{"id":626,"date":"2021-04-16T14:30:05","date_gmt":"2021-04-16T12:30:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/?p=626"},"modified":"2023-05-01T04:05:18","modified_gmt":"2023-05-01T02:05:18","slug":"das-unbehagen-in-hollywood-huch91","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/2021\/04\/das-unbehagen-in-hollywood-huch91\/","title":{"rendered":"Das Unbehagen in Hollywood &#8211; HUch#91"},"content":{"rendered":"\n<p>| von Tea Medar Collot |<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Serie<\/em> BoJack Horseman<em> ist bekannt f\u00fcr ihren d\u00fcsteren Humor und ihre grelle Zeichentrick\u00e4sthetik. Dahinter verbergen sich jedoch Abgr\u00fcnde \u2013 und wer der Serie Zeit gibt, entdeckt diese bald auch in sich selbst.<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/HUCH-91-Bildseiten30_cut-713x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-627\" width=\"444\" height=\"638\" srcset=\"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/HUCH-91-Bildseiten30_cut-713x1024.jpg 713w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/HUCH-91-Bildseiten30_cut-209x300.jpg 209w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/HUCH-91-Bildseiten30_cut-768x1103.jpg 768w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/HUCH-91-Bildseiten30_cut-1070x1536.jpg 1070w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/HUCH-91-Bildseiten30_cut-17x24.jpg 17w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/HUCH-91-Bildseiten30_cut-25x36.jpg 25w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/HUCH-91-Bildseiten30_cut-33x48.jpg 33w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/HUCH-91-Bildseiten30_cut.jpg 1172w\" sizes=\"auto, (max-width: 444px) 100vw, 444px\" \/><figcaption>Bild: Mariana Papagni<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\u00bbMan\nm\u00f6chte sagen, die Absicht, dass der Mensch gl\u00fccklich ist, ist\nim\nPlan der \u203aSch\u00f6pfung\u2039\nnicht enthalten.\u00ab<a href=\"#sdfootnote1sym\"><sup>1<\/sup><\/a>\nDer Vorwurf des\nKulturpessimismus gegen\u00fcber Sigmund\nFreud ist nicht neu. So sei\nder Mensch von Grund auf zum Ungl\u00fcck verdammt \u2013 und\ndas nicht blo\u00df\nwegen der \u00e4u\u00dferen\nUmst\u00e4nde, denen\ner von Natur aus\nunterliegt, nein \u2013\ndas Ungl\u00fcck liege\ntief in ihm selbst begr\u00fcndet.\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Raphael\nBob-Waksbergs\nSerie\n<em>BoJack\nHorseman<\/em>\nlag\nvon Anfang an\neine\n\u00e4hnlich\nd\u00fcstere Pr\u00e4misse\nzugrunde:\nSie\nportr\u00e4tiert Himmel und H\u00f6lle des Menschseins so nuanciert,\nwie\nman sie von einer\n\u00bbAdult-Humor\u00ab-Zeichentrickserie in\nquietschbunter Aquarelloptik\nnicht\nerwarten\nw\u00fcrde.\nDer\nEinstieg,\nder uns noch verspielt und humorvoll in die anthropomorphe\nTier-Menschenwelt eines alternativen Hollywoods einf\u00fchrt, m\u00fcndet\nlangsam, aber\nunaufhaltsam\nin\nein\nUnbehagen, das\nsich durch die\ngesamte\nSerie\nzieht.\nDie\nerste Staffel wirkt dabei in\nder Umsetzung vielleicht\nnoch\nunbeholfen\nund\nist uns\nals\nZuschauer_innen\nvergleichsweise bek\u00f6mmlich.\nDennoch\nbeherrscht sie\ndie\nGrundlagen\nihres\nerz\u00e4hlerischen\nHandwerks\nund\ndeutet die tiefsch\u00fcrfenden\nKonflikte \u2013 und zum Teil auch die Abgr\u00fcnde, die sich im\nweiteren Verlauf der\nSerie auftun\nwerden \u2013\nim\nUrsprung\nbereits an. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Sechs\nStaffeln lang erz\u00e4hlt die Serie von ihrem namensgebenden\nProtagonisten, dem alkoholkranken, depressiven Pferd und\nehemaligen Sitcom-Star BoJack\nHorseman, und seiner durch\nund durch destruktiven\nSuche nach etwas, das seiner verqueren Vorstellung von\n\u00bbGl\u00fcck\u00ab\nentsprechen\nk\u00f6nnte.