{"id":965,"date":"2022-09-30T13:41:10","date_gmt":"2022-09-30T11:41:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/?p=965"},"modified":"2022-09-30T13:41:14","modified_gmt":"2022-09-30T11:41:14","slug":"hegel-und-die-gespenster-der-freiheit-huch94","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/2022\/09\/hegel-und-die-gespenster-der-freiheit-huch94\/","title":{"rendered":"Hegel und die Gespenster der Freiheit &#8211; HUch#94"},"content":{"rendered":"\n<p>| von Mesut Bayraktar |<\/p>\n\n\n\n<p><em>Hegels Philosophie beschreibt Ereignisse und b\u00fcrgerliche Bewusstseinsgestalten, die in ihrer Allgemeinheit auch noch unseren Erfahrungen entsprechen. Indem er die revolution\u00e4re Rolle vom Wesen der Arbeit in der Geschichte erfasst hat, konnte er die Lehre von der Dialektik systematisch entwickeln. Den revolution\u00e4ren Pulsschlag erf\u00e4hrt seine Dialektik durch das, was er \u00bbP\u00f6bel\u00ab nennt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/huch-Bild-Felix-Deiters4-730x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-967\" width=\"500\" height=\"702\" srcset=\"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/huch-Bild-Felix-Deiters4-730x1024.jpg 730w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/huch-Bild-Felix-Deiters4-214x300.jpg 214w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/huch-Bild-Felix-Deiters4-768x1077.jpg 768w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/huch-Bild-Felix-Deiters4-1095x1536.jpg 1095w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/huch-Bild-Felix-Deiters4-1460x2048.jpg 1460w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/huch-Bild-Felix-Deiters4-17x24.jpg 17w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/huch-Bild-Felix-Deiters4-26x36.jpg 26w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/huch-Bild-Felix-Deiters4-34x48.jpg 34w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/huch-Bild-Felix-Deiters4-scaled.jpg 1825w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption><em>Bild: Felix Deiters<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Schon Karl Marx warnte in seinem Hauptwerk davor, Hegel wie einen \u00bbtoten Hund\u00ab zu behandeln. Und Wladimir I. Lenin, der w\u00e4hrend des imperialistischen Gemetzels in Z\u00fcrich Hegel studierte, setzte einen drauf, indem er eine materialistische Auslegung von Hegels Dialektik forderte, ohne die weder Marx&#8216; Analyse des Kapitalismus noch der Klassenkampf g\u00e4nzlich begriffen werden k\u00f6nne \u2013 erst recht nicht die praktische \u00dcberwindung der Klassengesellschaften durch die Arbeitenden und Unterdr\u00fcckten. Hegels Philosophie ist nicht nur Quelle, sondern gleichsam Bestandteil einer von revolution\u00e4rer Theorie geleiteten Praxis, welche die Theorie mit Erfahrungen anreichert. Wer Hegel den Ideologen an den Universit\u00e4ten, den Berufskonterrevolution\u00e4ren von Staats wegen und den b\u00fcrgerlichen Intellektuellen im Feuilleton \u00fcberl\u00e4sst, f\u00fchrt trotz rebellischer Gesten meist symbolische K\u00e4mpfe, mithilfe derer die von der herrschenden Klasse eingerichtete soziale Welt legitimiert wird. Das beginnt, wo das Ganze aus dem Blickfeld ger\u00e4t oder das eigene Blickfeld f\u00fcr das Ganze gehalten wird<strong>.<\/strong> Wer Hegel aufgibt, wird auf kurz oder lang entweder zu Theoriem\u00fcdigkeit und Eklektizismus<a href=\"#sdfootnote1sym\" id=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a> auf der einen oder zu einer Furcht vor einer Verlebendigung radikaler Theorie und einem Praxisfetischismus auf der anderen Seite neigen. Beides wird bezahlt mit einem Verlust an Realit\u00e4tssinn.