{"id":734,"date":"2021-12-09T15:27:10","date_gmt":"2021-12-09T14:27:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/?p=734"},"modified":"2021-12-09T15:27:13","modified_gmt":"2021-12-09T14:27:13","slug":"wenn-influencer-odin-verehren-huch92","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/2021\/12\/wenn-influencer-odin-verehren-huch92\/","title":{"rendered":"Wenn Influencer Odin verehren &#8211; HUch#92"},"content":{"rendered":"\n<p>| von Madita Lege |<\/p>\n\n\n\n<p><em>In der Neuen Rechten funktioniert Rap als identit\u00e4tsstiftendes Mittel, das \u00fcber soziale Medien die eigene Anh\u00e4nger_innenschaft vergr\u00f6\u00dfert und seine Urspr\u00fcnge in neonazistischen Subkulturen der achtziger und neunziger Jahre hat.<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/01-04-s-TAKEN-687x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-735\" width=\"467\" height=\"695\" srcset=\"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/01-04-s-TAKEN-687x1024.jpg 687w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/01-04-s-TAKEN-201x300.jpg 201w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/01-04-s-TAKEN-768x1145.jpg 768w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/01-04-s-TAKEN-1030x1536.jpg 1030w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/01-04-s-TAKEN-16x24.jpg 16w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/01-04-s-TAKEN-24x36.jpg 24w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/01-04-s-TAKEN-32x48.jpg 32w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/01-04-s-TAKEN.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 467px) 100vw, 467px\" \/><figcaption>Bild: Loup Deflandre<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Er\ninszeniert sich als \u203aPatriot\u2039 und seine Musik als \u203aHeimat-Rap\u2039:\nKai Naggert, fr\u00fcher Aktivist bei der Identit\u00e4ren Bewegung, tritt\nunter dem K\u00fcnstler_innennamen Prototyp NDSaktuell die Nachfolge\nvon Rechtsrapper Chris Ares an, Klarname Christoph Zloch. Der\n29-j\u00e4hrige, der eng mit Chris Ares zusammenarbeitete, bevor dieser\n2020 seinen Szeneausstieg bekanntgab, hat bei Bautzen in Sachsen das\nneue Musiklabel NDS Records gegr\u00fcndet \u2013 und will damit gro\u00df\nrauskommen. Dass Rechtsrap mit \u203aNDS\u2039 \u2013 dem \u203aNeuen Deutschen\nStandard\u2039 \u2013 sein Comeback in den Charts feiert, ist\nunwahrscheinlich: Das\nLabel produziert derzeit haupts\u00e4chlich Videos f\u00fcr YouTube. Dennoch\nist Naggert einflussreich. Eine Correctiv-Recherche zeichnete ihn\n2021 als \u203aSpinne im Netz\u2039 neurechter Influencer_innen aus, die\nihr politisches Programm via Social Media vermarkten wie andere\nFitness-Tees.<sup><a href=\"#sdfootnote1sym\"><sup>1<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Zentral f\u00fcr Naggerts\nSelbstinszenierung ist der Kult um germanische \u203aAhnen\u2039 und\naltnordische Lichtgestalten wie den Gott Odin. Das mal mehr, mal\nweniger eindeutige Bekenntnis zu einem v\u00f6lkisch ausstaffierten\nNaturglauben, dem Neuheidentum, wird kombiniert mit\ngegenwartsbezogenen, proletarischen Protestelementen, die immer auch\nAgilit\u00e4t und Bereitschaft zum Kampf signalisieren: Trainingsjacke,\nJogginghose und Sportschuhe. Auf Instagram posiert der Rapper f\u00fcr\nrechtsoffene bis neonazistische Modelabel, die in der Hooligan- und\nKampfsport-Szene popul\u00e4r sind, in Streetwear. Die Faust ist gereckt,\ndarauf sind altnordische Runen t\u00e4towiert. Wie kommen Rap,Rechtsextremismus,\n<em>street culture <\/em>und\nHeidentum zusammen? Um diese Zusammenh\u00e4nge zu entschl\u00fcsseln, lohnt\nsich ein Blick in die Geschichte des modernen Rechtsextremismus und\nseiner Subkulturen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Warum rechter Rap?