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Presseerklärung des ReferentInnenrat der HU vom 24.11.06

Der ReferentInnenrat warnt vor dem "StudiVZ"

Sexismus, entgleiste Rhetorik und gravierende Datenschutzmängel – der ReferentInnenrat der Humboldt-Universität zu Berlin warnt vor der Nutzung des Internet-Netzwerks "StudiVZ"!

Das "Studiverzeichnis" (StudiVZ) ist eine kostenlose Internetplattform, über die sich Studierende vernetzen, Kontakte knüpfen und Informationen austauschen sollen. Jedoch wird das StudiVZ seit längerem von Skandalen begleitet: Die Gefährdung des Datenschutzes, Verwendung nationalsozialistischer Symbole und Rhetorik durch einen der Betreiber, Zensur kritischer Kommentare und nun die Duldung sexistischer Gruppierungen.

Der ReferentInnenrat ruft alle Studierenden auf, sich nicht am StudiVZ zu beteiligen!

Das StudiVZ wurde von den zwei Studenten gegründet und größter Investor ist die Holtzbrinck Ventures GmbH. Zuletzt konnte das Unternehmen "StudiVZ" die millionste Registrierung verkünden. Nichts desto trotz ist die Internetplattform seit geraumer Zeit Ziel massiver Kritik.

Eines der gravierendsten Probleme des StudiVZ ist grundsätzlich die Missachtung des Datenschutzes und die mangelnde Datensicherheit: Um möglichst informative Profile der NutzerInnen zu gewährleisten und die Werbung auf der Homepage zielgruppen-spezifisch anzupassen, sind Schutzoptionen für private Informationen standardmäßig deaktiviert. Besucht ein/e User/in die Seite einer/s anderen, wird dies außerdem aufgezeichnet und angezeigt.

Selbst als privat gekennzeichnete Bilder einer/s User/in werden auf einem ungeschützten Server hinterlegt. Der Zugriff für fremde Personen ist ohne Weiteres durch die Eingabe der URL möglich. Der Datenschutz und die Datensicherheit bei StudiVZ sind vollkommen mangelhaft und jede/r Studierende gibt persönliche Daten einem nicht erkennbaren Personenkreis preis.

Für Wirbel sorgte außerdem eine online gestellte Party-Einladung einer der Betreiber, die mit einem umformulierten Slogan des "Völkischen Beobachters" warb und mithilfe nationalsozialistischer Rhetorik zur Feier der Erfolge des StudiVZ aufrief. Dies ist mehr als eine geschmacklose Entgleisung, sondern eine absolut inakzeptable und verharmlosende Nutzung nationalsozialistischer Symbolik und Rhetorik.

Vor einigen Tagen wurde nun außerdem bekannt, dass das StudiVZ eine sexistische Gruppierung von mehr als 800 Männern, die die Datenschutz- und Persönlichkeitsrechte von Frauen massiv missachtet, nicht nur geduldet, sondern auch persönlich unterstützt hat: Eine "nur für Männer" gegründete Gruppe suchte Fotos von Studentinnen zusammen, um eine monatliche "Miss" zu wählen, die dann gemeinsam aufgesucht werden sollte. Es wurden gezielt private Daten von Studentinnen gesammelt und veröffentlicht – darunter den vollen Namen, Studienort und die Adresse.

Diese Gruppierung wurde nicht nur, trotz einiger Beschwerden anderer NutzerInnen, von den Betreibern geduldet. Einige Mitarbeiter waren gar aktives Mitglied oder baten gar um eine Aufnahme in die Gruppe. Wie nun weiter verfahren wird, scheint unklar.

"Die Betreiber des StudiVZ scheinen sich weder an Datenmissbrauch noch an frauenfeindlichen Aktivitäten einiger Mitglieder zu stören", kommentiert Rebecca Brückmann, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit des ReferentInnenrats. "Auch StudiVZ-kritische Kommentare auf der Homepage wurden schlicht gelöscht."

Der ReferentInnenrat verurteilt die Geschäftsmethoden des StudiVZ, die Mißachtung der Datenschutz- und Persönlickeitsrechte sowie die Duldung sexistischer Gruppierungen. Wir fordern alle Studierenden zur Meidung des StudiVZ auf.

Für Fragen und aktuelle Informationen stehen Ihnen Rebecca Brückmann (0170 - 11 75 423) vom Öffentlichkeitsreferat des RefRats zur Verfügung.

 
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