<\/p>\n\n\n\n<p>Hegels zentrale Bedeutung im Kampf um eine Assoziation, worin die freie Entwicklung der einzelnen die Bedingung f\u00fcr die freie Entwicklung aller ist, wird insbesondere bei der Frage nach dem Wesen der Arbeit in der Geschichte und der Rolle der Arbeit in der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft deutlich. Um Letzteres soll es folgend anhand der politischen Philosophie Hegels gehen, die in seinem Alterswerk <em>Grundlinien der Philosophie des Rechts<\/em> (1820\/21) ausgearbeitet ist \u2013 eine begriffliche Systematisierung praktisch-politischer Fragen im Werden der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Der soziale Krieg<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Im Zuge der neoliberalen Phase des Kapitalismus sind Ph\u00e4nomene wie Erwerbsarmut (\u00bbworking poor\u00ab), Arbeit im Niedriglohnsektor, prek\u00e4re Arbeit, digitale Flie\u00dfbandarbeit, zerkl\u00fcftete Arbeitsbiografien, Arbeitsmigration und die permanente Bedrohung, den Arbeitsplatz zu verlieren, allgegenw\u00e4rtig. Die Lazarusschicht<a href=\"#sdfootnote2sym\" id=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a> hat l\u00e4ngst die arbeitenden Klassen von innen erfasst. In der Bundesrepublik Deutschland wurde zum Beispiel der gr\u00f6\u00dfte Niedriglohnsektor Europas installiert und im Zuge der Pandemie die Lohnarbeit weiter flexibilisiert, gar nicht erst zu sprechen von den neuen Strategien des Kapitals, angesichts der Digitalisierung in der Industrie oder durch digitale Plattformen enorme Profite zu erzielen. F\u00fcr dieses von Unsicherheit, Zukunftsangst und Degradation bedr\u00fcckte Leben findet sich schon bei Hegel eine zentrale Kategorie: der P\u00f6bel.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass die b\u00fcrgerliche Gesellschaft sich in Klassen aufteilt und diese von ihrer \u00f6konomischen Stellung zur gesellschaftlichen Produktion abgeleiteten Klassen antagonistische Beziehungen zueinander haben, war f\u00fcr Hegel, der mit der englischen politischen \u00d6konomie von Adam Smith bis zu David Ricardo bestens vertraut war, vollkommen klar. Anders als seine Vorg\u00e4nger auf dem Gebiet der politischen Philosophie hat Hegel erstens das Diktum von Thomas Hobbes&#8216; \u00bbBellum omnium contra omnes\u00ab, also den Krieg aller gegen alle, unmittelbar mit der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft identifiziert. Dieser soziale Krieg endet nicht mit einem \u00dcbergang in einen Gesellschaftszustand, der durch die historische Dichtung eines Gesellschaftsvertrags bewerkstelligt w\u00e4re. Im Gegenteil: Mit der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft <em>beginnt<\/em> der soziale Krieg, der vertragstheoretisch geheiligt wird. Zudem gesteht Hegel zweitens der neuen Gesellschaftsformation eine relative Selbstst\u00e4ndigkeit gegen\u00fcber der Familie und dem Staat als soziale Sph\u00e4ren zu. Die b\u00fcrgerliche Gesellschaft ist f\u00fcr Hegel aufgrund ihrer \u00f6konomischen Dynamik ein Heraustreten des Gemeinwesens aus \u00fcberholten Bindungen, einst durch Blut, Krone und Gott legitimiert. Seither bestimmt das Privateigentum an den Mitteln zum Leben Macht und Hierarchie. Dieses Heraustreten der \u00d6konomie, ihre Verselbstst\u00e4ndigung und Dominanz gegen\u00fcber allen Sph\u00e4ren des Lebens, geht drittens mit der Aufl\u00f6sung des Gemeinwesens zu Privatinteressen einher. Das Dogma vom Individualismus entsteht. Gerade die Kombination dieser Einsichten bilden den entscheidenden Zugang, der Hegel erlaubte, die Moderne als Zeitalter der Revolutionen zu definieren.