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst einmal stellt sich\ndie Frage, warum die extreme Rechte gerade Rap nutzt, um ihre\nIdeologie zu verbreiten. Die Hip-Hop-Kultur, zu der Rap geh\u00f6rt,\nwurde auch in Deutschland von Afrodeutschen und in postmigrantischen\nCommunitys gepr\u00e4gt. Hier war (und ist) Hip-Hop Medium der\nSelbstbehauptung und Sichtbarwerdung derer, denen eine <em>wei\u00df<\/em>-deutsche\n\u00d6ffentlichkeit zunehmend das Existenzrecht absprach, seit sich jenes\ndeutsche Wirtschaftswunder ausschlich, das die Familien der\nehemaligen \u203aGastarbeiter\u2039 erm\u00f6glicht hatten. Als der Markt f\u00fcr\nHip-Hop-Musik Ende der Neunziger implodierte, \u00fcberlebten\nmedienwirksam polarisierende Labels wie Aggro Berlin. Fler spielte\nseit dem Album <em>Neue\nDeutsche Welle<\/em> 2005\nmit dem Image als \u203aPatriot\u2039 und leicht abgewandelten\nHitler-Zitaten. Tabubr\u00fcche wie dieser zeigten M\u00f6glichkeiten auf,\nHip-Hop <em>national<\/em>\nzu denken \u2013 und dass \u203aDeutscher Rap\u2039 ein Publikum hatte.<sup><a href=\"#sdfootnote2sym\"><sup>2<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Im gleichen Jahr eigneten sich\nerstmals neonazistische Aktivist_innen wie Bj\u00f6rn Michael Bock alias\nKing Bock das Genre an. Mit Musiker_innen der \u203aNeuen Rechten\u2039,\nwie Komplott und Chris Ares, die 2016 folgten, ist rechter Rap\nmassentauglich geworden: die Entwicklung eines halben Jahrzehnts, in\ndem das Internet ihnen direkten Zugang zu einem vorzugsweise jungen\nPublikum verschaffte, das dazu keinem politischen Milieu angeh\u00f6ren\nmusste. Das musikalische Lieblingsgenre dieser \u2013 im Duktus der\nNeuen Rechten \u203avorpolitischen\u2039<sup><a href=\"#sdfootnote3sym\"><sup>3<\/sup><\/a><\/sup>\n\u2013 Jugend ist Hip-Hop.\nDie Texte der neurechten Rapper_innen sind weit weniger eindeutig als\ndie rechtsextremer Rocker wie Landser, die ihre neonazistische\nPropaganda nur vor einem ausgew\u00e4hlten Publikum stattfinden lassen\nkonnten. Vordergr\u00fcndig steht die neurechte Internet-Prominenz dem\nNationalsozialismus ablehnend gegen\u00fcber \u2013 ehrt aber ihre \u203aAhnen\u2039\nund deren \u203aStandhaftigkeit\u2039 im Zweiten\nWeltkrieg. Damit ist sie\nbreit anschlussf\u00e4hig geworden und h\u00e4lt sich auf YouTube und\nSpotify.<sup><a href=\"#sdfootnote4sym\"><sup>4<\/sup><\/a><\/sup>\nNeurechte Musik erreicht ihre H\u00f6rer_innen nicht l\u00e4nger exklusiv\n\u00fcber \u203adie\u2039 rechtsextreme Szene \u2013 eine neue, jugendlich\ngepr\u00e4gte Szene bildet sich um die Musik. Nicht wenige von Prototyps8500 Instagram-Fans\ntragen wie er ein \u203aNDS\u2039 im Usernamen \u2013 sie wollen Teil einer\n\u203aNDS-Army\u2039 sein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pyrotechnik, VW-Polo und\nMarginalisierungs-Narrative: Statussymbole im Rechtsrap<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Prototypselbstbespielt seit Januar\n2021 seinen neuen YouTube-Kanal mit Tracks, die klingen wie die\nAldi-Version von Kollegahs <em>Bossaura<\/em>.\nDarunter hinterlassen Fans Kommentare wie \u00bbMSM Rapper haben in\nZeiten wie diesen immer noch keine anderen Themen als Drogen, Fitness\nund [\u2026]\nAutos, w\u00e4hrenddessen sind deutsche (Rapper) auf dem Weg zur\nErleuchtung\u00ab.<sup><a href=\"#sdfootnote5sym\"><sup>5<\/sup><\/a><\/sup>\nHier werden tradierte Erkl\u00e4rmuster adaptiert. \u203aMSM\u2039 verweist auf\nnicht als \u203adeutsch\u2039 markierte Rapper_innen der\n\u203aMainstream-Medien\u2039. In ihrer Selbstwahrnehmung als neue\nMinderheit politisch unterdr\u00fcckt, nutzen Neurechte Rap ihrerseits\nals Medium der vermeintlich notwendigen Selbstbehauptung als\nBiodeutsche.