{"id":425,"date":"2020-05-13T13:13:47","date_gmt":"2020-05-13T11:13:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/?p=425"},"modified":"2020-05-13T13:13:49","modified_gmt":"2020-05-13T11:13:49","slug":"ueber-das-kino-in-korea-und-den-klassenfeind-im-keller-huch90","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/2020\/05\/ueber-das-kino-in-korea-und-den-klassenfeind-im-keller-huch90\/","title":{"rendered":"\u00dcber das Kino in Korea und den Klassenfeind im Keller &#8211; HUch#90"},"content":{"rendered":"\n<p>| Von Valentin Nikolaus Schettler |<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die sich fortsetzende Serie s\u00fcdkoreanischer Filmmeisterwerke, f\u00fcr die Bong Joon-hos <\/em>Parasite<em> nur das j\u00fcngste Beispiel darstellt, gibt Anlass zur Auseinandersetzung mit der Kinogeschichte des Landes.<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die Krise gro\u00dfer Studioproduktionen im zeitgen\u00f6ssischen\nFilmbetrieb hat sich inzwischen als so manifest erwiesen, dass sich jede\nweitere Beweisf\u00fchrung sogleich er\u00fcbrigt. Ein Blick in die Programmhefte\nbeliebiger Multiplex-H\u00e4user ist hinreichend, um von ihr zu erfahren. Seit\nJahren \u00fcberschwemmt Hollywood den Markt mit Remakes und schn\u00f6den\nComic-Verfilmungen, die blo\u00df noch kopieren, was auch urspr\u00fcnglich nicht sehr\noriginell war. Auch in Deutschland, wo man das Schlechte immer schon ein\nbisschen schlechter noch zu machen verstand als andernorts, welkt die\nFilmindustrie seit Jahren karg und k\u00fcmmerlich. Die staatliche F\u00f6rderung, die\nhierzulande den ma\u00dfgeblichen Einfluss auf die zu realisierenden Projekte nimmt,\nalimentiert vorzugsweise billige Bl\u00f6delfilme, die das Zementieren sozialer und\nsexueller Klischees mit dem wohlfeilen Verweis auf einen angeblichen\nUnterhaltungscharakter entschuldigen. Auch hier seien als hinreichende Belege\ndie unvermeidlichen Schweiger- oder Schweigh\u00f6fer-Produktionen genannt, die\nnotorisch bundesdeutsche Leinw\u00e4nde traktieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist l\u00e4ngst kein Geheimtipp mehr, dass gutes Kino\ninzwischen besonders in S\u00fcdkorea gemacht wird. Regelm\u00e4\u00dfig werden hier\nMeisterwerke hervorgebracht, wie man sie andernorts zusehends vermisst. Auch\nbei den Juror_innen europ\u00e4ischer Filmfestspiele ist diese Botschaft angekommen.\nEs hat jedoch schon l\u00e4nger keinen verdienteren als den diesj\u00e4hrigen Preistr\u00e4ger\nder Goldenen Palme von Cannes gegeben: <em>Parasite<\/em> von Bong Joon-ho bietet\nherrliches, spannendes, anspruchsvolles Kino \u2013 und zeigt, dass es wieder\nm\u00f6glich ist, sowohl politisch als auch \u00e4sthetisch herauszufordern und damit\nkommerziellen Erfolg zu haben.<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a>\nDas ist nicht \u00fcberraschend und ist es gleichzeitig doch \u2013 stellt man die\nBedingungen in Rechnung, unter denen in Korea viele Jahre lang Filme produziert\nwurden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Kino in Korea<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Fragt man nach der Geschichte des Kinos an einem bestimmten\nOrt, ist es immer auch die Geschichte des Ortes selbst, die man zu h\u00f6ren\nbekommt. In Korea ist diese gepr\u00e4gt durch die Kolonialherrschaft Japans, durch Krieg,\nZensur, politische Umbr\u00fcche. W\u00e4hrend sich in Europa der Aufstieg des Kinos zum\nMassenmedium \u2013 nach der Vorstellung des ersten Kinematographen durch die\nGebr\u00fcder Lumi\u00e8re im Jahr 1895 \u2013 in rasantem Tempo vollzog und besonders die\nkulturelle Landschaft der Zwischenkriegszeit pr\u00e4gte, sind bis zum Ende des\nZweiten Weltkriegs aus Korea nur rund 160 produzierte Filme nachzuweisen.