{"id":587,"date":"2021-03-12T13:24:51","date_gmt":"2021-03-12T12:24:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/?p=587"},"modified":"2021-03-12T13:24:52","modified_gmt":"2021-03-12T12:24:52","slug":"identity-troubles-huch91","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/2021\/03\/identity-troubles-huch91\/","title":{"rendered":"Identity Troubles &#8211; HUch#91"},"content":{"rendered":"\n<p>| von  Margo Damm und Paula Bl\u00f6mers |<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das Werk von Judith Butler ist im feministischen Diskurs um Gender enorm einflussreich gewesen \u2013 zugleich ist es aber sehr umstritten. Eine wohlwollende Lekt\u00fcre kann jedoch auch 30 Jahre nach Erscheinen von Gender Trouble konstruktive Perspektiven aufzeigen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/HUCH-91-Bildseiten19_cut-724x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-588\" width=\"474\" height=\"670\" srcset=\"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/HUCH-91-Bildseiten19_cut-724x1024.jpg 724w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/HUCH-91-Bildseiten19_cut-212x300.jpg 212w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/HUCH-91-Bildseiten19_cut-768x1086.jpg 768w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/HUCH-91-Bildseiten19_cut-1086x1536.jpg 1086w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/HUCH-91-Bildseiten19_cut-1448x2048.jpg 1448w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/HUCH-91-Bildseiten19_cut-17x24.jpg 17w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/HUCH-91-Bildseiten19_cut-25x36.jpg 25w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/HUCH-91-Bildseiten19_cut-34x48.jpg 34w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/HUCH-91-Bildseiten19_cut-scaled.jpg 1810w\" sizes=\"auto, (max-width: 474px) 100vw, 474px\" \/><figcaption>Bild: Mariana Papagni<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>30 Jahre <em>Gender Trouble<\/em>: Das 1990 erschienene erste Werk von Judith Butler gilt heute als einer der Gr\u00fcndungstexte des Queerfeminismus und l\u00f6ste zugleich Diskussionen im akademischen und aktivistischen Kontext aus. Daf\u00fcr ist der Titel paradigmatisch: In <em>Gender Trouble: Feminism and the Subversion of Identity <\/em>hinterfragt Butler vorgegebene Gender-Identit\u00e4ten und versucht \u00fcber eine immanente Kritik der bis dahin formulierten Theorien zu Geschlecht und Gender neue, inkludierende feministische Ans\u00e4tze anzubieten. Ausgehend von zahlreichen Spaltungen in feministischen Lagern und verschiedenen essentialisierenden Versuchen, die Kategorie Frau zu beschreiben, bietet der Text Analysestrategien f\u00fcr eine Dekonstruktion der Geschlechter.<\/p>\n\n\n\n<p>Der\nVorwurf an Butler lautete hingegen oft, sie betreibe ein akademisches\nSpiel, das sich mit realen politischen K\u00e4mpfen nicht vereinbaren\nlie\u00dfe und biete zugleich  des Individualismus leicht \u00fcberf\u00fchrbare\nAnsatzpunkte, die bestimmte Formen re-essenzialisierender\nIdentit\u00e4tspolitik n\u00e4hrten. Um auf diese Kritiken zu antworten,\nwollen wir fragen: Wie l\u00e4sst sich der Ansatz einer Dekonstruktion\nvon Identit\u00e4t als ein politischer verstehen, und wie wird er in\nsp\u00e4teren Texten Butlers fortgef\u00fchrt? Wie l\u00e4sst sich an diesen\nKategorien arbeiten, ohne dabei individualistische Politiken zu\nverfolgen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der\nAusgangspunkt des