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Arbeit als grundlegender Modus des Menschen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Hegel fasst die Moderne als warenproduzierende Arbeits- und Tauschgesellschaft. In ihr \u00bbist jeder sich Zweck, alles andere ist ihm nichts. Aber ohne Beziehung auf andere kann er den Umfang seiner Zwecke nicht erreichen; diese anderen sind daher Mittel zum Zweck des Besonderen.\u00ab (\u00a7 182) Dabei beschreibt er die kapitalistische \u00d6konomie mit Schlagw\u00f6rtern wie \u00bbSystem allseitiger Abh\u00e4ngigkeit\u00ab, \u00bbNot- und Verstandesstaat\u00ab, \u00bbStufe der Differenz\u00ab, \u00bbSchauspiel ebenso der Ausschweifung, des Elends und des beiden gemeinschaftlichen physischen und sittlichen Verderbens\u00ab, \u00bbKampfplatz des individuellen Privatinteresses aller gegen alle\u00ab und \u00bbWimmeln von Willk\u00fcr\u00ab. Nichtsdestotrotz sieht Hegel, dass dieses \u00bbanscheinend Zerstreute und Gedankenlose [\u2026] von einer Notwendigkeit gehalten\u00ab wird, \u00bbdie von selbst eintritt\u00ab (\u00a7 189), und f\u00fcgt hinzu, dass dieses Notwendige aufzufinden der Gegenstand der politischen \u00d6konomie ist. Damit nimmt Hegel vorweg, was etwa f\u00fcnfzig Jahre sp\u00e4ter Marx auf den Plan ruft. Hegel aber erkannte schon, dass der notwendige Zusammenhang vermittelt wird durch die Arbeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Arbeit umschreibt f\u00fcr Hegel ein grundlegendes Verh\u00e4ltnis des Menschen zum Menschen und zur Natur. Sie ist das Mittel der Befreiung. Durch sie vollzieht sich die Selbstbildung des Menschen zum Subjekt und die Enthebung von Naturzw\u00e4ngen. Sie bindet in den gesellschaftlichen Verkehr ein, wodurch die Akteur_innen die Mittel erhalten, sich zu Individuen abzusondern und das zu verwirklichen, was das b\u00fcrgerliche Zeitalter allen dem Begriff nach einr\u00e4umt \u2013 Freiheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Begriff, mit dem revolution\u00e4ren Pulsschlag von 1789 gest\u00e4hlt, markiert f\u00fcr Hegel den Paradigmenwechsel zwischen Vormoderne und Moderne. Radikal setzt er die Freiheit als die Idee des Rechts schlechthin. Das Menschsein des Menschen ist die Freiheit und das Recht, sie einzufordern, hat jedes anerkannte Mitglied der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft. Manchmal ist sogar die Anerkennung noch, dass man Mensch ist, zu erk\u00e4mpfen, wie etwa (queer-)feministische, antikoloniale und migrantische K\u00e4mpfe zeigen. Mit Hegel ist die Geschichte nicht nur als Freiheitsgeschichte zu denken. Freiheit, einmal ins Dasein getreten, bildet fortan den gesellschaftlichen Seinsgrund. Auf diesem Boden haben etwa per Definition zu Sklav_innen erniedrigte Menschen, so Hegel, das Recht Widerstand zu leisten, auch mit Gewalt \u2013 so wie in der Haitianischen Revolution 1791.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Selbstaufhebung des P\u00f6bels<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Hier jedoch st\u00f6\u00dft Hegel auf ein Problem, den P\u00f6bel. Er fungiert als Grenzbegriff zum einen f\u00fcr den tief verankerten Widerspruch, dass Privateigentum nicht Voraussetzung, sondern die Liquidierung des universellen Prinzips der Freiheit ist und dass Freiheit vielmehr soziale Gleichheit zur Voraussetzung hat. Zum anderen steht er f\u00fcr den Selbstwiderspruch der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft, Freiheit f\u00fcr alle historisch versprechen zu m\u00fcssen, sie aber faktisch nicht f\u00fcr alle einl\u00f6sen zu k\u00f6nnen, das sie auf Aneignung fremder Arbeit gr\u00fcndet.