{"id":449,"date":"2020-07-10T11:52:09","date_gmt":"2020-07-10T09:52:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/?p=449"},"modified":"2020-07-10T11:52:10","modified_gmt":"2020-07-10T09:52:10","slug":"bruecken-in-die-zukunft-huch90","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/2020\/07\/bruecken-in-die-zukunft-huch90\/","title":{"rendered":"Br\u00fccken in die Zukunft &#8211; HUch#90"},"content":{"rendered":"\n<p>| von Lara von Ende Gel\u00e4nde Berlin |<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die j\u00fcngste Aktion von \u00bbEnde Gel\u00e4nde!\u00ab im November in Ostdeutschland hat deutlich gemacht: Kohle stoppen und Kapitalismus \u00fcberwinden ist m\u00f6glich, aber es braucht die kleinen und die gro\u00dfen Schritte gleichzeitig daf\u00fcr \u2013 und breite B\u00fcndnisse.<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Bild_Br\u00fccken_in_die_Zukunft.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-450\" width=\"459\" height=\"502\" srcset=\"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Bild_Br\u00fccken_in_die_Zukunft.png 511w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Bild_Br\u00fccken_in_die_Zukunft-274x300.png 274w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Bild_Br\u00fccken_in_die_Zukunft-22x24.png 22w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Bild_Br\u00fccken_in_die_Zukunft-33x36.png 33w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Bild_Br\u00fccken_in_die_Zukunft-44x48.png 44w\" sizes=\"auto, (max-width: 459px) 100vw, 459px\" \/><figcaption>Illustration: elio\/nora amrel<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Irgendetwas fehlt. Ich sitze auf den Schienen direkt vor dem Kraftwerk J\u00e4nschwalde, einem der dreckigsten Kohle-Kraftwerke in ganz Europa. Um mich herum hunderte Leute in wei\u00dfen Anz\u00fcgen, die sich \u00fcber die gelungene Aktion freuen. Wir blockieren gerade mit 4.000 Menschen Kohle-Infrastruktur im Lausitzer und Leipziger Revier, machen bundesweit Schlagzeilen. Doch ich denke nur: Und jetzt?<\/p>\n\n\n\n<p>Seit 2015 blockiert das\nAktionsb\u00fcndnis Ende Gel\u00e4nde jedes Jahr mit spektakul\u00e4ren Aktionen des zivilen\nUngehorsams Kohle-Bagger und Kraftwerke. Seit vier Jahren und sieben Aktionen\nfordern wir den Kohleausstieg als Sofortma\u00dfnahme f\u00fcr Klimagerechtigkeit. Wir\nschleppen das \u00bbSofort\u00ab mit von Aktion zu Aktion. Aber kommen wir ihm \u00fcberhaupt\nn\u00e4her?<\/p>\n\n\n\n<p>Wir erleben das hei\u00dfeste Jahrzehnt\nder Weltgeschichte. Der Amazonas brennt, die Permafrostb\u00f6den tauen auf,\nInselstaaten drohen unterzugehen. Und die politische Situation hierzulande?\nFestgefahren. Erst 2038 soll der Kohleausstieg kommen, wenn es nach der\naktuellen Regierung geht. Eine Schlag ins Gesicht f\u00fcr alle Menschen, die schon\njetzt unter den katastrophalen Folgen der Klimakrise leiden: die \u00c4rmsten und\nMarginalisiertesten dieser Welt, vor allem im Globalen S\u00fcden. Und wir wollen ja\nnicht nur den Kohleausstieg. Wir sitzen hier auf den Schienen, weil wir einen\ngrundlegenden Systemwandel wollen. Ein neues Wirtschaftssystem, in dem\nMenschenleben mehr z\u00e4hlen als Konzernprofite. Das Ziel ist gro\u00df \u2013 aber was ist\nder Weg dorthin?