\nDer\ncharakteristische Balanceakt der Serie zwischen abstrusem Witz,\nverspielter Illustration und nahendem\nAbgrund gelingt ihr allersp\u00e4testens\nab der dritten Staffel so gekonnt, dass es den Zuschauer_innen\ngeradezu\nverunm\u00f6glicht wird, sie\nnicht\nweiterzuverfolgen.\nDie\neinzige Voraussetzung, welche\nan dieser Stelle auch als eindeutige Triggerwarnung<a href=\"#sdfootnote2sym\"><sup>2<\/sup><\/a>\nf\u00fcr die gesamte Serie verstanden werden sollte, lautet: Man\nsollte\nsich psychisch\nin der Lage f\u00fchlen,\ndie massiv traumatischen Erz\u00e4hlungen auszuhalten.\nDenn\nBoJack ist nicht nur ein Pferd, das an seinem eigenen Trauma nagt,\nsondern\nauch eines,\ndas massiv Leiden\nbei\nanderen\nverursacht \u2013 und\ndas oftmals im vollen Bewusstsein dar\u00fcber, was es\nanrichtet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zauber der Illusion<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das\nIch ben\u00f6tigt Bew\u00e4ltigungsstragien \u2013 und das bereits als Kind. Mit\ngro\u00dfen Augen sitzt der\nzehnj\u00e4hrige\nBoJack\nvor dem Fernseher und\nverfolgt ein Interview mit seinem gro\u00dfen Idol, dem Rennpferd\nSecretariat.\nEr\nrutscht immer\nn\u00e4her an den Fernseher heran, dreht die Lautst\u00e4rke weiter hoch \u2013\nauch,\num\nseine\nstreitenden Eltern zu \u00fcbert\u00f6nen.\nBei\nder Fanpost, die seinem\nIdol\nw\u00e4hrend\ndes Interviews\nvorgelesen\nwird,\nhandelt es sich um\neinen Brief von\nBoJack\nselbst.\nDie\nFrage,\nmit\nder er sich an sein\nIdol\nwendet,\nist\noffensichtlich\neine, auf die er von beiden\nseiner Elternteile noch\nnie eine richtige Antwort erhalten hat. Er fragt, was er denn\ntun\nsolle, wenn er traurig ist.\nDurch\nden Fernseher hindurch\nr\u00e4t\nihm\nSecretariat:\n\u00bbBoJack, when you get sad, you run straight ahead and you keep\nrunning forward, no matter what. [&#8230;]\nDon&#8217;t you stop running and don&#8217;t you ever look behind you. There&#8217;s\nnothing for you behind you. All that exists is what&#8217;s ahead.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Diesen\nRat nimmt sich BoJack zu Herzen. Seine\nBew\u00e4ltigungsstrategie gestaltet\nsich als\nFlucht in die Welt\nder\nUnterhaltungsindustrie.\nNach den\nersten m\u00e4\u00dfig erfolgreichen Versuchen als Stand-Up-Comedian gelingt\nihm\nder gro\u00dfe\nDurchbruch\nals\nSchauspieler:\nEr bekommt\ndie Hauptrolle in der durchschlagend\nerfolgreichen\nSitcom \u00bbHorsin\u2018 Around\u00ab.\nUnd\nmit einem Schlag findet BoJack genau das, wonach\ner sich ein Leben lang sehnte:\ndie gro\u00dfe Unabh\u00e4ngigkeit, eine\nAbkehr vom Elternhaus, die\nZuneigung eines Millionenpublikums und \u2013 in\nseiner Crew \u2013 sogar\neine\nArt\nSitcom-Ersatzfamilie.\nIn\nseiner\nFlucht ist er der\nkindlichen\nOhnmacht entkommen und hat\nsich\nsein g\u00e4nzlich\neigenes\nTraumleben\ngeschaffen.\nOder,\num\ndie Illusion zu zerst\u00f6ren:\nWas\nhinter ihm liegt, wovor er gefl\u00fcchtet ist\n\u2013 die Mutter, die ihn aufgrund ihres eigenen Traumas nicht lieben\nkonnte; der\nVater, der\nnie\nf\u00fcr\nihn da\nwar \u2013 hat\ner\ngnadenlos verdr\u00e4ngt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nErsatzfamilie kommt ihm wie gelegen.\nAls ideologisch zurechtgestutztes Abziehbild funktioniert sie\nals Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr sein\nunerf\u00fclltes\nBed\u00fcrfnis nach famili\u00e4rer\nZuneigung.