Troubles<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das\nBuch stellt die These auf, dass sich das Frau-Sein nicht \u00fcber\nessentielle, biologische Kategorien auf den weiblichen K\u00f6rper\nzur\u00fcckf\u00fchren l\u00e4sst, sondern eine soziale Konstruktion ist, die\ndurch eine stete Wiederholung bestehender und sich in diesem Vorgang\nkonstituierender Normen eine strukturelle Verbindung zwischen Sex und\nGender, also k\u00f6rperlichem und sozialem Geschlecht stiftet. Simone de\nBeauvoirs ber\u00fchmter Satz \u2013 \u00bbMan wird nicht als Frau geboren, man\nwird zur Frau gemacht\u00ab \u2013 wird fortgef\u00fchrt und dekonstruiert,\nindem die Trennung zwischen Sex und Gender nicht als statisch,\nsondern als sich gegenseitig fixierend und produzierend begriffen\nwird. Butler analysiert, wie unser Geschlecht diskursiv durch\nnormative Vorstellungen von Geschlecht bestimmt wird. Was wir\nunmittelbar wahrzunehmen glauben, als real bezeichnen und als\nbiologisches Geschlecht lesen, entsteht aus dieser diskursiven\nVerbindung zwischen K\u00f6rper und Kultur. Das Geschlecht wird damit\nnaturalisiert und zugleich f\u00fcr unver\u00e4nderbar erkl\u00e4rt. Die daraus\nentstehenden Normen \u00fcben Gewalt beispielsweise gegen Schwule,\nLesben, Trans-, Inter-, und Nicht-Bin\u00e4re-Personen \u2013 kurz, gegen\nalle aus, die nicht den g\u00e4ngigen dichotomen Gendernormen\nentsprechen. Diese Gewalt nimmt viele verschiedene Formen an, bettet\nsich in unterschiedliche hierarchische Systeme ein und zeigt sich mal\nmehr, mal weniger.<\/p>\n\n\n\n<p>Was\nButler mit <em>Gender\nTrouble<\/em>\nzur Ausgangsfrage ihres Denkens macht, ist die politische\nSichtbarmachung von Identit\u00e4tskategorien und damit die\nInfragestellung der Form des liberalen politischen Diskurses, die von\neinem festgelegten Individuum ausgeht, das den kleinsten nennbaren\nTeil der Gesellschaft bildet. Der Anspruch Butlers ist es,\ngesellschaftliche Strukturen kritisch zu befragen, um sie sichtbar zu\nmachen. Antrieb dieser Analyse ist die Suche nach einer politischen\nForm, die durch Betonung von Unklarheit und die Aufk\u00fcndigung der\nkonstruierten Binarit\u00e4t der Br\u00fcchigkeit von Identit\u00e4ten Raum geben\nsoll.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Identit\u00e4t\nund Performativit\u00e4t<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Was\naber oft \u00fcberlesen wird, ist die Frage, wie diese Normen produziert\nwerden. Das wird in den sp\u00e4teren Arbeiten Butlers zu Subjekt,\nAutonomie, Prekarit\u00e4t und Vulnerabilit\u00e4t spezifiziert, ist aber\nauch bereits in <em>Gender\nTrouble<\/em>\nim Begriff der Performativit\u00e4t enthalten. Das Ideal einer\neinheitlichen Identit\u00e4t, meist verkn\u00fcpft mit Genderidealen, also\nder \u00dcbereinstimmung von Sex und Gender sowie die Einhaltung\ntypisierter m\u00e4nnlicher bzw. weiblicher Attribute muss sich in deren\npermanenter Aus\u00fcbung und Wiederholung best\u00e4tigen. Performativit\u00e4t\nbedeutet also, dass es einerseits Prozesse gibt, die auf uns\neinwirken, andererseits aber auch M\u00f6glichkeiten, diese Prozesse\ndurch Handlungen zu unterlaufen und zu durchbrechen.