<\/p>\n\n\n\n<p>Innerhalb seiner Analyse ist der P\u00f6bel f\u00fcr Hegel verk\u00f6rperte Armut in der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft, die \u00bbin ungehinderter Wirksamkeit\u00ab die \u00bbAnh\u00e4ufung von Reicht\u00fcmern\u00ab vermehrt, aber auch die \u00bbAbh\u00e4ngigkeit und Not der an [\u2026] Arbeit gebundenen Klasse\u00ab erweitert (\u00a7 243). Dabei kommt es zu einer paradoxen Situation. Der arbeitenden Klasse wird der \u00bbGenuss der weiteren Freiheiten und besonders der geistigen Vorteile\u00ab nicht wegen des Fehlens, sondern gerade durch das intakte Funktionieren b\u00fcrgerlicher Ordnung verweigert, sodass aus dem \u00bbHerabsinken einer gro\u00dfen Masse unter das Ma\u00df\u00ab eines Existenzminimums der P\u00f6bel entsteht. Der P\u00f6bel ist struktureller Anhang der arbeitenden Klasse, ihr Gravitationsfeld. Armut ist nicht \u2013 wie in der Vormoderne \u2013 Ergebnis von fehlendem, sondern sich vermehrendem Reichtum. So schl\u00e4gt die Arbeit als Mittel der Selbstbefreiung um in das Mittel der Knechtschaft der Arbeitenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei kann der P\u00f6bel seine Existenz als P\u00f6bel nicht durch Arbeit abstreifen und doch beruft er sich auf das Recht auf Arbeit und damit die M\u00f6glichkeit der Selbstbildung, weil ihm dem Begriff nach seine Freiheit einger\u00e4umt wird. Hier wei\u00df Hegel keinen Ausweg. Er stellt nur fest, dass \u00bbzum Vorschein\u00ab kommt, \u00bbdass bei dem \u00dcberma\u00dfe des Reichtums die b\u00fcrgerliche Gesellschaft nicht reich genug ist, d.h. an dem ihr eigent\u00fcmlichen Verm\u00f6gen nicht genug besitzt, dem \u00dcberma\u00dfe der Armut und der Erzeugung des P\u00f6bels zu steuern\u00ab (\u00a7 245), da die Erzeugung des P\u00f6bels \u00bbzugleich die gr\u00f6\u00dfere Leichtigkeit, unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfige Reicht\u00fcmer in wenige H\u00e4nde zu konzentrieren, mit sich f\u00fchrt\u00ab (\u00a7 244). Durch diese Dialektik der Klassen wird die b\u00fcrgerliche Gesellschaft \u00bb\u00fcber sich hinausgetrieben\u00ab (\u00a7 246). Doch wohin \u2013 das entzieht sich Hegels Horizont.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Angeh\u00f6rigen des P\u00f6bels werden als freie Subjekte anerkannt. Sie bleiben jedoch in ihren Pr\u00e4dikaten, also in ihrem Tun, in Unfreiheit gefangen, eben weil ihnen die Mittel der Selbstaufhebung durch Arbeit, womit sie die Bedingungen ihrer kl\u00e4glichen Existenz \u00fcberwinden k\u00f6nnten, verwehrt werden. Sie sind die unfreien Freien.<\/p>\n\n\n\n<p>Da die Erzeugung des P\u00f6bels den ganzen Umfang der Realisierung der Freiheit angreift, etwa durch Hunger oder verarmende Arbeit das Subjektsein und damit das Leben selbst negiert wird, ist f\u00fcr Hegel der Gesetzes\u00fcbertritt des P\u00f6bels gerechtfertigt. Er ist nach Hegel der Versuch, einer Situation zu entfliehen, die von \u00bbtotaler Rechtslosigkeit\u00ab gekennzeichnet ist, gleichbedeutend mit Sklaverei. Das \u00bbNotrecht\u00ab der unfreien Freien ist die Konsequenz, die \u00bbPolizei\u00ab nach innen und die \u00bbKolonisation\u00ab nach au\u00dfen sind die Antwort der Besitzenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass Hegel aus dieser Zerrissenheit keine weiteren Schl\u00fcsse zieht, liegt auch daran, dass er die historisch-konkrete Form von Arbeit, die in der kapitalistischen Produktionsweise als Lohnarbeit auftritt, nicht erkannte und die Logik kapitalistischer Ausbeutung