\nVon\nFolge zu Folge\nfl\u00fcchtet\ner\nsich\nin\ndie\nzwanzigmin\u00fctige\nSitcom-L\u00fcge\nvor Live-Publikum \u2013 eine\nL\u00fcge\nmit Feel-Good-Versicherung f\u00fcrs Herz, nach der die\nZuschauer_innen\napplaudieren, um daraufhin\nzu\nihren eigenen, komplett dysfunktionalen Familien zur\u00fcckzukehren.\nEs\nist eine L\u00fcge, die BoJack selber glaubt: Dass es immer ein Happy End\ngibt, dass auf schlechte Taten keine Konsequenzen folgen, wenn er\nsich am\nEnde\nnur oft genug entschuldigt und von den Menschen um sich herum geliebt\nwird. Es\nist eine L\u00fcge, die er verinnerlicht.\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>BoJacks\nB\u00fchne funktioniert f\u00fcr ihn als Sprungbrett\nin die Entfremdung \u2013 sein\ndurch und durch falsches Verst\u00e4ndnis davon, was Liebe\nund Zuneigung\nbedeuten,\nweil\ner sie als junges Pferd nie erfahren hat,\n\u00e4u\u00dfert\nsich nicht zuletzt darin,\ndass er jedes\nMitglied seiner Ersatzfamilie\nr\u00fccksichtslos\nund von Grund auf schlecht\nbehandelt.\nEr\ntut nichts, als sein Freund Herb wegen\nseiner\nHomosexualit\u00e4t aus der Show geschmissen wird.\nAuch\nden Rauswurf seiner Stylistin,\nwelcher\nf\u00e4lschlicherweise ein Fehler unterstellt\nwird,\nden\nin\nWirklichkeit BoJack\nbeging,\nverhindert\ner nicht.\nDoch\ndie Illusion h\u00e4lt.\nZu\nleicht zu bet\u00e4uben sind die Gewissensbisse:\ndurch Alkohol, Aff\u00e4ren und den dr\u00f6hnenden\nRausch des Ruhms. Die\nLust wiegt schwerer,\ndenn\ner\nist ein Star, alle lieben ihn.\nUnd das Trauma pocht leise. Er kann es nicht h\u00f6ren. \n<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein reines Lust-Ich<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zu\nBeginn der\nSerie, 14\nJahre nach dem Ende von \u00bbHorsin\u2018 Around\u00ab,\nfristet der ehemalige Sitcom-Star\nseinen traurigen Alltag in seiner Hollywood-Villa\nnach\neinem\nSchema,\nwie\nes uns Freud 1930\nbereits\nim <em>Unbehagen\nder Kultur<\/em>\nschilderte.\nEr\npendelt von Befriedigung zu Befriedigung, sucht Ablenkung, Rausch \u2013\ndrei von Freud definierte Vermeidungsstrategien \u2013 im elendigen\nVersuch, seiner Depression zu entkommen. Als\nZuschauer_innen f\u00e4llt es uns zun\u00e4chst schwer, die eigentliche Tiefe\nunter seiner Oberfl\u00e4che \u2013 eine\nvulg\u00e4re Personifizierung des\nFreudschen Lust-Ichs\n\u2013\nzu fassen. Nach\nund nach werden\nuns\ndie\nwichtigsten Charaktere der Serie vorgestellt: sein bester Freund und\nMitbewohner Todd, seine\nAgentin und Ex-Partnerin Princess Carolyn, sein Erz-Rivale Mr.\nPeanutbutter und schlussendlich die\nAutorin\nseiner\nBiographie\nund\nsp\u00e4tere beste Freundin\nDiane Nguyen, welche im Verlauf zur\nwichtigsten Konstanten in\nseinem\nLeben (und\nzur personifizierten\nStimme\nder Vernunft)\navancieren\nwird. Als verkorkster\nEgomane\nvoller\ntoxischer\nVerhaltensweisen, die sich \u00fcber\ndie Jahre\nin ihn\neingebrannt haben, wird\nBoJack es schaffen, jeden einzelnen dieser Menschen auf die\nvielf\u00e4ltigsten Arten und Weisen zu entt\u00e4uschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Pferde\nsind\nFluchttiere. Bei\npotentieller Gefahr versuchen sie also, dieser schnellstm\u00f6glich zu\nentkommen. Jahrelang entwickelt BoJack hierbei seine eigene Form von\nFluchtverhalten, ger\u00e4t jedes Mal aufs Neue in einen\nTeufelskreis der Selbst-Sabotage, gr\u00fcndend auf seinem\nverinnerlichten\nSelbsthass. Wird ihm Zuneigung entgegengebracht, st\u00f6\u00dft er alles\nund jede_n\nbrutal von sich weg, sabotiert teils bewusst, teils unbewusst\ns\u00e4mtliche Beziehungen, da er\nder\n\u00dcberzeugung ist, dieser Zuneigung \u00fcberhaupt nicht wert zu sein.