung HUch! mit Anzeige


Pressemitteilung vom 14. Oktober 2009

Nach der Veröffentlichung unliebsamer Kritik an Rassismus im
Wissenschaftsbetrieb, stellte die Humboldt-Universität Strafantrag gegen
die Studierendenzeitung HUch!. Die Rechtsstelle der HU wollte in einem
rassismuskritischen Artikel „üble Nachrede, Verleumdung, Beleidigung“ des
Dozenten Ulrich van der Heyden erkennen. Die Universität ist aber gar
nicht berechtigt stellvertretend Anzeige zu erstatten. Das Verfahren wurde
nun eingestellt, wie die HUch! in ihrer morgen erscheinenden Ausgabe
berichtet.

Warum die Humboldt Universität für den an der FU lehrenden van der Heyden
Strafantrag stellte, kann nur vermutet werden. Tobias Becker von der
Huch!-Redaktion sagte hierzu: „Die HU versucht in ihrem Jubiläumsjahr die
guten Seiten ihrer 200jährigen Geschichte herauszustellen. DieThematisierung
von Rassismus im Wissenschaftsbetrieb passt ihr da offenbar nicht ins Konzept.“

Wie der HUch! erst jetzt mitgeteilt wurde, stellte die Staatsanwaltschaft
das Verfahren bereits im August aus formalen Gründen ein. Ergänzend führte
sie aus, dass keinerlei strafrechtlich relevante Äußerungen in den
beanstandeten Artikeln erkennbar seien. Es handle sich lediglich um eine
Beschäftigung mit dem Thema Rassismus.

Der inkriminierte Artikel „Wie weiß ist der Elfenbeinturm?“ erschien im
Januar 2009 in einer Sonderausgabe zu Rassismus und setzte sich mit einem
Rechtsstreit zweier Dozenten am Otto-Suhr-Institut der FU Berlin
auseinandergesetzt. Anhand dessen analysierten die AutorInnen die
Möglichkeiten etablierter, weißer Dozierender, Schwarze Perspektiven aus
dem Universitätsbetrieb zu verdrängen. Der Dozent Ulrich van der Heyden
hatte damals den Dozenten Yonas Endrias angezeigt, als dieser
kolonialrevisionistische Thesen von van der Heyden kritisiert hatte.
Herr van der Heyden sah sich nun wiederum durch die Thematisierung seiner
Durchsetzungsmethoden verleumdet.

„Weder Herrn van der Heyden noch der Universität scheint aufzufallen, dass
sie durch diese Repressionen, die sowohl unter dem Aspekt der
Wissenschafts- als auch der Pressefreiheit höchst problematisch sind, die
Vorwürfe aus dem betreffenden Artikel bestätigen. Kritik an einer einmal
als objektives Wissen etablierten Meinung wird mit allen Mitteln zum
Schweigen gebracht,“ so Tobias Becker weiter.

Eine Stellungnahme oder Entschuldigung von Seiten der HU liegt bislang
nicht vor.
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  • erstellt:27.04.10, 14:05
  • geändert:09.12.10, 21:03