{"id":239,"date":"2019-07-04T12:23:47","date_gmt":"2019-07-04T10:23:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.refrat.de\/huch\/?p=239"},"modified":"2020-04-11T14:34:33","modified_gmt":"2020-04-11T12:34:33","slug":"gelb-sehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/2019\/07\/gelb-sehen\/","title":{"rendered":"Gelb sehen \u2013 HUch#89"},"content":{"rendered":"<p>Von Nora Hillermann<\/p>\n<p lang=\"en-GB\" align=\"justify\"><em><span lang=\"de-CH\">Hinter dem heterogenen und zun\u00e4chst verd\u00e4chtig <\/span><span lang=\"de-CH\">uneindeutigen<\/span><span lang=\"de-CH\"> Aufstand der Gilets Jaunes in Frankreich verbergen sich emanzipative Potentiale, die es zu entdecken und an die es anzukn\u00fcpfen gilt.<\/span><\/em><!--more--><\/p>\n<p lang=\"en-GB\" align=\"justify\"><span lang=\"de-CH\">Seit beinahe einem halben Jahr widersprechen die <\/span><span lang=\"de-CH\">Gilets Jaunes<\/span><span lang=\"de-CH\"> der alten Formel sowie der anf\u00e4nglichen Vermutung, dass sie ebenso schnell verschwinden w\u00fcrden, wie sie aufgetaucht sind. Denn der gelbleuchtende Widerstand verschwindet nicht, obwohl er wie aus dem Nichts aufgetaucht ist.<a href=\"#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\">1<\/a> Seit dem 17. November 2018, dem ersten Tag der massiven Mobilisierungen fast \u00fcberall in Frankreich, tr\u00e4gt die Bewegung jede Woche das Lied der Revolte auf die Stra<\/span><span lang=\"de\">\u00dfen. Es ist zu einem Ohrwurm geworden, der st\u00e4ndig zur\u00fcckkehrt und einem einfl\u00fcstert, was man nicht h\u00f6ren will \u2013 oder vielleicht auch das, was man sich heimlich ersehnt. Weder die Annullierung der Reform der Kraftstoffsteuer, noch die scheinheiligen Versprechen einer Erh\u00f6hung des Mindestlohns, und erst recht nicht die verzweifelten Versuche, einen <\/span><em><span lang=\"de\">Grand D\u00e9bat <\/span><\/em><span lang=\"de\">(gro\u00dfe Debatte)<\/span><span lang=\"de\"> mit der in Rage geratenen Bev\u00f6lkerung zu inszenieren<a href=\"#sdfootnote2sym\" name=\"sdfootnote2anc\">2<\/a> \u2013 keine Ma\u00dfnahme der Regierung h\u00e4lt die Zehntausenden von Menschen davon ab, weiter zu demonstrieren, zu blockieren und sich zu organisieren. Die andauernde Motivation versetzt einen ins Staunen und man fragt sich, <\/span><em><span lang=\"de\">weshalb<\/span><\/em><span lang=\"de\"> die Bewegung derart best\u00e4ndig ist und inwiefern dieses Bestehen <\/span><em><span lang=\"de\">w\u00fcnschenswert<\/span><\/em><span lang=\"de\"> ist, wenn man einen emanzipativen Anspruch an sie stellt \u2013 einen Anspruch auf den Umsturz des Systems als Ziel revolution\u00e4ren Handelns. <\/span><\/p>\n<p lang=\"de\" align=\"justify\"><strong>Aus dem Schema fallen<\/strong><\/p>\n<p lang=\"en-GB\" align=\"justify\"><span lang=\"de\">Ein erster Grund daf\u00fcr, dass die Kraft dieser Bewegung im Laufe der Monate nicht im Sand verlaufen ist, besteht darin, dass sie sich jeder Einordnung in ein traditionelles Links-Rechts-Schema entzieht; ein Schema, an dem nicht nur die Parteipolitik der liberalen Demokratie, sondern auch die Sozialwissenschaften und die intellektuelle Linke festhalten. Diese Kategorien erleichtern Orientierung und Organisation auf dem politischen Feld, denn sie erlauben, Freund*innen von Feind*innen zu unterscheiden. Ihr Nutzen f\u00fcr die theoretische Orientierung h\u00e4ngt allerdings davon ab, inwiefern sie der praktischen Organisation auch