\nGleichzeitig distanziert er sich von jeglichem\nFehlverhalten, \u00bbentschuldigt\u00ab und rechtfertigt sich f\u00fcr seine\n\u00bbAusrutscher\u00ab, die doch gar nicht sein \u00bbwahres, gutes Ich\u00ab\nreflektieren \u2013 n\u00e4mlich sein innerstes Bed\u00fcrfnis danach, ein guter\nMensch zu sein. Ein Bed\u00fcrfnis, das immer wieder mit dem\nnagenden\nSelbsthass in Konflikt ger\u00e4t, welchen er durch seine sich st\u00e4ndig\nwiederholenden Fehler n\u00e4hrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die\n\u00bbAusrutscher\u00ab und Fehltritte, die sich\nBoJack\nwieder\nund\nwieder erlauben kann, weil er als reicher,\nm\u00e4nnlicher\nHollywood-Star\nin\neiner oberfl\u00e4chlichen Schein-Welt\nnie wirkliche Konsequenzen zu\nbef\u00fcrchten hat,\nwandeln sich im Verlauf der Serie zu\nimmer abscheulicheren\nVerbrechen an den Menschen um ihn\nherum, die auch f\u00fcr uns Zuschauer_innen zunehmend\nschwer\nzu ertragen werden. Dabei\nsind es\ndie Frauen in BoJacks Leben, die am meisten unter seinem\nFehlverhalten leiden.\nEine\nwochenlange\nDrogentour, auf\ndie\ner\nseine\nehemalige\nSitcom-Tochter Sarah Lynn mitnimmt,\nkostet diese schlussendlich das Leben. Zahllose,\nnamenlose\nFrauen werden von ihm wie Objekte behandelt, die er nach dem Sex von\nsich wegsto\u00dfen kann. Der\nHorror geht so weit, dass er\nsich fast an einer Minderj\u00e4hrigen vergeht\n\u2013 der Tochter einer ehemaligen Freundin.\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>BoJack\nist ein Meister darin, seine Gr\u00e4ueltaten zu verdr\u00e4ngen. Sein\ngesamtes Umfeld\n\u2013 und\nauch wir als Zuschauer_innen, die ihn\nst\u00e4ndig\nbegleiten \u2013 erf\u00e4hrt\nbis zum Ende der Serie nicht, wie\nsehr\ner\nletztendlich\nan Sarah Lynns Tod beteiligt\nwar.\nWie\ngewaltt\u00e4tig\nsich ein Trauma jedoch\nentladen kann, wenn es \u00fcber die Jahre vor sich hin pocht, und wie\nviele Menschen von\nihm mitgerissen werden k\u00f6nnen,\nzeigt uns die Serie in ihrem vollen, brutalsten Ausma\u00df.\nJe\nweiter es nach unten gezw\u00e4ngt\nwird,\ndesto lauter wird\nes,\nungeduldig \u2013 in der Gefahr, irgendwann zu explodieren.\nUnd\nsp\u00e4testens\nwenn\nder\nAbgrund\nsich auftut und droht, andere in sich hineinzurei\u00dfen, ist es Zeit,\nVerantwortung zu \u00fcbernehmen. Oder\nwie BoJacks bester\nFreund Todd ihm\nentgegnet:\n\u00bbYou are all the things that are wrong with you. [\u2026]\nIt\u2018s\nyou! Alright?\nIt\u2018s you. Fuck man, what else is there to say?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Reinszenierung des Traumas<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In\nder f\u00fcnften Staffel verschwimmen\ndie Grenzen\nzwischen\nRealit\u00e4t und Einbildung.\nIndem\nBoJack\nden\nproblematischen\nProtagonisten\nPhilbert\nin\nder\ngleichnamigen\nSerie spielt, dessen inneres\nHadern mit sich selbst und den Verbrechen seiner Vergangenheit ihn\nlangsam aber sicher wahnsinnig\nwerden\nl\u00e4sst, verliert\nBoJack\nzunehmend das Vertrauen in seine eigene Wahrnehmung.\nDie\nSerie\nliefert hier\nquasi\neinen Meta-Kommentar zu\nsich\nselbst\nund ihrer Rezeption,\nindem BoJack\nals Philbert den gro\u00dfen, leidgeplagten\nAnti-Helden\nspielt,\nwelcher\nvon\nden\nZuschauer_innen\ndaf\u00fcr\nverehrt\nwird,\ndass er so nahbar, fehlerhaft und <em>relatable<\/em>\nist. Die\nProduzent_innen der Serie <em>BoJack\nHorseman<\/em>\nreflektieren dabei\nihre bisherige Darstellung des Charakters, um einer Rezeption\nentgegenzuwirken,\ndie BoJack\nals sympathischen und\nklugen\nAnti-Helden\nversteht, der blo\u00df als Spielball seines Traumas agiert. Seine\nbeste Freundin Diane, die an \u00bbPhilbert\u00ab mitgeschrieben und der\nFigur\nerst zu