<\/p>\n\n\n\n<p>\u203aUnterdr\u00fcckt\u2039\nzu sein und gegen staatliche \u203aZensur\u2039 nicht anzukommen sind\nNarrative, die bedient werden wie Statussymbole. Die Logik dahinter\nist einfach: Umso unmittelbarer die Bedrohung, desto legitimer der\nheroisierte \u203aWiderstand\u2039 (ein Songtitel des neurechten Rappers\nBloody32). Damit bedient der neurechte Rap eine Rhetorik, die\nanl\u00e4sslich der Proteste gegen die Pandemiema\u00dfnahmen Konjunktur\nfeiert. Heute rufen neurechte Rapper_innen zu Demonstrationen von\nQuerdenken 711 undWiderstand 2020 auf,\nwo \u00fcber das Pandemiegeschehen eine antiemanzipatorische Querfront\nagitiert werden soll. Auch hier werden diffus esoterische Referenzen\nals Letztbegr\u00fcndung genutzt \u2013 okkulte Freund_innen- und\nFeind_innenschemata einen die diversen Zufl\u00fcsse der heterogenen\nBewegung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mobilisierungsneid seit den\nsechziger Jahren<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In der Aneignung von Hip-Hop\ngenau wie in der Verbr\u00fcderung mit Attila Hiltmann im Rahmen der\nBerliner Corona-Proteste, bei denen der Reichstag mit\nschwarz-wei\u00df-roten Flaggen \u203agest\u00fcrmt\u2039 wurde, zeigt sich die\n(sub-)kulturelle Flexibilit\u00e4t des modernen Rechtsextremismus, der\neigentlich streng konservative Ideologien verfolgt.\nZeithistoriker_innen f\u00fchren diesen Widerspruch auf einen\nnachhaltigen \u203aMobilisierungsneid\u2039<sup><a href=\"#sdfootnote6sym\"><sup>6<\/sup><\/a><\/sup>\nauf die soziale Protestwelle der sp\u00e4ten sechziger Jahre zur\u00fcck.\nDieses Motiv spricht bis heute aus Parolen von AfD-Funktion\u00e4ren wie\nAndreas Kalbitz, der von einem Tanz \u00bbauf den Gr\u00e4bern\u00ab der\n68er-Bewegung tr\u00e4umt.<sup><a href=\"#sdfootnote7sym\"><sup>7<\/sup><\/a><\/sup>\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Europas Rechte sah sich\ngedr\u00e4ngt, konservative Ideologien ihrerseits in eine jugendliche\nProtesthaltung zu gie\u00dfen. Erfolg feierte sie mit der britischen\nKonzertreihe <em>Rock\nAgainst Communism <\/em>1978.<sup><a href=\"#sdfootnote8sym\"><sup>8<\/sup><\/a><\/sup>Dahinter stand die\nneofaschistische Partei National Front \u2013 auf der B\u00fchne und im\nPublikum Skinheads. Damals initiierte die politische Rechte erstmals\neine ideologisch einflussreiche \u203aGegenkultur\u2039, die  heute eines\nihrer zentralsten Strategieelemente darstellt. Ausdruck dessen sind\nauch Chris Ares und sein Rap-Ziehsohn Prototyp NDS: mit eigener\nMusik, eigenem Verlag und eigenen Veranstaltungen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kontinuit\u00e4ten zwischen\nRechtsrap und Rechtsrock<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die erste Jugend-Subkultur,\ndie nationalistische Ideologien in ein popkulturelles Gewand\nkleidete, trug Levi\u2019s Jeans und Dr. Martens zu kahlrasierten K\u00f6pfen\nund dicken Fliegerjacken. Die Skinheads bedienten das Image einer\nGegenkultur zum \u203aSummer of Love\u2039 und definierten sich zunehmend\nals <em>wei\u00dfe<\/em>\nProletarier_innen. Keiner der damaligen sozialen Protestbewegungen\nzugeh\u00f6rig, f\u00fchrten sie in Adaption maskulin-militanter Elemente\neinen zun\u00e4chst wenig politischen Totentanz der <em>wei\u00df<\/em>-englischen\n<em>working class<\/em>\nauf. In den achtziger Jahren breitete sich das Skinhead-Ph\u00e4nomen mit\nzunehmender Politisierung international aus.<sup><a href=\"#sdfootnote9sym\"><sup>9<\/sup><\/a><\/sup>\nIm Unterschied zu den linken Teilen der Subkultur referierten rechte\nSkinheads ihrerseits auf \u203anordische Ahnen\u2039. Der Eruption der\nenglischen Arbeiter_innenklasse begegneten sie mit aggressiver\nVerzauberung der \u2013 als <em>wei\u00df\n<\/em>imaginierten \u2013\nVorkriegs-Vergangenheit. Erst unter dieser welt- und\nselbstanschaulichen Pr\u00e4misse wurde ihr in <em>Oi!<\/em>-Punkmusik\nkommuniziertes Programm und spezifischer Look \u00fcber die Grenzen ihres\nbritischen Nationalismus hinaus denkbar \u2013 und europaweit wirksam.\nIhr m\u00e4nnlich-militanter Look setzt sich bis in die Gegenwart fort.\nUnter anderen Vorzeichen kommunizieren Muskelshirts von Labels wie\nFight Cult \u2013 das Logo zeigt einen austretenden Kampfsportler im\nLorbeerkranz \u2013 welche die Influencer_innen von NDS sponsern, ein\n\u00e4hnlich kampfbereit-agiles Image, das mit proletarischen Codes\nspielt. Nicht zuf\u00e4llig inszenieren sich die Musiker_innen von NDS\nmal um einen VW-Polo, mal um einen Fliesentisch gruppiert.  \n<\/p>\n\n\n\n<p>Zentral f\u00fcr <em>Oi!<\/em>-Punkrock,\num den die Skinhead-Kultur zirkulierte, war wie im Hip-Hop dessen\n\u203aStreet\nCredibility\u2039.<sup><a href=\"#sdfootnote10sym\"><sup>10<\/sup><\/a><\/sup>\nNiedrigschwellig in der Produktion war auch <em>Oi!<\/em>\nauf Texte konzentriert, die eine perspektivlose Jugend beschrieben,\nin der Gewalt allgegenw\u00e4rtig war. Sie richtete sich insbesondere\ngegen nicht-<em>wei\u00dfe<\/em>.\nIhnen begegnete Gro\u00dfbritannien nach Zerfall des Empires (in der\nzweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts) mit angstgespeistem Rassismus,\nder nationalistische Parteien f\u00f6rderte. Diese erkannten das\nPotential der eliten- und fremdenfeindlichen <em>wei\u00dfen<\/em>\nArbeiter_innenkinder und vereinnahmten sie gezielt. W\u00e4hrend Parteien\nwie die National Front an Zuwachs gewannen, erhielten die Skinheads\neine politische Existenz. Reminiszenzen an die Kollaboration zwischen\nder AfD und Chris Ares liegen nah: Bis zu Ares Bruch mit der AfD<sup><a href=\"#sdfootnote11sym\"><sup>11<\/sup><\/a><\/sup>\nbesangen er und Prototyp NDS auf Wahlkampfveranstaltungen ihr\n\u00bbdeutsches Blut\u00ab und die \u00bbS\u00f6hne Europas\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Damals wie heute werden\nPolitikverdrossenheit und diffuse \u00c4ngste \u00fcber rassistische\nNarrative in rechtsextreme Ideologien \u00fcberf\u00fchrt. Dabei stilisierte\nbritischer Rechtsrock in den 1980er Jahren bereits die \u203amulti-racial\nsociety\u2039 zur existenziellen Bedrohung des \u203awhite man on the run\u2039.\nDas \u203aWhite-Power\u2039-Motiv \u2013 die Umkehr des \u203aBlack\nPower\u2039-Ausrufs der Schwarzen B\u00fcrger_innenrechtsbewegung \u2013 wurde\nvon den US-amerikanischen White Surpremacists \u00fcbernommen und ist bis\nheute ein identit\u00e4tsstiftendes Element der extremen Rechten, das sie\n\u00fcber nationalstaatliche Grenzen hinweg eint.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Heidentum und rechte Musik\nals Bedeutungstr\u00e4ger f\u00fcr Europas Rechte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Rolle neuheidnischer\nBez\u00fcge f\u00fcr rechte Musik kl\u00e4rt ein Blick in ihre Anf\u00e4nge.\nRechtsrock-Bands der achtziger und neunziger Jahre luden ihren\nneonazistischen Message-Rock von Beginn an neuheidnisch auf, so etwa\nIan Stuart von Skrewdriver, bekennender Neuheide, oder die deutsche\nBand Landser, deren Mitglieder \u00bbOdin statt Jesus\u00ab huldigten. Der\nBezug auf den altnordischen Naturglauben stiftete ein kollektives\nIdentifikationsangebot, das innerhalb Europas G\u00fcltigkeit behaupten\nkonnte und gegen das \u2013 als j\u00fcdische \u203aFremdreligion\u2039\ndiskreditierte \u2013 Christentum in Stellung gebracht wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Vernetzung der\nrechtsextremen Szenen \u00fcber die Grenzen der eigenen Nationalismen\nhinweg hatte durchaus Erfolg. So publizierte die offen neonazistische\nBand <em>Skrewdriver<\/em>\naus London seit 1984 auch \u00fcber das westdeutsche Plattenlabel\nRock-O-Rama.<sup><a href=\"#sdfootnote12sym\"><sup>12<\/sup><\/a><\/sup>\nDer lukrative Austausch \u00fcber den Musikvertrieb f\u00f6rderte die\nVernetzung des Milieus auf nie da gewesene Weise. Die Bands\netablierten ein Motiv, das f\u00fcr eine intereurop\u00e4ische Rechte\nanschlussf\u00e4hig sein w\u00fcrde. Die \u203apan-arische Internationale\u2039<sup><a href=\"#sdfootnote13sym\"><sup>13<\/sup><\/a><\/sup>\nentfaltete sich auch im Zeichen sich angleichender\nBedrohungsszenarien westlicher Industriegesellschaften im Zeitalter\nder Globalisierung.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Internationalisierung\ndes Nationalistischen waren R\u00fcckgriffe auf \u203adie\u2039 Germanen und\nWikinger zentral, die\nv\u00f6lkische Narrative unterf\u00fctterten.