tats\u00e4chlich zugrundeliegen. Viele der Gilets Jaunes gehen jedoch zum ersten Mal in ihrem Leben demonstrieren, haben sich keiner Partei oder politischen Linie verschrieben und bezeichnen sich mithin sogar als unpolitisch. Solche Selbstbezeichnungen lassen aus linker Perspektive erst einmal alle m\u00f6glichen Alarmanlagen im Kopf angehen. Denn was sich unpolitisch gibt, entpuppt sich nicht selten als rechter Wolf im Schafspelz. Die Gefahr eines Abrutschens nach rechts, die Anfangs zweifellos bestand, scheint inzwischen jedoch weitgehend abgewendet. Denn die Verweigerung politischer Einordnung birgt auch aus linker Perspektive nicht nur Risiken, sondern ebenso das Potential, die soziale Frage auf den Plan zu rufen. Was die Gilets Jaunes n\u00e4mlich vereint, ist keine politische Ideologie, sondern zun\u00e4chst einmal eine gemeinsame prek\u00e4re sozio\u00f6konomische Situation \u2013 die harte Erkenntnis, <\/span><span lang=\"de\">\u203a<\/span><span lang=\"de\">dass es nicht mehr geht<\/span><span lang=\"de\">\u2039<\/span><span lang=\"de\">. Durch Begegnungen bei Demonstrationen oder Blockaden von Verkehrskreiseln, sowie durch den Austausch \u00fcber soziale Netzwerke haben diese Menschen schlicht und ergreifend festgestellt,<\/span> <span lang=\"de\">\u203a<\/span><span lang=\"de\">dass sie alle in der gleichen Schei\u00dfe stecken<\/span><span lang=\"de\">\u2039<\/span><span lang=\"de\">, dass nicht nur ihnen selbst, sondern so vielen anderen auch das Wasser bis zum Hals steht \u2013 obwohl sie sich abm\u00fchen, obwohl sie ackern den ganzen Tag, obwohl sie mehrere Jobs gleichzeitig haben, um ihre Familie zu ern\u00e4hren, obwohl sie weiter arbeiten, weil die Rente nicht reicht.<a href=\"#sdfootnote3sym\" name=\"sdfootnote3anc\">3<\/a> <\/span><\/p>\n<p lang=\"en-GB\" align=\"justify\"><span lang=\"de\">Zudem hat die formale Links-Rechts-Verweigerung dazu beigetragen, dass weder der Front National, noch rechtsextreme Gruppen auf irgendeine Weise Einfluss auf die Ziele und das Selbstverst\u00e4ndnis, und vor allem nicht auf die mediale Einordnung der Bewegung nehmen konnten. Und sie hat dazu gef\u00fchrt, dass sich keine etablierte politische Kraft gegen sie gestellt hat \u2013 au\u00dfer der Regierung haben die Gilets Jaunes keinen ausgesprochenen Feind, dessen <\/span><em><span lang=\"de\">aktiver<\/span><\/em><span lang=\"de\"> Gegenwehr sie ausgesetzt w\u00e4ren. Im Gegenteil: die gewaltvolle, unerh\u00f6rte und bet\u00e4ubende Repression, welche die Regierung mithilfe der Polizei auf die Bewegung aus\u00fcbt, ist eher zu einem Grund geworden, sich mit ihr zu solidarisieren, als sich gegen sie zu richten. Die mediale Pr\u00e4senz der k\u00f6rperlichen Versehrungen \u2013 von Gummigeschossen zerst\u00f6rte Augen, von Granaten zerfetzte H\u00e4nde \u2013 spielt aufseiten der Gilets Jaunes. Neben den Erfahrungen der Aktionen selbst ist es dieses Erleben erbarmungsloser Repression, das zu einer Politisierung vieler der sich anfangs als unpolitisch verstehenden Teilnehmer*innen gef\u00fchrt hat.