ihrer\ncharakterlichen Tiefe verholfen\nhat,\nkritisiert die Serie nach\nder Ver\u00f6ffentlichung\naufs Sch\u00e4rfste und verweigert\nvon nun an jegliche\nZusammenarbeit. Sie distanziert sich von der Verherrlichung des\nCharakters und\nger\u00e4t in einen Streit mit BoJack, in dem\nsie von ihm einfordert, in\nseinem eigenen\nLeben einmal\nVerantwortung\nf\u00fcr sein desastr\u00f6ses Handeln zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nf\u00fcnfte Staffel veranschaulicht hier besonders gut,\nwarum\ndie Erz\u00e4hlstruktur der\nSerie so\nau\u00dfergew\u00f6hnlich\nist.\nSie\norientiert sich n\u00e4mlich \u2013 weit entfernt von jenem statischen\nSitcom-Standard, der die animierte US-Serienlandschaft dominiert \u2013\nStaffel um\nStaffel an der Struktur\neiner klassischen Trag\u00f6die. Beginnend\nmit einer Exposition, die uns die Ausgangssituation vorstellt, kommt\nes in\nden darauffolgenden\nEpisoden\nzur Steigerung: Wir werden in die Geschichte(-n) eingef\u00fchrt, das\nTempo nimmt zu, Konflikte deuten sich an. In der Mitte der Staffel\ngelangen wir zum H\u00f6hepunkt: Ein Autounfall\nund seine Konsequenzen machen BoJack\nzus\u00e4tzlich zu seiner Alkoholsucht\nauch noch opiatabh\u00e4ngig. Dieser Punkt markiert den Anfang vom Ende\nseines\n Lebensstils\nder\nVerdr\u00e4ngung.<\/p>\n\n\n\n<p>Das\nfolgende Geschehen ist von einer Verz\u00f6gerung bestimmt:\nDie Handlung f\u00e4llt, das\nTempo nimmt ab,\nBoJack h\u00e4lt\nin der wohl ungew\u00f6hnlichsten \u2013 und\nder dem Theater wohl am verwandtesten \u2013\nFolge der Serie einen zwanzigmin\u00fctigen Monolog bei\nder Beerdigung seiner Mutter,\nsucht sich danach\nsogar therapeutische\nUnterst\u00fctzung. Und\nwenn wir im Grunde bereits wissen,\ndass\ndie Katastrophe\nsich ereignen wird, verfallen auch wir genau\nder L\u00fcge, die sich\nBoJack\nimmer\nwieder\nselbst erz\u00e4hlt: dass sich am\nEnde\nvielleicht doch noch alles zum Guten wendet.\nAber\ndie\nKatastrophe ist\nunabwendbar.\nIn der vorletzten Episode\nverf\u00e4llt BoJack\nschlie\u00dflich einer Drogenpsychose und\nfindet\nsich\nam\nSet von \u00bbPhilbert\u00ab kurz\ndavor, seine Partnerin Gina w\u00e4hrend\neiner Mordszene\nzu erw\u00fcrgen. Im\nletzten Augenblick\nschreitet die Crew ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Am\nGegenstand\ndes dramen\u00e4hnlichen Narrativs l\u00e4sst sich zudem\neine\nweitere\nBr\u00fccke zu Freud schlagen.\n1897\ngab dieser\nnach 15 Jahren Berufspraxis in einem Brief an seinen Freund Wilhelm\nFlie\u00df schlie\u00dflich zu, nicht eine_n einzige_n Patient_in\ngeheilt zu haben.\nEr\nerkannte\n\u00bbdass\ndas Unbewusste niemals den Widerstand des Bewussten \u00fcberwindet, [\u2026]\ndass in der tiefergehenden Psychose die unbewusste Erinnerung nicht\ndurchdringt, sodass das Geheimnis der Jugenderlebnisse auch im\nverworrensten Delirium sich nicht verr\u00e4t.\u00ab<a href=\"#sdfootnote3sym\"><sup>3<\/sup><\/a>\nDiese\nEntdeckung markiert eine radikale Z\u00e4sur in\nseinem\nDenken:\nMit\nder Entdeckung der Relevanz von <em>Erz\u00e4hlungen<\/em>\n\u2013 denn bei den Geschichten von\nFreuds\nPatient_innen handelte es sich nie um etwas anderes \u2013 trat ein\nSt\u00fcck Literatur ein in die\nPraxis\nder Psychoanalyse. \n<\/p>\n\n\n\n<p>An\ndie genaueste, wahrhafteste Version eines\nGeschehens kommen wir kaum\nheran \u2013\nes ist\nh\u00f6chst\nzweifelhaft, ob diese in einer Art \u00bbReinform\u00ab \u00fcberhaupt\nexistiert.\nAber den Patient_innen sei\nes zumindest m\u00f6glich, auf der Couch der\nAnalytiker_innen\nihre\n\u00bbeigenen\nuntergegangenen\nGeschichten zu reinszenieren\u00ab<a href=\"#sdfootnote4sym\"><sup>4<\/sup><\/a>,\nwie der Philosoph Klaus Theweleit es formuliert.