<\/p>\n\n\n\n<p>Dank Fridays for Future ist die\nBewegung f\u00fcr Klimagerechtigkeit so stark wie nie: Millionen Menschen sind\ndieses Jahr f\u00fcrs Klima auf die Stra\u00dfe gegangen, Politik und Medien kommen an\ndem Thema nicht mehr vorbei. Gleichzeitig hat die Regierung ein Klimap\u00e4ckchen\ngeschn\u00fcrt, das l\u00e4cherlich klein ist und keinerlei Lenkungswirkung entfalten\nwird. Au\u00dferdem verschleppt die Gro\u00dfe Koalition den Kohleausstieg und verspricht\nKohle-Konzernen Milliardenzahlungen f\u00fcr die freiwillige Stilllegung ihrer\nSchrottmeiler. Und wir sitzen hier auf den Schienen und rufen: \u00bbWe are\nunstoppable, another world is possible!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend ich auf den kalten\nKohle-Schienen irgendwo in der Lausitz sitze, kommt mir dieser Satz schrecklich\nhohl vor. Aber abends, zur\u00fcck in Berlin, als sich in Puzzleteilen aus Fotos,\nVideos und Berichten die gesamte Aktion langsam zusammenf\u00fcgt, da beginne ich zu\nbegreifen: Es kann m\u00f6glich sein. Denn nachdem wir im Sommer schon im Rheinland\n\u00bbEnde Gel\u00e4nde!\u00ab gesagt haben, hat diese zweite Aktion des Jahres im Lausitzer\nund Leipziger Revier die zuvor schon begonnenen Br\u00fccken fertiggestellt: Br\u00fccken\nin vier Richtungen der Gesellschaft, die wir brauchen, um im Jahr 2020 das\nRuder wirklich herumzurei\u00dfen:<\/p>\n\n\n\n<p>Erstens hat\nEnde Gel\u00e4nde den Schulterschluss mit Fridays for Future vollendet: Freitag auf\ndie Stra\u00dfe, Samstag in die Grube; Fridays for Future, Saturdays for System\nChange: das geh\u00f6rt jetzt endlich unteilbar zusammen. Ende Gel\u00e4nde hat gelernt,\ngr\u00f6\u00dfer zu denken; Fridays for Future hat gelernt, radikaler zu denken. Jetzt\nhaben wir eine gemeinsame Sprache gefunden: \u00bbRaus aus der Kohle, rein in die\nZukunft\u00ab steht auf einem riesigen Banner im Tagebau und in der gemeinsamen\nPressemitteilung.<\/p>\n\n\n\n<p>Zweitens ist\ndie Zusammenarbeit mit antifaschistischen Gruppen zur H\u00f6chstform gediehen:\nRassistische Drohungen, Hass und Hetze im Vorfeld der Aktion \u2013 auch vonseiten\nder Polizei \u2013 sollten uns abschrecken. Stattdessen sind wir enger\nzusammenger\u00fcckt. Antifaschistische Jugendgruppen aus Berlin haben zusammen mit\nFridays for Future einen eigenen Aktionsfinger in der Lausitz gestellt \u2013 die\n\u00bbAnti Kohle Kidz\u00ab \u2013 und klar gemacht: Die coolen Kids von heute sind f\u00fcrs Klima\nund gegen Nazis. Denn es geht nicht um Dreadlocks vs. North-Face-Jacken,\nsondern um Klimagerechtigkeit statt Faschismus. Und nur gemeinsam k\u00f6nnen wir\ndiesen Kampf gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Drittens\nhaben wir gesehen, dass lokale Vernetzung mit Anwohner_innen in Kohle-Revieren\nm\u00f6glich ist, auch ohne dass wir daf\u00fcr unsere radikalen Forderungen oder\nAktionsformen aufgeben m\u00fcssen. Nicht nur \u00fcberregionale Medien haben mit Worten\nwie \u00bbsofortiger Kohleausstieg\u00ab und \u00bbSystemwandel\u00ab \u00fcber die Aktion berichtet,\nauch die uns eigentlich immer feindlich gesinnte Lokalpresse begr\u00fc\u00dfte die\nAktion als Initiative des Dialogs und betonte gemeinsame Ziele wie den gerechten\nStrukturwandel. W\u00e4hrend Polizeibeamte vor einem rechtsradikalen Graffiti\nposierten, distanzierte sich die Kohle-Gewerkschaft IG BCE klar von der AfD.\nDie Aktion hat also gezeigt: wir k\u00f6nnen sowohl radikale Aktionen als auch\nlokale Vernetzungsarbeit machen, nacheinander oder auch gleichzeitig.