<\/span><\/p>\n<p lang=\"en-GB\" align=\"justify\"><strong><em>Enfiler un gilet<\/em> (eine Weste \u00fcberziehen)<\/strong><\/p>\n<p lang=\"en-GB\" align=\"justify\"><span lang=\"de\">Ein weiteres Moment, das der Best\u00e4ndigkeit der Bewegung in die H\u00e4nde spielt, ist eine Offenheit, die den Mobilisierungshorizont enorm erweitert. Sie l\u00e4sst sich ganz praktisch ausformulieren. Es ist unglaublich leicht, Teil der Bewegung zu werden: man besorgt sich eine gelbe Leuchtweste, zieht sie sich \u00fcber, checkt einmal auf Facebook, wo was l\u00e4uft, und los geht<\/span><span lang=\"de\">&#8218;<\/span><span lang=\"de\">s. <\/span><span lang=\"de-CH\">Jede*r, die oder der sich in gelb einer samst\u00e4glichen Demonstration, einer <\/span><em><span lang=\"de-CH\">assembl\u00e9e g\u00e9n\u00e9rale<\/span><\/em><span lang=\"de-CH\"> (Vollversammlung) oder einer Aktion auf einem <\/span><em><span lang=\"de-CH\">rond-point<\/span><\/em><span lang=\"de-CH\"> (Verkehrskreisel) anschliesst, wird automatisch ein Gilet Jaune. Nat\u00fcrlich f\u00fchrt diese Offenheit ebenfalls dazu, dass wirklich<\/span> <span lang=\"de-CH\">\u203a<\/span><span lang=\"de-CH\">irgendwer<\/span><span lang=\"de-CH\">\u2039<\/span><span lang=\"de-CH\"> bei den Demonstrationen mitlaufen kann und etwa rechte Hooligans weiterhin pr\u00e4sent sind \u2013 allerdings wurden Rechtsradikale zuletzt effektiv von Antifas in die Flucht geschlagen. <\/span><span lang=\"de-DE\">So bildet die gro\u00dfe Zug\u00e4nglichkeit in erster Linie einen Vorzug, n\u00e4mlich <\/span><span lang=\"de\">eine unglaublich niedrige H\u00fcrde, um politisch aktiv zu werden. F\u00fcr all diejenigen, f\u00fcr die politische Aktivit\u00e4t immer au<\/span><span lang=\"de-DE\">\u00dferhalb ihres Handlungshorizonts lag<\/span><span lang=\"de\">, die nicht gewusst h\u00e4tten, wo sie anfangen sollten, sich zu engagieren, und die <\/span><span lang=\"de-DE\">in ihrem sozialen Umfeld <\/span><span lang=\"de\">keinen Ansto<\/span><span lang=\"de-DE\">\u00df erfuhren, dies \u00fcberhaupt zu tun \u2013 f\u00fcr all diese Menschen<\/span><span lang=\"de\"> bedeuten die Aktionen und entstehenden Netzwerke der Gilets Jaunes nicht nur einen unglaublich leicht zug\u00e4nglichen Raum, in und mit dem sich etwas <\/span><em><span lang=\"de\">tun<\/span><\/em><span lang=\"de\"> l\u00e4sst (anstatt <\/span><span lang=\"de\">\u203a<\/span><span lang=\"de\">nur<\/span><span lang=\"de\">\u2039<\/span><span lang=\"de\"> zu reden, wie es <\/span><span lang=\"de\">\u203a<\/span><span lang=\"de\">die<\/span><span lang=\"de\">\u2039<\/span><span lang=\"de\"> Politik sonst tut), sondern auch einen Ort, an dem es den allermeisten anderen ebenso geht. Und das wiederum bedeutet<\/span><span lang=\"de-DE\">, dass es keine politisch erfahrene Avantgarde oder gar Kader gibt, die einen Wissensvorsprung h\u00e4tten, sondern dass ein Wissen aus der Erfahrung der Aktionen entsteht \u2013 dass sich eine praktische Intelligenz form<\/span><span lang=\"de-DE\">ier<\/span><span lang=\"de-DE\">t, die sowohl bildet und politisiert, als auch zusammenschwei\u00dft und Solidarit\u00e4t schafft.<\/span><\/p>\n<p lang=\"en-GB\" align=\"justify\"><span lang=\"de\">Die Anschlussf\u00e4higkeit gilt dabei nicht nur f\u00fcr einzelne Personen, sondern auch f\u00fcr andere politische K\u00e4mpfe. Mitte Dezember gab es zumindest in Paris einige Mobilisierungen in Schulterschluss mit den Gilets Jaunes, die von verschiedenen linken Kollektiven organisiert wurden. Darunter waren studentische Politgruppen, das <\/span><span lang=\"de\">Comit\u00e9 pour Adama<\/span><span lang=\"de\"> (ein antirassistisches Kollektiv, das insbesondere gegen Repression mobilisiert) und ein queerer Block. Obwohl die Gilets Jaunes h\u00e4upts\u00e4chlich franz\u00f6sische, wei\u00dfe Personen umfassen, gibt es durchaus eine Sensibilit\u00e4t daf\u00fcr, niemanden aufgrund von Herkunft, sozialer bzw. religi\u00f6ser Zugeh\u00f6rigkeit, Sexualit\u00e4t oder <\/span><em><span lang=\"de\">race<\/span><\/em><span lang=\"de\"> auszuschlie\u00dfen. Das bedeutet nicht, dass es innerhalb der Bewegung keine rassistischen, antisemitischen oder sexistischen Einzelpersonen und Vorf\u00e4lle gibt. Aus der Mehrzahl der \u00f6ffentlichen Positionierungen spricht jedoch eine eindeutige Ablehnung solcher Formen der Diskriminierung.