\nSigmund\nFreuds\n1899 erschiene <em>Traumdeutung<\/em>\nwird von Theweleit demnach auch\nals\nerstes Buch mit\ndem\nGenre Theorie-Roman bezeichnet. Und\nso\ndeutet\ndieser\nweiter: \u00bbLiteratur\nist Traum beziehungsweise Tagtraum, getr\u00e4umt in einem Bett von\nFakten.\u00ab Die\nLiteratur, das Drama, die Kunst \u2013 sie\nalle\nmachen es uns zu\neinem gewissen Grad\nerst m\u00f6glich,\nso weit in uns hineinzureichen, dass mithilfe\nder Fiktion\nein St\u00fcck Wahrheit artikulierbar wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>The View From Halfway Down<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die\nvorletzte Episode\ntr\u00e4gt\nden Titel\n<em>The\nView From Halfway Down<\/em>\nund\nhandelt von einer traumartigen,\nstark\nsymbolhaft\naufgeladenen\nNahtoderfahrung nach einem\nSuizidversuch\nBoJacks\nund ist damit\nder offensichtlichste Bezug zum Unbewussten. Lisa\nHanawalt, Mitproduzentin der Serie, auf deren Zeichnungen\ndie\nIllustration\nder animierten Tierwelt urspr\u00fcnglich\nberuht,\nbezeichnet ihren Stil\nals stark an ihren\neigenen\nTraumbildern orientiert.\nEs\nhandelt sich beim\nTraum\u00e4hnlichen\nalso gleichzeitig\num\nein fantastisches\nElement, das sich durch die gesamte Serie zieht. Doch die Symbolkraft\nder\nIllustration \u00e4u\u00dfert sich in keiner Folge so deutlich\nwie in <em>The\nView From Halfway Down<\/em>.\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Zusammen\nmit all jenen Charakteren, mit deren Tod er sich im Verlauf seines\nLebens abfinden musste,\nfindet\nsich BoJack\nin einer\ntraumartigen Sequenz wieder.\nHierbei\nnimmt BoJacks\nVater die Gestalt seines Kindheitsidols Secretariat ein, worin die\nFreudsche Annahme Ausdruck findet,\ndass die Vaterfigur im Traum oftmals\ndurch\neine\nAutorit\u00e4tsfigur\nverk\u00f6rpert\nwird.\nBereits\nam\nOrt des\nGeschehens,\nder\neine Mischung aus BoJacks altem Elternhaus und dem\nSet\nvon \u00bbHorsin\u2018\nAround\u00ab darstellt,\nwerden die merkw\u00fcrdigen Verzerrungen deutlich,\ndie f\u00fcr Traumgebilde\ncharakteristisch sind. Das Innere\nist gespickt von Gem\u00e4lden, die verschiedene Lebensphasen BoJacks\ndarstellen: Ein\nGem\u00e4lde,\ndas zuvor\nin seiner\nVilla\nhing und auf\ndem\nwir ihn\nschwimmen\nsehen k\u00f6nnen,\nstellt\ndar,\nwie er sich\nselbst beim Ertrinken beobachtet.\nBis zum Ende der\nEpisode\nist ihm\nnicht\nbewusst, dass es sich hierbei um\neine offensichtliche Vorausdeutung handelt: n\u00e4mlich\ndass\ner kurz vor sinem\nTod steht und es sich gerade\num das letzte Mal handeln k\u00f6nnte, dass sein Bewusstsein um ihn\nk\u00e4mpft. \n<\/p>\n\n\n\n<p>In\ndieser\nEpisode finden wir eine sinnbildliche Verk\u00f6rperung des Unbehagens,\ndas sich zunehmend\ndurch die gesamte Serie zieht und die gleichzeitig den nahenden\nTod darstellt:\neine\nteerartige Substanz, welche zu Beginn leise tropfend, schlussendlich\naber alles verschlingend\nBoJack\ndurch seine Nahtoderfahrung verfolgt. Auch\nwir\nals\nZuschauer_innen wissen nicht, ob es sich um das letzte Mal handeln\nk\u00f6nnte, dass\nwir unseren\nProtagonisten\ndurch sein\ninnerstes\nHadern begleiten: durch\nden\ntiefsch\u00fcrfenden\nKonflikt,\nob er letztlich\nein\nguter Mensch gewesen sei.\nDiese existentielle\nFrage\nwird von den verstorbenen\nG\u00e4sten\ndebattiert,\ndie sich an\neinem\nEsstisch versammelt haben, um\nihre letzte Mahlzeit zu sich zu nehmen.\nDa\nes\nsich\nhierbei\naber\nimmer noch\num\nBoJacks\nNahtoderfahrung handelt, ist\nes letztlich nur eine \u00dcbertragung seiner eigenen Perspektiven auf\ndie Verstorbenen.