<\/p>\n\n\n\n<p>In\nder Wiederholung der  Normen liegt immer ein Moment der M\u00f6glichkeit,\ndiese aufzubrechen: Eine Handlung kann niemals ganz getreu wiederholt\nwerden, es gibt immer eine gewisse Differenz zur Norm. Diese soziale\nWiederholung, dieses Ritual wird von K\u00f6rpern durchgef\u00fchrt, die\neinander anerkennen \u2013 oder eben nicht. Adressiert zu werden,\nbedeutet laut Butler nicht nur, als das erkannt zu werden, was man\nbereits ist, sondern durch die eigene Anerkennbarkeit \u00fcberhaupt erst\nin Existenz zu treten. Daran schlie\u00dft sich wiederum die Frage an,\nunter welchen materiellen Bedingungen diese Praktiken der Anerkennung\nvorgehen: Wer hat welche Deutungsmacht? Welche sind die herrschenden\nNormen? Welche Identit\u00e4ten d\u00fcrfen sich zeigen?<\/p>\n\n\n\n<p>Damit\nist die Reproduktion bestimmter Normen immer auch eine Machtfrage.\nIdentit\u00e4t <em>kann\n<\/em>also\nnicht <em>zuerst\n<\/em>kommen,\num dann politische Interessen zu vertreten und in politische Aktion\nzu treten. Stattdessen wird Identit\u00e4t durch und in Handlung\ngebildet. Butler erarbeitet, dass diese Infrastruktur der\nSubjektbildung auf einer geschlechtlichen Ebene einer\nhierarchiebesetzten Binarit\u00e4t unterliegt, die jegliches <em>Anderes<\/em>\nvon vornherein ausstreicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Butlers\n\u00bbTrouble\u00ab muss also ein anderer sein als der, den Kritiker_innen\nihr attestieren. Dass gewisse K\u00e4mpfe von Frauen und Queers auch\ninnerhalb der juristischen Strukturen von gro\u00dfer Bedeutung sind und\nwaren, ist selbstverst\u00e4ndlich. Der Zusammenschluss unter bestimmte\nKategorien und Identit\u00e4ten muss aber stets als ein strategischer\nverstanden werden. Doch auch diese Strategie hat ihre Unsicherheiten.\nLiberale Politik besteht darin, dass das Subjekt \u00fcber seine\nIdentit\u00e4t anerkennbar wird und seine Anerkennung zur Durchsetzung\nvon Rechten weitergef\u00fchrt werden kann. Diese Art der Politik wird\naber nie die Frage stellen, wie andere Formen der gemeinsamen\nOrganisation und des gemeinsamen Lebens m\u00f6glich werden k\u00f6nnten. Die\nBest\u00e4tigung von Identit\u00e4t kann also nicht Ausgangspunkt der Frage\nnach unseren konkreten sozialen Beziehungen sein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kritische\nPerspektiven<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Butlers\nAnsatz beruht auf der Annahme, dass Gender ma\u00dfgeblich \u00fcber Sprache\nkonstruiert wird. Dieser Ausgangspunkt birgt die Gefahr einer Praxis\nwillk\u00fcrlicher Selbstbezeichnung, mit der Gender zu einem Spiel wird,\ndas politische und soziale Machtverh\u00e4ltnisse unber\u00fccksichtigt\nl\u00e4sst.  So ist er daf\u00fcr anf\u00e4llig, in Form eines\ndekonstruktivistischen Feminismus in der Sph\u00e4re der blo\u00dfen Theorie\nzu verharren. Gleichzeitig zieht sich die Form von Identit\u00e4tspolitik,\ndie sich auf Butler bezieht, auf eine so partikularistische und\nindividualistische Ebene zur\u00fcck, dass gemeinsame Organisation und\nkollektives Handeln verunm\u00f6glicht werden. Damit schwankt die\nInterpretation zwischen einem entpolitisierten, akademischen Spiel\nmit Signifikanten und dem Wunsch nach Handlungsoptionen, der aber\nschnell wieder in Kategorien der Identit\u00e4t \u00fcberf\u00fchrt wird, gegen\ndie Butler doch eigentlich anarbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Diesen\nKritiken l\u00e4sst sich entgegnen, dass der Bruch mit bestehenden\nSignifikationsprozessen laut Butler immer in einer konkreten\npolitischen Situation kontextualisiert und als Situierung in\nherrschenden Verh\u00e4ltnissen eingeordnet werden muss. Der Bruch darf\nalso weder als individuelle Entscheidung noch als v\u00f6llig frei\nverf\u00fcgbar verstanden werden. Anstatt Pluralisierung im Sinne\npartikularistischer Interessen und Identit\u00e4ten zu verstehen, l\u00e4sst\nsie sich also in einer Form sich neu organisierender Kollektivierung\ngemeinsamer Interessen lesen. Dieses Verst\u00e4ndnis von Butlers\nKonzepten sowie eine Ausweitung auf Fragen der Performativit\u00e4t von\n<em>street\npolitics<\/em>,\nl\u00e4sst sich beispielsweise in dem 2018 erschienenen Text <em>Anmerkungen\nzu einer performativen Theorie der Versammlung <\/em>nachlesen.