zwar ahnte, sie aber nicht auf den Begriff zu bringen vermochte. Dennoch verstand er die revolution\u00e4re Bedeutung von Arbeit als entscheidendes Produktions- und zugleich Gewaltverh\u00e4ltnis der Moderne. Seine Analyse des P\u00f6bels bezeugt es. Der P\u00f6bel ist Chiffre f\u00fcr die Gespenster der B\u00fcrgerlichen, die sie mit ihrem Freiheitspathos freigesetzt haben, ohne imstande zu sein, Freiheit universell zu verwirklichen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Von Hegel zu Marx<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend der Arbeitsprozess \u2013 neben der Natur \u2013 eine Quelle stofflichen Reichtums von Gebrauchswerten ist, wie Marx feststellt, ist sie zugleich als Verwertungsprozess der Ort sozialer Gewalt, wo zugunsten der Kapitalvermehrung der K\u00f6rper vernutzt, der Geist entfremdet und der Wille gebrochen wird. Der P\u00f6bel erinnert daran, permanent. Er spiegelt den B\u00fcrgerlichen ihr schlechtes Gewissen wider, vor dem sie mit allen Mitteln \u2013 vor allem einer Kultur der Verdr\u00e4ngung \u2013 fliehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch bevor Marx kapitalistisch organisierte Gesellschaften einer radikalen Kritik unterzog, hat Hegel uns systematische Denkmittel an die Hand gegeben, um Ereignisse und b\u00fcrgerliche Bewusstseinsgestalten zu beschreiben. In ihrer Allgemeinheit handelt es sich um Erfahrungen, die auch noch unsere sind. W\u00e4hrend zu Hegels Zeiten aber der P\u00f6bel nationales Ph\u00e4nomen war, erzeugt die kapitalistische Weltwirtschaft einen Weltp\u00f6bel von ungeheurem Ausma\u00df. Die Antworten der Herrschenden, n\u00e4mlich die Kolonisation nach au\u00dfen, wie es bei Hegel hei\u00dft, schl\u00e4gt heute um in Imperialismus, und die Polizei nach innen um in gewaltige Repressionsmaschinen und inneren Militarismus, sowohl im eigenen Land wie auch an den EU-Grenzen. Die Denkbewegung von Hegel zu Marx wiederherzustellen, bedeutet auch, s\u00e4mtliche K\u00e4mpfe gegen Unterdr\u00fcckung und Ausgrenzung als verschiedene Seiten eines gemeinsamen Kampfs gegen das System der Unterdr\u00fcckung und Ausbeutung zu begreifen. So erkannte Marx \u2013 auch Lenin \u2013 dass in der Erzeugung des P\u00f6bels die M\u00f6glichkeit eines sich selbst erm\u00e4chtigenden Proletariats steckt.<\/p>\n\n\n\n<p>___________________________________________________<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"sdfootnote1sym\" href=\"#sdfootnote1anc\">1<\/a> Eklektizismus meint ein Denken ohne Prinzipien und die st\u00e4ndige Anpassung an \u201aneue\u2018 Str\u00f6mungen. Sie ist die Geisteshaltung des Opportunismus, vermeidet Einheit und Systematik der Theorie und setzt vielmehr wahlweise aus Teilen unterschiedlicher Theorien eine \u201aTheorie\u2018 zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote2anc\" id=\"sdfootnote2sym\">2<\/a> Hegel gibt die Lazzaroni als Beispiel f\u00fcr die Menschen in der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft an, die der Zuf\u00e4lligkeit \u00fcberlassen sind. Karl Marx beschreibt mit \u00bbLazarusschicht\u00ab im Kapital Bd. I die Sph\u00e4re der Armen, Prek\u00e4ren und Arbeitslosen innerhalb der arbeitenden Klasse sowie die relative \u00dcberbev\u00f6lkerung, k\u00fcnstlich herbeigef\u00fchrt durch den Kapitalismus, s. MEW 23, 673.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>| von Mesut Bayraktar | Hegels Philosophie beschreibt Ereignisse und b\u00fcrgerliche Bewusstseinsgestalten, die in ihrer Allgemeinheit auch noch unseren Erfahrungen entsprechen. 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