\nKeiner von ihnen ist vollst\u00e4ndig erhalten. Die japanische Zensurbeh\u00f6rde nahm\nma\u00dfgeblichen Einfluss auf die Projekte und verunm\u00f6glichte einen eigenst\u00e4ndigen\nFilmbetrieb in der unterworfenen Kolonie, bis die kaiserliche Regierung im Jahr\n1942 koreanischsprachige Filme sogar vollst\u00e4ndig verbieten lie\u00df. Die Zeichen\nstanden, wie auch andernorts, auf Propaganda f\u00fcr den Krieg anstatt auf Unterhaltungskultur.\nDas Ende des Weltkriegs und die koreanische Unabh\u00e4ngigkeit von der kolonialen\nBesatzung haben sich im Anschluss indes gleicherma\u00dfen ins Filmlexikon des\nLandes eingetragen: <em>Hoorah! For Freedom!<\/em> (1946) hei\u00dft der erste\nvollst\u00e4ndig erhaltene Film aus Korea. Die historische Z\u00e4sur jedoch, die damit\nmarkiert ist, stellte nur eine vor\u00fcbergehende Atempause bis zum sich\nanschlie\u00dfenden Krieg der Jahre 1950\u20131953 dar. Danach teilt sich die Geschichte\ndes Kinos in Korea in zwei \u2013 wie auch diejenige des Landes.<\/p>\n\n\n\n<p>Von der nordkoreanischen Filmproduktion ist wenig bekannt.\n2004 ver\u00f6ffentlichte das ZDF-Magazin <em>Aspekte<\/em> eine Recherche, derzufolge\nviele Hollywood-Studios f\u00fcr ihre Zeichentrickproduktionen auf das\nSEK-Trickfilmstudio (Scientific and Educational Film Studio of Korea)\nzur\u00fcckgreifen w\u00fcrden. Nordkorea ist damit einer der gr\u00f6\u00dften\nTrickfilmproduzenten der Welt. Der damalige Leiter des SEK Jon Chol Ho\nkommentierte das mit den stolzen Worten: \u00bbWir k\u00f6nnen bis zu 7000 Minuten\nAnimation im Jahr produzieren. Wir fertigen nach hohen Ma\u00dfst\u00e4ben und wir sind\nso gut wie Disney.\u00ab<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a>\nDie dabei herrschenden Arbeitsbedingungen d\u00fcrfte man sich vorstellen k\u00f6nnen.\nW\u00e4hrend China aufgrund seines gro\u00dfen und noch weitgehend unausgesch\u00f6pften Potenzials\nals Absatzmarkt f\u00fcr Hollywood interessant ist, sind es in dessen\n\u00bbkommunistischem\u00ab Bruderland Nordkorea die billigen L\u00f6hne, f\u00fcr welche man die\nDiktatur trotz politischer Feindschaft sch\u00e4tzt. W\u00e4re es nicht so traurig,\nm\u00fcsste man \u00fcber den <em>K\u00f6nig der L\u00f6wen<\/em> aus den stalinistischen Grafikr\u00e4umen\nlachen: Das muss also der Circle of Life sein. Fraglich bleibt nur, ob Elton\nJohn und Tim Rice auch an Straflager und Verschleppung dachten, m\u00f6glicherweise\nso wie die Arbeitskollegen aus Nordkorea, als sie zu ihren Bildern texteten:\n\u00bbSome say eat or be eaten\/ Some say live and let live\/ But all are agreed as\nthey join the stampede\/ You should never take more than you give.