<a href=\"#sdfootnote4sym\" name=\"sdfootnote4anc\">4<\/a> <\/span><\/p>\n<p lang=\"en-GB\" align=\"justify\"><span lang=\"de\">Ein Faktor der Offenheit der Bewegung ist auch die Tatsache, dass es sich nicht um einen Arbeitskampf handelt, der sich im Bereich der Produktion abspielt, und in dem eine bestimmte Berufsgruppe f\u00fcr bessere Entlohnung oder bessere Arbeitsbedingungen auf die Stra\u00dfe geht, sondern um einen Aufstand seitens der Konsument*innen, die einen Kampf um Marktpreise f\u00fchren und mit ihren Aktionen in die Warenzirkulation eingreifen.<a href=\"#sdfootnote5sym\" name=\"sdfootnote5anc\">5<\/a> Dieser Umstand f\u00fchrt dazu, dass die Bewegung nicht die Sache einer spezifischen Gruppe bleibt, sondern <\/span><span lang=\"de\">zu einer<\/span><span lang=\"de\"> Sache aller werden kann \u2013 denn alle unterliegen de<\/span><span lang=\"de\">n<\/span><span lang=\"de\"> Preisregelung<\/span><span lang=\"de\">en<\/span><span lang=\"de\"> des Marktes, alle unterliegen der staatlichen Steuerpolitik, und alle, mit Ausnahme der politischen Elite selbst, unterliegen deren Machtspiel.<\/span><\/p>\n<p lang=\"de\" align=\"justify\"><strong>Gegen jede Repr\u00e4sentation<\/strong><\/p>\n<p lang=\"en-GB\" align=\"justify\"><span lang=\"de\">Ein drittes, f\u00fcr die Langlebigkeit der Gilets Jaunes zentrales Moment besteht in ihrer Verweigerung gegen\u00fcber jeglicher Form der Repr\u00e4sentation. Diese Ablehnung speist sich zun\u00e4chst aus der geteilten Wut gegen\u00fcber der Politik der repr\u00e4sentativen Demokratie \u2013 eine Politik, die zu einem elit\u00e4ren und auf Expertentum reduzierten Gesch\u00e4ft mutiert ist; mit einem <\/span><em><span lang=\"de\">S<\/span><span lang=\"de\">tartup<\/span><\/em><span lang=\"de\">-Parlament, das Macron in neoliberalster Manier und wie ein kleiner K\u00f6nig dirigiert, und mit einer Regierung, die jeder \u00c4usserung der wirklichen Bed\u00fcrfnisse und N\u00f6te der Bev\u00f6lkerung rau \u00fcber den Mund f\u00e4hrt. Dieser heuchlerischen Form der Demokratie setzen die Gilets Jaunes einen Ansatz von Basisdemokratie entgegen, der sich in der Forderung nach einem RIC (<\/span><em><span lang=\"de\">R\u00e9f\u00e9rendum d\u2018Initiative Citoyenne<\/span><\/em><span lang=\"de\">, einem auf B\u00fcrgerinitiative beruhenden Referendum) verk\u00f6rpert. Angestrebt wird damit nichts weniger als ein Abbau der professionellen Politik zugunsten einer Politik von unten.<a href=\"#sdfootnote6sym\" name=\"sdfootnote6anc\">6<\/a> An diese Forderung nach einer Verringerung der vermeintlich repr\u00e4sentativen Dimension der demokratischen Struktur schliesst sich eine unmissverst\u00e4ndliche Verweigerung jeglicher Repr\u00e4sentation der Bewegung selbst an. Bis heute gibt es keine Einzelperson, die sich als Anf\u00fchrer*in der Bewegung profiliert h\u00e4tte, und keine formale Struktur, die eine Vorlage zur Schaffung von Hierarchien geben w\u00fcrde. Da die Organisation der Aktionen von Anfang an \u00fcber soziale Netzwerke stattgefunden hat, sind es recht wilde und unstrukturierte Informationskan\u00e4le, \u00fcber die jegliche Vorbereitung abl\u00e4uft. In diesen Netzwerken gibt es zwar Personen mit \u00f6ffentlichkeitswirksam<\/span><span lang=\"de\">er<\/span><span lang=\"de\">en Accounts, \u00fcber die Informationen effektiver verbreitet werden k\u00f6nnen und deren Tr\u00e4ger bekannte Gesichter der Bewegung geworden sind. Diese Personen beanspruchen jedoch keine Entscheidungsgewalt, sondern sehen sich lediglich als Sprachrohre der Bewegung \u2013 als Instanzen, die eine klarere Formulierung von Zielen und Forderungen gegen\u00fcber der medialen \u00d6ffentlichkeit erm\u00f6glichen. Diese Absage an Repr\u00e4sentant*innen bedeutet auch, dass es weder innere Machtk\u00e4mpfe, noch Streit \u00fcber ideologische Differenzen verschiedener Wortf\u00fchrer*innen gibt. Damit arbeitet die Bewegung permanent gegen Kapazit\u00e4ten fressende Spaltungs- und Differenzierungstendenzen an \u2013 was wiederum zu ihrer Langlebigkeit beitr\u00e4gt. <\/span><\/p>\n<p lang=\"de\" align=\"justify\"><strong>Der rote Kern<\/strong><\/p>\n<p lang=\"en-GB\" align=\"justify\"><span lang=\"de\">M\u00f6gen die Gilets Jaunes in ihrer Absage an politische Einordnung, in ihrer Verweigerung von Repr\u00e4sentation sowie in ihrer Offenheit die Z\u00fcge einer sozialen Bewegung vorzeichnen, so darf doch ein Aspekt nicht unerw\u00e4hnt bleiben, der an ihrem emanzipativen Potential zweifeln lassen mag: die Attribute und Assoziationen, welche die Bewegung symbolisch pr\u00e4gen. Es erweckt n\u00e4mlich ein durchaus mulmiges Gef\u00fchl, mit einer Horde Trikolore-schwenkender und nicht selten die <\/span><em><span lang=\"de\">Marseillaise<\/span><\/em><span lang=\"de\"> anstimmender, haupts\u00e4chlich wei\u00dfer, m\u00e4nnlicher Menschen durch die Stra\u00dfen von Paris zu ziehen. Und auch die Tatsache, dass vornehmlich politische Forderungen innerhalb des Rahmens der liberalen Demokratie im Raum stehen (Steuersenkung, mehr politische Partizipation durch das RIC, R\u00fccktritt Macrons <\/span><span lang=\"de\">usw<\/span><span lang=\"de\">.<a href=\"#sdfootnote7sym\" name=\"sdfootnote7anc\">7<\/a>), weist eher in eine reformistische als in eine revolution\u00e4re Richtung.<\/span><\/p>\n<p lang=\"en-GB\" align=\"justify\"><span lang=\"de\">Der erste Punkt \u2013 die Bezugnahme vieler Gilets Jaunes auf die franz\u00f6sische Nation und auf die schlu\u00dfendlich b\u00fcrgerliche Franz\u00f6sische Revolution \u2013 scheint zun\u00e4chst mit einer von fundierter Nationalismuskritik informierten, linken Perspektive unvereinbar. Diese Symbolik wird allerdings vor dem Hintergrund verst\u00e4ndlicher, dass sie in Frankreich schlicht die naheliegendste ist, wenn es um Revolution geht. Und es sind Symbole, die alle kennen, zu denen die meisten einen Bezug haben, die vereinend wirken. Die <\/span><em><span lang=\"de\">Marseillaise<\/span><\/em><span lang=\"de\"> m\u00fcssen in Frankreich <\/span><em><span lang=\"de\">alle<\/span><\/em><span lang=\"de\"> in der Schule lernen, was bedeutet, dass dieses Lied alle gemeinsam singen <\/span><em><span lang=\"de\">k\u00f6nnen<\/span><\/em><span lang=\"de\">, sodass also das gemeinsame Singen, und nicht unbedingt der Inhalt z\u00e4hlt. Zudem ist die Kritik an Nationalstaatlichkeit an Diskurse gebunden, die der herrschenden Ideologie entgegengesetzt und nicht f\u00fcr alle ohne weiteres zug\u00e4nglich