<sup><a href=\"#sdfootnote14sym\"><sup>14<\/sup><\/a><\/sup>\nAuf der ersten bei\nRock-O-Rama vertriebenen Skrewdriver-LP hisst ein Wikinger sein\nBanner mit altnordischem Radkreuz \u2013 dem \u203aWhite-Power\u2039-Emblem.\nDie \u00dcbereinkunft beider Motive pr\u00e4gt die rechte Musikszene bis\nheute, denn die Schlussfolgerung lautete: \u00bbWe\u2019ve\ngot to get together now, and wage our nation\u2019s fights\n\/ If\nwe don\u2019t act quickly, we\u2019re going to face the endless night [\u2026]\n\/ Europe awake\u00ab.<sup><a href=\"#sdfootnote15sym\"><sup>15<\/sup><\/a><\/sup>\nDie altnordische Referenz ist mehr als ein Mittel der Verschleierung,\nindem etwa das Radkreuz anstelle eines Hakenkreuzes gesetzt wird. Sie\nfungierte als legitimatorischer \u203aKitt\u2039 zwischen Nationen und\nNationalismen. Zusammenhalt soll die gemeinsame Zugeh\u00f6rigkeit zur\n\u203anordischen\u2039, <em>wei\u00dfen<\/em>\n\u203aRasse\u2039 stiften, die durch eine ihrerseits international\nagierende \u203afremde\u2039 Macht dem Untergang geweiht sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Ideologie setzt sich im\nRechtsrap fort: \u00bbAlles ist vergessen \/ Fremde Interessen \/ Wir\nm\u00fcssen uns wehren \/ Schnell, sonst ist es zu sp\u00e4t \/ Denn unsere\nGegner vernichten die ethnokulturelle Kontinuit\u00e4t \/ Wir stehen auf,\nl&#8217;Europe lib\u00e9r\u00e9e!\u00ab rappt Patrick Uli Bass alias Komplott. Bass\ngelangte \u00fcber neonazistische Gruppen und schlie\u00dflich eine\nBurschenschaft zu den \u203aIdentit\u00e4ren\u2039. Die Germania Marburg wirbt\nonline mit der n\u00e4chtlichen Fotografie einer Gruppe M\u00e4nner mit\nFackeln \u2013 in ihrer Mitte ein h\u00f6lzernes Radkreuz. Darunter folgt\nein l\u00e4ngerer Text, in dem es hei\u00dft, man sei politisch nicht so\nfestgelegt, auf die richtigen Werte komme es an. Die Codierung ist\neindeutig f\u00fcr jene, die schon einmal ein Skrewdriver-Album in der\nHand hatten \u2013 oder den richtigen Profilen auf Instagram folgen. Das\n\u203aWhite-Power\u2039-Emblem ziert dort als Silberkettchen den Hals\nneurechter Influencer_innen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein exklusives,\nintegratives und kriegerisches Identifikationsangebot f\u00fcr Europa<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Chris Ares und Abzstrakkt\nin <em>S\u00f6hne Europas<\/em>\n2020 singen: \u00bbEingeh\u00fcllt in strahlendes Licht \/ Durchbrechen wir\ndie engen Mauern \/ Von Zw\u00e4ngen und Trauer \/ Mit brennender Aura [\u2026]\n\/ Ich channel die Kraft \/ Der\u205fin\u205fden\u205fvergangenen\nZeiten gefallenen\u205fKrieger\n\/ Aus den heiligen\u205fHallen\u00ab,\num daraufhin in eine Aufz\u00e4hlung\neurop\u00e4ischer\nSt\u00e4dte\nzu verfallen, nutzen sie dieses Motiv im Sinne europ\u00e4ischer\n\u203aIdentit\u00e4tspolitik\u2039\n\u2013\neinem zentralen Strategieelement der neuen Rechten. Damit st\u00f6\u00dft\ndiese in der nach 1945 bewusst institutionell ausgestalteten EU in\nein identifikatorisches Vakuum. Dem institutionellen Europa steht die\nneue Rechte mit Ablehnung gegen\u00fcber. Ihr Europabild konstruiert\neinen v\u00f6lkischen Erbzusammenhang, der als \u203anat\u00fcrlich\u2039 gesetzt\nist. Es wird darin nicht eine Nation gegen die andere ausgespielt,\nsondern die \u203aVerwurzelten\u2039 den nicht in Europa \u203aVerwurzelten\u2039\nentgegengesetzt: \u00bbKrieger kennen keinen Untergang \/ 1000 deiner\nWurzellosen, gegen meine hundert Mann\u00ab.<a href=\"#sdfootnote16sym\"><sup>16<\/sup><\/a>\nHistorische und politische Gegens\u00e4tze zwischen den einzelnen\neurop\u00e4ischen Nationen werden durch das Wiederaufleben-Lassen\ngemeinsamer antisemitischer und rassistischer Fremd- und\nFeind_innenbild-Traditionen nivelliert und um die Identifikation mit\neinem Europa der \u203aVerwurzelten\u2039 erg\u00e4nzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon Skrewdriver huldigten in\nihren Liedtexten britisch(-alliierten) und deutschen\n(Wehrmachts-)Soldaten zu gleichen Teilen \u2013 denn: \u00bbThe Zionists own\nthe media, and they\u2019re known for telling lies \/ And I could see,\nthat it could be, we fought on the wrong side.