\u00ab<a href=\"#_ftn3\">[3]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Im S\u00fcden sah die Lage nach Ende des Koreakriegs\ngl\u00fccklicherweise anders aus. Die US-Streitkr\u00e4fte verhinderten nicht nur einen\nAnschluss an den Norden, die amerikanische Konsumkultur sorgte auch f\u00fcr ein\nErbl\u00fchen der Film- und Unterhaltungsindustrie im unabh\u00e4ngigeren S\u00fcden. Auch Steuerbefreiungen\nund staatliche Subventionen verhalfen dem noch jungen Filmbetrieb auf die\nBeine. Neben Kurzweiligem entstanden in dieser Zeit auch Klassiker, in denen\ndie gesellschaftlichen Hierarchien persifliert, man k\u00f6nnte fast sagen: vom Kopf\nauf die F\u00fc\u00dfe gestellt wurden. So sorgte der 1960 erschiene <em>The Housemaid<\/em>\nvon Kim Ki-young f\u00fcr einen veritablen Skandal: Auf einmal waren K\u00fcsse im Kino\nzu sehen, sexuelle Spannungen auf der Leinwand, Frauen in den entscheidenden\nRollen. Die Filmkunst brachte Ordnung in Unordnung \u2013 sie war unangepasst und\nunbequem.<\/p>\n\n\n\n<p>K\u00fcnstlerischer Nonkonformismus wurde im Zuge der 1962 an die\nMacht kommenden Milit\u00e4rdiktatur unter Park Chung Hee jedoch wieder fragiler.\nNun wurden national gestimmte Gesetze zur Reglementierung der Filmindustrie\neingef\u00fchrt. Neben der in der Diktatur obligatorischen Versch\u00e4rfung der\nZensurma\u00dfnahmen war es fortan geschriebenes Gesetz, dass jede koreanische\nProduktionsgesellschaft mindestens 15 Filme pro Jahr ver\u00f6ffentlichen musste.\nZahlreiche Unternehmen gingen daran ein. Dar\u00fcber hinaus sollte der\ninternationale Einfluss, insbesondere der amerikanische, deutlich\nzur\u00fcckgedr\u00e4ngt werden, indem auf zwei importierte nun mindestens eine\nkoreanische Produktion zu kommen hatte. Diese Agenda wurde auch auf die landesweiten\nLichtspielh\u00e4user umgelegt, denen eine Quotierung vorgegeben wurde, derzufolge\nmindestens 40 Prozent der Spielzeit f\u00fcr koreanische Filme reserviert war. Das\njedoch sollte sich noch als gl\u00fccklicher Umstand erweisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die politischen und wirtschaftlichen Umbr\u00fcche der Folgejahre\n\u2013 der Abschied von der Milit\u00e4rdiktatur und die zunehmende Demokratisierung \u2013\nver\u00e4nderten auch wieder den Kinobetrieb. Mit der \u00d6ffnung des Landes erreichte\ndie westliche Unterhaltungskultur ein Wiederaufleben ihrer einstigen Beliebtheit,\nwodurch die landeseigenen Produktionen zunehmend ins Hintertreffen gerieten.\nViele Filmschaffende flogen nun unterhalb des Radars des kommerziellen\nKinobetriebs in S\u00fcdkorea. Dort jedoch blieb mehr Raum f\u00fcr Experimente und\nInnovationen, f\u00fcr Subversives und Abseitiges. Auch die prekarisierten Teile der\nBev\u00f6lkerung kamen nun im Film zu eigener Darstellung, soziale Fragen r\u00fcckten\nst\u00e4rker in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung. Auch dank der noch immer\ngeltenden Quotierung des ehemaligen Diktators Park Chung Hee, die den\ns\u00fcdkoreanischen Filmbetrieb \u00fcberhaupt am Leben hielt, begann in den 90er Jahren\nder endg\u00fcltige Aufstieg des s\u00fcdkoreanischen Kinos zur sogenannten \u00bbKorean New\nWave\u00ab als einer der aufregendsten Str\u00f6mungen im internationalen Filmgesch\u00e4ft.\nBeg\u00fcnstigt wurde dieser Aufstieg jedoch auch durch investitionsfreudige\nGro\u00dfunternehmen, die massentaugliche Idole f\u00fcr ihre Werbekampagnen ben\u00f6tigten \u2013\ndenn die lie\u00dfen sich am besten im Rahmen einer erfolgreichen nationalen\nPopul\u00e4rkultur rekrutieren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Klassenfeind im Keller<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Spuren dieser Geschichte lassen\nsich auch in <em>Parasite<\/em> aufsp\u00fcren, in dem das aufgebl\u00fchte Unternehmertum\nnun gemeinsam mit den Abgeh\u00e4ngten auf die B\u00fchne tritt, in dem die Feindschaft\nzum Norden