\nDiese \u00dcbertragung\n\u00e4u\u00dfert sich in keinem Abschnitt bildlicher als in der\nB\u00fchnenperformance, welche die verstorbenen Charaktere auf\ndas\nDinner folgend\nf\u00fcr BoJack arrangiert\nhaben.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbLife\nis a neverending show, old sport, except the minor detail that it\nends\u00ab, beginnt\nseine\nSitcom-Tochter\nSarah Lynn ihr St\u00fcck,\nund springt am\nEnde\ndurch eine ge\u00f6ffnete\nT\u00fcr\nin einen\nschwarzen Abgrund.\nUnd so folgen ihr\nalle weiteren Charaktere. In\neinem letzten,\nkrampfhaften\nVersuch, sich vor dem\nTod zu retten,\nschreit Secretariat von der B\u00fchne: \u00bbI\nwish I could have known about the view from halfway down\u00ab. Sekunden\nsp\u00e4ter verschlingt die T\u00fcr auch ihn.\nW\u00e4hrend\nBoJacks\ndarauffolgender Flucht vor der todbringenden Substanz\ngelingt\nes\nihm,\nseine\nbeste Freundin Diane\nanzurufen\nund\nsie um Hilfe zu bitten.\nDoch\ndiese berichtet\nihm\nblo\u00df davon,\nwas kurz\nvor seinem Suizid mit ihm geschah:\nDass sie seinen\nAnruf\nnicht beantworten konnte, bevor er sich wieder ins Wasser st\u00fcrzte.\nBoJack\nd\u00e4mmert langsam,\ndass er\nwom\u00f6glich nie wieder aufwachen\nwird.\nW\u00e4hrend\nder Teer dabei ist, ihn\nzu verschlingen,\nfindet er seinen\nFrieden letztlich\nin einer ihm\nvollkommen\nun\u00e4hnlichen\nFrage:\nEr\nfragt Diane,\nwie ihr Tag gelaufen ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Versuch einer Heilung?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Man\nk\u00f6nnte das Ende von <em>BoJack\nHorseman<\/em>\nals antiklimaktisch\nbezeichnen: Er\n\u00fcberlebt, wird\nschlussendlich\n\u2013 im \u00fcblichen Zynismus der Serie \u2013 f\u00fcr eine Nichtigkeit\nverurteilt und\nlandet f\u00fcr\nzwei Jahre im\nGef\u00e4ngnis.\nAls\ner an einem Tag Freigang\nerh\u00e4lt,\nf\u00fchrt\ner letzte\nGespr\u00e4che mit seinen ehemaligen Freund_innen. Es wird deutlich, dass\ndiese\nsich mittlerweile\nstark\nvon BoJack und seiner Toxizit\u00e4t distanziert\nhaben.\nMit\ndiesem Ende werden wir vor ungel\u00f6ste\nKonflikte gestellt: Letztlich\nwissen wir nichts dar\u00fcber, was mit BoJack\npassieren oder\nin\nwelche Richtung er sich nun\nentwickeln\nwird.\nUnd\nstreng\ngenommen war genau\ndas\nvon Vornherein klar. Denn\ndie\nSerie hatte nie vor, uns vor ein Happy End oder\n\u00fcberhaupt in irgendeiner Form vor vollendete\nTatsachen zu\nstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Weder\n<em>BoJack\nHorseman<\/em>\nnoch Freuds\nTheorien\nnehmen\nuns an die Hand und versichern\nuns, dass\nalles wieder gut wird. Der\nFreud\nvorgeworfene Kulturpessimismus\nfindet\nin seinem positivistischen Verst\u00e4ndnis der Psychoanalyse als einer\nArt \u00bbGrundwissenschaft\u00ab\ndurchaus\nseine\nBerechtigung. Und auch der\ngnadenlose Sexismus Freuds,\nder jahrelang fragw\u00fcrdige\nbis \u00fcbergriffige Behandlungen an seinen Patient_innen durchf\u00fchrte\nund\nzum\nTeil auch zu ihrer\nTraumatisierung beitrug,\nmuss\nhier Erw\u00e4hnung finden.\nDie\nTheorie des\n\u00bbPenisneides\u00ab, wie Freud\nihn Frauen\nin seiner \u00bbGrundwissenschaft\u00ab attestiert,\nmuss kritisiert und verworfen werden, da\ner nicht historisch\nund ohne\nklar\ndefinierten\nBegriff\nvon Gesellschaft\narbeitet. Hierf\u00fcr m\u00fcssten historische\nTatsachen wie eben die Existenz eines Patriarchats analysiert und\nkritisiert werden, anstatt essenzialisierend einen \u00bbPenisneid\u00ab im\nFrau-Sein selbst zu verorten.