\u00ab<sup><a href=\"#sdfootnote17sym\"><sup>17<\/sup><\/a><\/sup>\nSolche Zeilen sind Balsam\nf\u00fcr die weltanschaulichen Wunden des deutschen Nationalismus. Die\ngeschichtsrevisionistische Fantasie f\u00f6rdert eine gemeinsame\nFeind_innenbild-Kultur\nund resultiert in der Forderung nach einer \u203aEuropean Unity\u2039 von\nrechts; eingeschworen auf die Tradition wehrhafter \u203aeurop\u00e4ischer\u2039\nKriegsst\u00e4mme,\ndie weit davon entfernt waren, ein gemeinsames Bewusstsein zu teilen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Antisemitischer\nVerschw\u00f6rungsglaube<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Insbesondere in Deutschland\nliegt die Identifikation mit vorzeitlichen\nKriegsst\u00e4mmen Patriot_innen\nn\u00e4her als die Besinnung auf etwa das letzte Jahrhundert ihrer\nGeschichte. Wenn die\nRapper Chris Ares und Abztrakkt das Erbe des NS zugunsten eines\nesoterisch aufgeladenen, \u00fcberzeitlichen Bundes als \u00bbBrut des Adlers\n\/ [\u2026]\nverwurzelt mit Mutter Gaia\u00ab \u00fcberwinden wollen, ist diese Rhetorik\ntradiert.\nDenn\nder Antisemitismus diskreditiert das Judentum als \u203anomadisch\u2039,\ndie \u203aWurzelrassenlehre\u2039 speiste seit dem 19. Jahrhundert die Idee\nvon der \u00dcberlegenheit des \u203aAriers\u2039, und die\n\u203aBlut-und-Boden\u2039-Ideologie, also der Glaube an den nat\u00fcrlichen\nBund von \u203aVolk\u2039 und \u203aRaum\u2039, legitimierte die kriegerische\nExpansion des NS. In Anbetracht der eindeutigen Kontinuit\u00e4ten mit\nder NS-Ideologie ist es wichtig, diese Muster als das zu\ndekonstruieren, was sie sind: sehr rechts und gar nicht neu.<\/p>\n\n\n\n<p>Die klar antisemitische\nVerortung der Neuen Rechten wird durch die Mobilisierung von\nNarrativen einer \u203aVernichtung\u2039 der \u203aethnokulturellen\nKontinuit\u00e4t\u2039 eines vorchristlich<a href=\"#sdfootnote18sym\"><sup>18<\/sup><\/a>\ngedachten Europas durch \u203afremde Interessen\u2039 noch best\u00e4rkt:  Nach\nder Verschw\u00f6rungsideologie des Zionist Occupied Government (ZOG)\nwird die \u2013 europ\u00e4isch gedachte \u2013 <em>wei\u00dfe\n\u203a<\/em>Rasse\u2039 durch\nnichteurop\u00e4ische, nicht-<em>wei\u00dfe\nZ<\/em>uwanderung (und\ndaraus folgender \u203aRassenmischung\u2039) gezielt geschw\u00e4cht. Das Bild\n\u203ades Juden\u2039 als Strippenzieher spiegelt sich bei Chris Ares im\nBild der \u00bbeisernen Krake\u00ab wider, bei Komplott in dem der\n\u00bbstaatenlosen Verbrecher\u00ab, die f\u00fcr den Zweiten Weltkrieg\nverantwortlich gemacht werden. Das Narrativ systematisiert diffuse\nBedrohungsgef\u00fchle und legitimiert einen nie vergessenen,\neurop\u00e4ischen Antisemitismus neu. Das Feindbild ZOG ist in\nverschieden-diffusen Erz\u00e4hlformen ein zentrales Erkl\u00e4rmuster der\nCorona-Leugner_innen.<a href=\"#sdfootnote19sym\"><sup>19<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Immer\ndie gleichen Bilder<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In leitmotivischen, extremen\nBedrohungsszenarien \u2013 etwa als \u203aFl\u00fcchtlingswelle\u2039 oder \u203agro\u00dfem\nAustausch\u2039 \u2013 werden Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus\nim neurechten Rap kondensiert. Der Antagonismus von \u203aGewalt\u2039 und\n\u203aHeil\u2039, dunkel und hell reflektiert die Polarit\u00e4t zwischen\n\u203aFremdem\u2039 und \u203aEigenem\u2039, \u203aFeind\u2039 und \u203aFreund\u2039. In der\n\u203aAriosophie\u2039 befindet sich \u203ader Arier\u2039 als \u203aLichtgestalt\u2039\nin einem endzeitlichen Kampf gegen die Finsternis \u2013 eine Fackel in\nder Hand zu haben tut