thematisiert und eine reiche Bandbreite von Kino- und\nLiteraturzitaten aufgerufen wird. Der Film erz\u00e4hlt aus dem Leben der\nvierk\u00f6pfigen Familie Kim, die in einer heruntergekommenen Kellerwohnung einer\nnicht n\u00e4her benannten s\u00fcdkoreanischen Stadt lebt. Schon in ihrer Behausung\nfindet ihr sozialer Status seine bildliche \u00dcbersetzung \u2013 die Familie lebt\nbuchst\u00e4blich am unteren Rand: Ihre prek\u00e4ren Niedriglohnjobs lassen den Ausblick\nauf bessere Lebensverh\u00e4ltnisse nur so fl\u00fcchtig zu wie die Sicht aus dem\nKellerfenster denjenigen auf die Welt. Nichtsdestotrotz haben sie Strategien\nentwickelt, sich zu behaupten, sich bietende Gelegenheiten virtuos zu nutzen.\nAus nichts wird etwas und aus etwas immer mehr: Es bedarf nicht mehr als einer\nkleinen M\u00f6glichkeit und die Familienmitglieder bringen sich der Reihe nach in\nAnstellung bei der reichen Familie Park.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier nimmt die Handlung Anleihen\nam Genre des Schelmenromans, der sich an der Grenze zwischen Abenteuer- und\nGesellschaftsroman aufh\u00e4lt. Darin h\u00e4lt sich die dem prekarisierten Teil der\nGesellschaft angeh\u00f6rende Hauptfigur \u2013 zumeist unter Zuhilfenahme trickreicher\nMethoden und gegen das b\u00fcrgerliche Recht \u2013 unter den Privilegierten auf. Oft\ngeschieht der Eintritt in die Welt der feinen Leute durch den Beginn eines\nAngestelltenverh\u00e4ltnisses. Die darin eingetragene Ausbeutung der Arbeitskraft\nwird jedoch durch das Verhalten des Schelms verstellt, der die feine\nGesellschaft nach allen M\u00f6glichkeiten ausnimmt, bestiehlt, \u00fcbervorteilt: Er\nist, mit anderen Worten, nicht nur als Kellner auf der Party, sondern bedient sich\nauch \u00fcppig am Buffet und trinkt den Wein leer. In <em>Parasite<\/em> ist das schon\ndurch den Titel markiert, den die Handlung vieldeutig ausbuchstabiert und dabei\ndas R\u00e4tsel ausgibt: Wer beutet hier eigentlich wen aus?<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00f6glich wird das auch durch die\nzuweilen l\u00e4cherliche Naivit\u00e4t der Familie Park, in der sich das blinde\nUnverst\u00e4ndnis herrschender Klassen gegen\u00fcber der Situation der\nUnterprivilegierten ausdr\u00fcckt \u2013 die im Film nicht nur durch die listenreich\nsich einnistende Familie Kim repr\u00e4sentiert werden, sondern zudem durch die\nehemalige, von den Kims verdr\u00e4ngte Hausangestellte mitsamt ihrem Mann, der das\nHaus der Parks allerdings nie verlassen hat. Bald folgt eine Sequenz, in der\ndas Versteckspiel nur mit gro\u00dfer M\u00fche und noch gr\u00f6\u00dferem Gl\u00fcck aufrechterhalten\nwerden kann. Die Familie entkommt der Enttarnung, durch welche das Weiterso mit\ndem Versteckspiel unter den Reichen sein unheilvolles Ende gefunden h\u00e4tte. Das\njedoch geschieht auf so aberwitzige, so unwahrscheinliche Weise, dass deutlich\nwird: Das eigentliche Unheil ist, dass es so weiter geht. Was im <em>K\u00f6nig der\nL\u00f6wen<\/em> als zynisches Urteil \u00fcber die Unver\u00e4nderlichkeit der Verh\u00e4ltnisse und\ndie als notwendig deklarierte Akzeptanz individuellen Leids \u2013 ins Motto vom\nKreislauf des Lebens gebannt, in welchem nunmal die L\u00f6wen die Beute machen, die\ndie anderen sind \u2013 wird in <em>Parasite<\/em> auf diese Weise satirisch \u00fcberholt\nund blo\u00dfgestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der besagten Sequenz ging ein\nhandgreiflicher