\nDort werden ethische Fragen nach der Begegnung mit dem Anderen und\npolitische Fragen nach der Gestaltung des gemeinsamen guten Lebens\ngestellt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>K\u00f6rperallianzen\nauf der Stra\u00dfe<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch geht von zwei Fragestellungen aus: erstens der Frage danach, wer als Subjekt gilt und somit \u00f6ffentlich auftreten, auf die Stra\u00dfe gehen und dadurch Politik betreiben kann; und zweitens der Frage, in welcher Weise Allianzen \u00bbnicht unbedingt eine kollektive Identit\u00e4t, aber eine Reihe von erm\u00f6glichenden und dynamischen Beziehungen, darunter Unterst\u00fctzung, Streit, Bruch, Freude und Solidarit\u00e4t\u00ab<sup><a href=\"#sdfootnote1sym\"><sup>[1]<\/sup><\/a><\/sup> erfordern.<\/p>\n\n\n\n<p>Butler verkn\u00fcpft diese M\u00f6glichkeiten der Allianzen mit der k\u00f6rperlichen Forderung, die durch die auf der Stra\u00dfe erscheinenden Subjekte ausge\u00fcbt wird: \u00bbWir k\u00f6nnten in solchen Massendemonstrationen eine kollektive Ablehnung der gesellschaftlich und wirtschaftlich bedingten Prekarit\u00e4t sehen. Was wir aber vor allem sehen, wenn K\u00f6rper auf Stra\u00dfen, Pl\u00e4tzen oder an anderen \u00f6ffentlichen Orten zusammenkommen, ist die \u2013 wenn man so will, performative \u2013 Aus\u00fcbung des Rechts zu erscheinen, eine k\u00f6rperliche Forderung nach besseren Lebensbedingungen.\u00ab<sup><a href=\"#sdfootnote2sym\"><sup>[2]<\/sup><\/a><\/sup>   <\/p>\n\n\n\n<p>Die Bestimmung dessen, wer auf der Stra\u00dfe erscheinen kann, und wer als Subjekt anerkannt wird, wird dadurch ausgelotet, dass dieser Erscheinungsraum im Moment des Erscheinens gedehnt, ausgearbeitet und verschoben wird. Verschiedene Subjekte kommen auf eine unterschiedliche Art und Weise f\u00fcr die Anerkennung infrage: F\u00fcr das Recht des Erscheinens einer einzelnen Person braucht es einen kollektiven Zusammenschluss aus Menschen, die f\u00fcr diese Person einstehen. Somit ist es das politische Bestreben dieses Zusammenschlusses, f\u00fcr ein lebbares Leben f\u00fcr <em>alle <\/em>einzustehen: Diese Form der Organisation geht aber nicht von einem gemeinsamen (identit\u00e4tsgebundenen) Startpunkt aus, sondern setzt sich vielmehr zusammen f\u00fcr ein gemeinsames Ziel ein. Ausgehend von der grunds\u00e4tzlichen gegenseitigen Abh\u00e4ngigkeit der Menschen \u2013 von Infrastrukturen, von Beziehungen, von \u00f6konomischen wie sozialen Netzen \u2013 muss die Frage gestellt werden: Was ist ein lebbares Leben, f\u00fcr wen gilt dieses und f\u00fcr wen nicht? \u00bbWer wird Opfer von Polizeigewalt? Wessen Verletzungsbehauptungen werden zur\u00fcckgewiesen und wer wird stigmatisiert?\u00ab<sup><a href=\"#sdfootnote3sym\"><sup>[3]<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Worauf\nl\u00e4uft der Trouble hinaus?