da Not. Wird Europa bei Skrewdriver angesichts\neiner \u00bbendless night\u00ab zu Kameradschaft aufgerufen, ist es bei Chris\nAres ein aufziehendes \u00bbGewitter\u00ab. Der Rapper schreibt \u00bbTexte in\ndunkelsten N\u00e4chten [\u2026]\n\/ sie scheinen, sie funkeln und brechen durch mit den Wolken\nbedeckten Himmel\u00ab und sein \u00bbgermanisches Blut\u00ab werde ihn nicht\nz\u00f6gern lassen, die bedrohte \u00bbHeimat\u00ab zu verteidigen. Ob Rechtsrock\nder achtziger Jahre oder Rechtsrap der Gegenwart: Die Bilder, die der\nrechtspolitischen Ausschm\u00fcckung der Subkultur dienen, sind vielfach\ndie Gleichen\ngeblieben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was bleibt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auch\nwenn sich die neurechten Rapper_innen heute nicht mehr eindeutig in\ndie Tradition des NS stellen, sind die ideologischen Kontinuit\u00e4ten\neindeutig. Dass sie nicht explizit artikuliert werden, ist nicht\nzuletzt der Tatsache geschuldet, dass die Neue Rechte die\nstrategische Bedeutung des \u203aUnpolitischen\u2039 \u2013 gerade auf Social\nMedia \u2013 in ihrem Sinne zu nutzen gelernt hat. Kai\nNaggert und NDS Records haben sich, so die Selbstaussage, von allen\npolitischen Verbindungen getrennt. Auf Instagram teilt Naggert als\nPrototyp NDS dennoch Ausz\u00fcge aus dem Parteiprogramm der AfD f\u00fcr die\nBundestagswahl 2021 \u2013 mit Faust- und Deutschlandflaggen-Emoji gegen\nMinarette und Maskenpflicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Instagram, YouTube und Telegram haben die Rolle von Konzerten in den achtziger und neunziger Jahren ersetzt. Auf den neuen Plattformen bleibt die Musik der Motor der rechten Szene, ihrer Vernetzung und Finanzierung. Mit eigenem Tonstudio und Textilvertrieb fordern die Musiker_innen von NDS Records ihre Fans auf, Klicks zu generieren, Fan-Merch zu bestellen, sich auf Telegram zu <em>connecten<\/em>. \u00dcber das Crowdfunding-Portal Patreon, bei dem NDS \u00bbMusik und Unterhaltung\u00ab anbieten, erhalten Abonnent_innen f\u00fcr monatliche Geldbetr\u00e4ge Zugang zu immer kleineren, exklusiveren Telegram-Gruppen. Auf YouTube pr\u00e4sentieren sich NDS mit b\u00f6sen Blicken und \u00fcberdrehter Selbstironie erst hinterm MacBook, dann am Fliesentisch. Sie vereinen zeitgen\u00f6ssische Stilelemente mit R\u00fcckgriffen auf eine \u203anordische\u2039 Identit\u00e4t \u2013 modisch mit Trainingsjacke und immer gut sichtbarer <em>Vegvisir<\/em>-Rune auf dem Handr\u00fccken, musikalisch mit Rap \u00fcber \u203aGermanien\u2039, finanziell \u00fcber Patreon.<\/p>\n\n\n\n<p>____________________________________<\/p>\n\n\n\n<p> <a href=\"#sdfootnote1anc\">1<\/a> Vgl. Alice Echtermann, Arne Steinberg, Celsa Diaz, Clemens Kommerell, Till Eckert : <em>Kein Filter f\u00fcr Rechts. Wie die rechte Szene Instagram benutzt, um junge Menschen zu rekrutieren., <\/em>Correctiv Online, 9. Oktober 2020. Online unter: <a href=\"https:\/\/correctiv.org\/top-stories\/2020\/10\/09\/kein-filter-fuer-rechts-instagram-rechtsextremismus-subkulturen-lifestyle-rap-merchandise-geld\/\">https:\/\/correctiv.org\/top-stories\/2020\/10\/09\/kein-filter-fuer-rechts-instagram-rechtsextremismus-subkulturen-lifestyle-rap-merchandise-geld\/<\/a> <\/p>\n\n\n\n<p> <a href=\"#sdfootnote2anc\">2<\/a> Nicht Advanced Chemistry (<em>Fremd im eigenen Land<\/em>, 1992) erklommen schlie\u00dflich als ersten die deutschen Charts, sondern der <em>wei\u00dfe<\/em> Ulk-Hip-Hop der Fantastischen Vier (<em>Die Da!?!<\/em>, 1992). Kofi Yakpo von Advanced Chemistry bezeichnete \u00bbdie Art und Weise, wie die Verwandlung von Hip-Hop zu Popmusik in Deutschland stattgefunden hat\u00ab per se als Ausdruck \u00bbstruktureller Gewalt\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p> <a href=\"#sdfootnote3anc\">3<\/a> \u203aVorpolitische\u2039 R\u00e4ume des allt\u00e4glichen (subkulturellen) Lebens von rechts zu besetzen, ist ein zentrales Strategieelement neu-rechter Metapolitik mit dem Ziel einer \u203akulturelle Revolution\u2039 von rechts.