\nEinen\nVersuch, Freuds Kulturtheorie in der Tradition des historischen\nMaterialismus zu deuten\nund damit auf die Historizit\u00e4t \u2013 und somit auch auf die\nVer\u00e4nderbarkeit\n\u2013 von\nKultur hinzuweisen, liefert z.B. Herbert Marcuse in seinem\nWerk <em>Triebstruktur\nund Gesellschaft<\/em>.\nDurch\ndiese kritischen\nAnn\u00e4herungen\nan Freud er\u00f6ffnen sich M\u00f6glichkeiten, die weit \u00fcber\nihn hinausgehen.\nUnd\ngenau hier kommt auch <em>BoJack\n<\/em><em>Horseman<\/em>\nins Spiel.<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nSerie\nm\u00f6chte uns\nnicht\ndazu bringen, ihrem Protagonisten seine Verbrechen zu verzeihen.\nDas\nZeichnen menschlicher Abgr\u00fcnde ist ihre\ngr\u00f6\u00dfte St\u00e4rke<em>\n\u2013<\/em>\nund\ndas vor allem, weil sie\nletzten\nEndes immer auf die M\u00f6glichkeit zur Ver\u00e4nderung hinweist.\nEs sind\nGeschichten\nvon\nTraumata,\ndie\nwir, bei allem Ziehen und Zerren, nie g\u00e4nzlich zu\ngreifen\nbekommen.\nDenn\nder\nBlick ins Innere ist markersch\u00fctternd. Genau wie das Trauma ist auch\ndas Unbehagen ein Ort, den Worte kaum\nfassen k\u00f6nnen\n\u2013 diesen\nOrt umkreist die Serie immer intensiver,\nStaffel um Staffel.<\/p>\n\n\n\n<p>Und doch l\u00e4sst sich feststellen, dass dieses Trauma nie das Ende bedeutet: Denn auf die vorletzte Episode 11 \u2013 die Katastrophe \u2013 folgt Episode 12, die nie auf einen endg\u00fcltigen Schluss, sondern (zumindest als M\u00f6glichkeit) in Richtung einer neuen, selbstbestimmten Zukunft weist. Wie diese Zukunft aussehen mag und welche Konsequenzen gezogen werden m\u00fcssen, das bleibt den Zuschauer_innen selbst \u00fcberlassen. In einer Welt, die uns aufgrund aller vorherrschenden Zw\u00e4nge unvermeidbar traumatisieren wird, er\u00f6ffnen sich gleichzeitig Handlungsm\u00f6glichkeiten: zum Beispiel in der Therapie, in politischer Organisation oder im Aufbau von tragenden Beziehungen. Ein optimistischer Blick in die Zukunft kann nicht darin bestehen, zu hoffen, dass das Trauma irgendwann verschwindet, oder dass wir es g\u00e4nzlich ausgetrieben bekommen. Geschichte l\u00e4sst sich nicht umschreiben. Man muss den Versuch unternehmen, sie zu verstehen, um ihren weiteren Verlauf in die Hand nehmen zu k\u00f6nnen. Oder wie unser Vorzeige-Pessimist Freud es selbst formulierte: \u00bbDas Programm [&#8230;] gl\u00fccklich zu werden, ist nicht zu erf\u00fcllen, doch darf man \u2013 nein, kann man \u2013 die Bem\u00fchungen, es irgendwie der Erf\u00fcllung n\u00e4herzubringen, nicht aufgeben.\u00ab<a href=\"#sdfootnote5sym\"><sup>5<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>_________________________________________-<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote1anc\">1<\/a> Sigmund Freud: <em>Das Unbehagen in der Kultur.<\/em> Frankfurt am Main 1994, S. 42.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote2anc\">2<\/a> Triggerwarnung: Drogen- und Alkoholabh\u00e4ngigkeit, Depression, Psychose, Suizid, sexueller Missbrauch Minderj\u00e4hriger, grafische Darstellung eines (beinahen) Mordes, grafische Darstellung einer Nahtoderfahrung.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote3anc\">3<\/a> Sigmund Freud,  zitiert nach: Klaus Theweleit: <em>absolute(ly). Sigmund Freud Songbook.<\/em> Freiburg 2006, S. 57.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote4anc\">4<\/a> Ebd., S. 58.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote5anc\">5<\/a> Sigmund Freud: <em>Das Unbehagen in der Kultur.<\/em> Frankfurt am Main 1994, S. 50.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>| von Tea Medar Collot | Die Serie BoJack Horseman ist bekannt f\u00fcr ihren d\u00fcsteren Humor und ihre grelle Zeichentrick\u00e4sthetik. 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