<\/p>\n\n\n\n<p>Und viertens\nbilden auch Inklusivit\u00e4t und Radikalit\u00e4t keinen Widerspruch: Bereits zum\nzweiten Mal gab es im bunten Aktionsfinger von Ende Gel\u00e4nde auch f\u00fcr Menschen\nim Rollstuhl und alle, die nicht so gut weite Strecken laufen k\u00f6nnen, die\nM\u00f6glichkeit, effektiv Kohle-Infrastruktur zu blockieren. So ein Rolli auf den\nSchienen der Kohle-Bahn ist sogar eine ganz besonders stabile Blockade. Wir\nbrauchen mehr solcher inklusiver Aktionsformen, damit noch mehr Menschen\nerm\u00e4chtigt werden, zivilen Ungehorsam gegen Ungerechtigkeit zu leisten, die sie\nnicht l\u00e4nger hinnehmen wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ende Gel\u00e4nde ist noch immer ein\nSammelbecken verschiedenster Akteure, eine brodelnde Mischung unterschiedlicher\npolitischer Ansichten, voller nicht zu Ende diskutierter Fragen dar\u00fcber, wie\nder gesamtgesellschaftliche Wandel, den wir uns alle w\u00fcnschen, eigentlich\npassieren soll \u2013 also wie genau wir von der Kohle-Schiene zum Post-Kapitalismus\nkommen. Das Gute ist aber: es gibt auf diese Fragen keine finalen Antworten.\nWir brauchen alles: Zusammenarbeit mit Fridays for Future und mit\nAntifa-Gruppen, lokale Vernetzung und direkte Aktionen, Inklusivit\u00e4t und\nRadikalit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir werden als Ende Gel\u00e4nde weiter\nan die Orte der Klima-Zerst\u00f6rung gehen und mit unseren Blockaden den\nKohleausstieg und den Systemwandel im Kleinen schon umsetzen. Wenn\nbeispielsweise 2020 in Datteln im Ruhrgebiet ein neues Kohle-Kraftwerk ans Netz\ngehen soll, dann werden wir das nicht einfach so hinnehmen. Die Landesregierung\nvon Nordrhein-Westfalen hat sich schon einmal mit der Bewegung f\u00fcr\nKlimagerechtigkeit angelegt &#8211; und verloren: Der Hambacher Forst steht immer\nnoch! Heute, ein Jahr nach \u00bbHambi bleibt!\u00ab, ist unsere Bewegung so stark wie\nnie. Jetzt gilt mehr als je zuvor: Wenn wir uns in konkrete K\u00e4mpfe einmischen,\ndann k\u00f6nnen wir auch gewinnen!<\/p>\n\n\n\n<p>Kein Weg f\u00fchrt von der Kohle-Schiene\ndirekt zum Systemwandel. Aber wenn wir Kraftwerk f\u00fcr Kraftwerk abschalten,\nk\u00f6nnen wir damit auch den fossilen Kapitalismus ins Wanken bringen. Die Kunst\nbesteht darin, gleichzeitig gro\u00df zu denken und die kleinen, konkreten Schritte\nzu machen. Dann sind wir unstoppable. Und dann ist eine andere Welt doch noch\nm\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wer Lust hat, diese Welt mit uns aufzubauen, ist herzlich eingeladen zu den offenen Treffen von Ende Gel\u00e4nde Berlin jeden 4. Mittwoch im Monat.<\/em><br><em>Aktuelle Infos auch \u00fcber Social Media und auf <\/em><a href=\"https:\/\/eg-berlin.org\/\"><em>https:\/\/eg-berlin.org\/<\/em><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>| von Lara von Ende Gel\u00e4nde Berlin | Die j\u00fcngste Aktion von \u00bbEnde Gel\u00e4nde!\u00ab im November in Ostdeutschland hat deutlich gemacht: Kohle stoppen und Kapitalismus \u00fcberwinden ist m\u00f6glich, aber es braucht die kleinen und die gro\u00dfen Schritte gleichzeitig daf\u00fcr \u2013 und breite B\u00fcndnisse.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-449","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/449","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=449"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/449\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":452,"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/449\/revisions\/452"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=449"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=449"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=449"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}