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote4anc\">4<\/a>\n\tChris Ares\u2019\n\tAusstieg ging 2020 mit einer Sperrung auf beiden Plattformen\n\teinher.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote5anc\">5<\/a>\n\tWir verlinken hier explizit nicht auf Videos der Rechtsrapper, um\n\t\u00fcber unsere Seite keine weiteren Klicks zu generieren. \n\t<\/p>\n\n\n\n<p> <a href=\"#sdfootnote6anc\">6<\/a> Norbert Frei, Franke Maubach, Christina Morina und Maik T\u00e4ndler in ihrem \u00dcberblick \u00fcber die deutsche extreme Rechte seit 1945: <em>Zur rechten Zeit. Wider die R\u00fcckkehr des Nationalismus, <\/em>Ullstein<em>, <\/em>2019.<\/p>\n\n\n\n<p> <a href=\"#sdfootnote7anc\">7<\/a> Vgl. Sebastian Friedrich : <em>Sommerinterview mit J\u00f6rg Meuthen: So besser nicht, <\/em>NDR Online,21. Juli 2020. Online unter: https:\/\/www.ndr.de\/fernsehen\/sendungen\/zapp\/Sommerinterview-Meuthen-So-besser-nicht,sommerinterviewmeuthen100.html    <\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote8anc\">8<\/a>\n\tAngelehnt an das antifaschistische <em>Rock\n\tAgainst Racism<\/em>\n\t1976.<\/p>\n\n\n\n<p> <a href=\"#sdfootnote9anc\">9<\/a> Zu den Skinheads z\u00e4hlten auch apolitische und linke Gruppen. Nach Deutschland kam das Ph\u00e4nomen von Beginn an mit einer st\u00e4rkeren rechtspolitischen Ausrichtung. Hiesige Gruppen orientierten sich an den aus den Medien bekannten Extrembeispielen aus dem UK und der radikalen Musik von Gruppen wie Skrewdriver.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote10anc\">10<\/a>\n\t<em>Oi<\/em>!\n\twurzelt in jamaikanischem Ska, Reggae und linkem Punk.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote11anc\">11<\/a>\n\tAnlass\n\tdaf\u00fcr war Chris\n\tAres\u2018 Gr\u00fcndung\n\teines eigenen rechtsextremen \u203aDorfs\u2039 in Sachsen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote12anc\">12<\/a>\n\t1984\n\tdeb\u00fctierten\n\tbei demselben Label auch die\n\tB\u00f6hsen Onkelz mit\n\t<em>Der\n\tnette Mann<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote13anc\">13<\/a>\n\tThomas Grumke: <em>Die\n\ttransnationale Infrastruktur der extremistischen Rechten, <\/em>Springer,\n\t2006.<\/p>\n\n\n\n<p>\n\t<a href=\"#sdfootnote14anc\">14<\/a>\n\tDabei\n\tist anzumerken, dass weder die eine noch die andere historische\n\tSammelbezeichnung ein \u203aVolk\u2039 beschreibt; beide zerfielen in\n\tdiverse St\u00e4mme ohne gemeinsames Selbstbewusstsein.<\/p>\n\n\n\n<p>\n\t<a href=\"#sdfootnote15anc\">15<\/a>\n\t\u00bbWir\n\tm\u00fcssen zusammenkommen um die K\u00e4mpfe unserer Nationen zu f\u00fchren \/\n\tWenn wir nicht schnell handeln, wird die endlose Nacht einbrechen \u2026\n\t\/ Europa erwache\u00ab (Skrewdriver,\n\t1984).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote16anc\">16<\/a>\n\tChris\n\tAres, <em>Krieger,<\/em>\n\t2020.<\/p>\n\n\n\n<p> <a href=\"#sdfootnote17anc\">17<\/a> \u00bbDen Zionisten geh\u00f6ren die Medien und sie sind daf\u00fcr bekannt, L\u00fcgen zu erz\u00e4hlen \/ Und ich kann mir vorstellen, dass wir auf der falschen Seite gek\u00e4mpft haben.\u00ab (Skrewdriver, 1984).<\/p>\n\n\n\n<p> <a href=\"#sdfootnote18anc\">18<\/a> Das Christentum ist f\u00fcr Naturgl\u00e4ubige bzw. Neuheiden als \u203aFremdreligion\u2039 und j\u00fcdisches Herrschaftselement gesetzt. Europas Rechte bem\u00fcht sich seit Jahren, diesen Widerspruch zugunsten einer breiteren Anschlussf\u00e4higkeit aufzuheben, indem sie das Christentum als europ\u00e4isches Kulturgut hochh\u00e4lt, das als solches mit der \u203aNatur\u2039 ausges\u00f6hnt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>\n\t<a href=\"#sdfootnote19anc\">19<\/a>\n\tVgl. Martin Bernstein : <em>So\n\tjudenfeindlich sind die Anti-Corona-Demos, <\/em>S\u00fcddeutsche\n\tZeitung Online, 14. Januar 2021. 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