Streit mit der geschassten Haush\u00e4lterin voraus. Statt sich an\ndieser Stelle der Solidarit\u00e4t untereinander zu versichern und der\nwechselseitigen Knechtschaft die Befreiung aller vorzuziehen \u2013 soll hei\u00dfen: den\nGriff nach der Notbremse zu wagen \u2013 wird hier die l\u00e4ngst erledigte Konkurrenz\nzum prospektiven St\u00f6renfried erkl\u00e4rt, dem auch au\u00dferhalb beruflicher\nRivalit\u00e4ten zu Leibe zu r\u00fccken ist. Die Szenenfolge wird damit geradezu\nemblematisch f\u00fcr die Situation im Sp\u00e4tkapitalismus, der mit dem Feierabend\naufger\u00e4umt, die Arbeitsverh\u00e4ltnisse flexibilisiert und die Zumutungen\nversch\u00e4rft hat. Im Unwetter, das dann hereinbricht, werden auch jene noch, die\nschon die zweite Natur beherrscht, auf die Zw\u00e4nge der ersten Natur\nzur\u00fcckgeworfen. Auch hier wird die gesellschaftliche Hierarchie bildhaft, sie\nwiederholt sich in der Topographie der Stadt: Um die Gegend der Reichen zu\nverlassen, nehmen die Figuren \u00fcberflutete Treppen nach unten, bewegen sie sich\nvon der Anh\u00f6he wieder talw\u00e4rts. Der Regen rinnt unaufh\u00f6rlich, schwemmt die\nMenschen, die gewisserma\u00dfen unterhalb des Wasserstands der Wohlsituierten\nleben, auf die Stra\u00dfe. Als lautlose Stimme aus dem Off k\u00f6nnte man meinen, die\nVerse aus Bertolt Brechts <em>Lied vom Klassenfeind <\/em>zu h\u00f6ren, in dem es\nhei\u00dft: \u00bbDer Regen kann nicht nach aufw\u00e4rts, weil er\u2019s pl\u00f6tzlich gut mit uns meint.\nWas er kann, das ist: er kann aufh\u00f6r\u2019n, n\u00e4mlich dann, wenn die Sonne scheint.\u00ab\nDie Sonne, die auf den Regen folgt, scheint in <em>Parasite<\/em> durch die\nmeterhohe Fensterfront ins Gesicht der reichen Yeon-Kyo, die ausgeruht l\u00e4chelnd\nin den gepflegten Garten blickt. Sie freut sich \u00fcber eine regenreiche Nacht.\nAber abseits der Villen, die vielen Stufen hinab, sind die Wohnungen\nvollgelaufen, die Bezirke unbewohnbar geworden. Selbst wenn der Regen aufh\u00f6rt:\nIm Keller scheint die Sonne nicht \u2013 das Wasser aber bleibt.<br><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> In\nS\u00fcdkorea haben zehn Millionen Menschen ein Ticket an der Kinokasse f\u00fcr den Film\ngel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Jon Chol\nHo:<em> Nordkorea produziert Hollywood-Stars<\/em>, 01. Juli 2004, online unter: &nbsp;https:\/\/www.presseportal.de\/.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> Elton John\/Tim Rice: <em>Circle of\nLife<\/em>. Walt Disney Records 1994.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>| Von Valentin Nikolaus Schettler | Die sich fortsetzende Serie s\u00fcdkoreanischer Filmmeisterwerke, f\u00fcr die Bong Joon-hos Parasite nur das j\u00fcngste Beispiel darstellt, gibt Anlass zur Auseinandersetzung mit der Kinogeschichte des Landes.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-425","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/425","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=425"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/425\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":426,"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/425\/revisions\/426"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=425"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=425"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=425"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}