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Butlers\nVerhandlung der Allianzen von K\u00f6rpern auf der Stra\u00dfe und die Frage\nnach den damit einhergehenden K\u00f6rperpolitiken kn\u00fcpft an die 1990 in\n<em>Gender\nTrouble <\/em>erarbeiteten\ntheoretischen Grundlagen an und erm\u00f6glicht somit eine Antwort auf\nzumindest einige der Kritiken, die den Text als Spiel mit\nSignifikanten, als unpolitisch oder als unverst\u00e4ndlich bezeichnet\nhaben. In der Konkretisierung, Politisierung und Historisierung\nzeigen sich die Bestimmungen von Subjekt, Autonomie und\nHandlungsmacht immer mit den Macht- und Hierarchieverh\u00e4ltnissen\nverstrickt, die sie umgeben. Die Frage lautet nicht mehr nur, wie\nsich Subjektivierung in einem diskursiven Prozess vollzieht, sondern\nauch, in welchem Raum und f\u00fcr wen diese Subjektivierung sich\n\u00fcberhaupt vollziehen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nAusgangsfrage von <em>Gender\nTrouble<\/em>\nnach einem Subjekt, das erst in und durch diese Prozesse der\nErz\u00e4hlung und Zuschreibung entsteht und sich somit nicht als\nIdentit\u00e4t festschreiben l\u00e4sst, wird auch f\u00fcr die Frage nach\nAllianzen unumg\u00e4nglich: Keine Identit\u00e4tspolitik, die sich auf\nfestgeschriebene Identit\u00e4ten beruft und anhand dieser die Subjekte\nkategorisiert, wird progressive Politik im Sinne Butlers machen\nk\u00f6nnen. Stattdessen stellt sich mit Butler die Frage, wie\nHandlungsstrategien aufgrund geteilter Prekarit\u00e4t und im Wissen um\ndie relationale Verbundenheit der Subjekte gestaltet werden k\u00f6nnen.\nSo l\u00e4sst sich entlang der Kritiken an Butlers Theorie eine\nproduktive Lesart festhalten, welche die besprochenen Fallstricke\n\u00fcberspringt: Diesem Verst\u00e4ndnis hat es einerseits um eine soziale\nKontextualisierung und damit auch Dekonstruktion von starren\ngeschlechtlichen Identit\u00e4tskategorien zu gehen, andererseits muss es\nimmer auch die Frage stellen, welche Handlungsoptionen generiert und\nwelche politischen R\u00e4ume gestaltet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie k\u00f6nnen feministische Zusammenschl\u00fcsse und K\u00e4mpfe kollektiviert werden, die Handlungsr\u00e4ume er\u00f6ffnen? Wie sinnvoll ist es, die Identit\u00e4ten zu affirmieren, die uns von au\u00dfen zugeschrieben werden und uns im bestehenden System subjektivieren, nur um sie danach wieder aufzul\u00f6sen? Hei\u00dft das nicht, sich innerhalb eines politischen Rahmens zu bewegen, den man eigentlich \u00fcberwinden will? Um die Potentiale f\u00fcr Allianzen zu unterstreichen, die das gute Leben f\u00fcr alle anvisieren, m\u00fcssen wir uns die Frage nach der Basis stellen, aufgrund derer sich verschiedene feministische K\u00e4mpfe zusammenschlie\u00dfen k\u00f6nnen. Ziel muss es sein, Kooperationen, Organisierung und Beziehungsweisen aufzubauen, die sich auf geteilte politische Forderungen, Strategien und konvergierende Handlungsweisen gr\u00fcnden.<\/p>\n\n\n\n<p>_______________________________________<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote1anc\">[1<\/a>] Judith Butler: <em>Anmerkungen zu einer performativen Theorie der Versammlung<\/em>. Berlin: Suhrkamp, 2018, S. 41.<\/p>\n\n\n\n<p>[<a href=\"#sdfootnote2anc\">2] <\/a>Ebd. S. 37.<\/p>\n\n\n\n<p>[<a href=\"#sdfootnote3anc\">3] <\/a>Ebd., S. 50f.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>| von Margo Damm und Paula Bl\u00f6mers | Das Werk von Judith Butler ist im feministischen Diskurs um Gender enorm einflussreich gewesen \u2013 zugleich ist es aber sehr umstritten. 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