sind \u2013 oft ist ein bestimmtes Milieu Voraussetzung daf\u00fcr, dass Menschen \u00fc<\/span><span lang=\"de\">berhaupt<\/span><span lang=\"de\"> mit solcher Kritik in Ber\u00fchrung kommen. Die Bewegung f\u00fcr eine unkritische \u00dcbernahme nationalistischer Symbolik zu verurteilen, w\u00e4re also falsch \u2013 auch deshalb, weil sie keineswegs einen rechten Einschlag bedeutet: die Jahreszahl 1789 wird n\u00e4mlich g\u00e4ngiger Weise durch die Reihe 1871, 1968 und schlie\u00dflich 2018 erg\u00e4nzt. Es sind also ebenso, wenn nicht sogar eher die linken revolution\u00e4ren Narrative, die im Vordergrund stehen. <\/span><\/p>\n<p lang=\"en-GB\" align=\"justify\"><span lang=\"de\">Der zweite Punkt \u2013 der Mangel an Radikalit\u00e4t in den konkreten politischen Forderungen und ihre Beschr\u00e4nkung auf den M\u00f6glichkeitsraum der bestehenden politischen Strukturen \u2013 hat sich im Laufe der Monate durchaus verschoben. Erstens hat die vollst\u00e4ndige Taubheit der Regierung gegen\u00fcber den Forderungen der Gilets Jaunes viele ebendieser in ein Zweifeln dar\u00fcber versetzt, ob eine wirkliche Ver\u00e4nderung ihrer Lebensumst\u00e4nde innerhalb des bestehenden Systems \u00fcberhaupt m\u00f6glich ist; und zweitens weist etwa der Umstand, dass die Gilets Jaunes sich seit Monaten gegen einen Dialog mit der Regierung sperren, darauf hin, dass sich die Bewegung mit Zugest\u00e4ndnissen innerhalb des <\/span><em><span lang=\"de\">status quo<\/span><\/em><span lang=\"de\"> nicht zufrieden geben will und wird. <\/span><span lang=\"de-DE\">Es scheint sich also ein roter Kern herauszusch\u00e4len \u2013 ein sozialer Kampf, der emanzipatives Potential birgt.<\/span><\/p>\n<p lang=\"en-GB\" align=\"justify\"><strong>Materialismus in Gelb<\/strong><\/p>\n<p lang=\"en-GB\" align=\"justify\"><span lang=\"de\">Eine sozial-emanzipative Revolution kommt ohne eine \u00f6konomische Kritik und eine Ber\u00fccksichtigung der materiellen Dimension im politischen Kampf nicht aus. Diese zeigt sich bei den Gilets Jaunes weniger in ihrem Diskurs, als vielmehr in ihren Handlungsweisen. Obwohl die Forderungen prim\u00e4r an das politische System gerichtet sind, spielen sich die Aktionen gro\u00dfteils im \u00f6konomischen Bereich ab. Es wird haupts\u00e4chlich die Waren- und Dienstleistungszirkulation blockiert: Verkehrskreisel werden stillgelegt; es gab Blockaden in Rungis, einem zentralen Lebensmittelumschlagspunkt im S\u00fcden von Paris; es fanden Aktionen an Amazon-Logistikzentren statt <\/span><span lang=\"de\">usw<\/span><span lang=\"de\">. Damit haben die Gilets Jaunes, auch ohne eine theoretische Kapitalismuskritik auszuformulieren, ihre Angriffspunkte zielsicher dort angesetzt, wo die Ursache ihrer Prekarit\u00e4t verortet ist. <\/span><\/p>\n<p lang=\"en-GB\" align=\"justify\"><span lang=\"de\">Ein zweiter materieller Angriffspunkt ist die Infrastruktur der St\u00e4dte. Banken, Luxusgesch\u00e4fte, Regierungsgeb\u00e4ude und architektonische Machtmonumente in blankgeputzten b\u00fcrgerlichen Quartieren zu besch\u00e4digen, bedeutet, Symbole des wirtschaftlichen und politischen Systems in ihrer Unversehrtheit anzugreifen und damit mediale Effekte zu erzielen \u2013 dass der <\/span><span lang=\"de\">Arc de Triomphe<\/span><span lang=\"de\"> mit <\/span><span lang=\"de\">\u00bb<\/span><span lang=\"de\">Les gilets jaunes triompheront<\/span><span lang=\"de\">\u00ab<\/span><span lang=\"de\"> (<\/span><span lang=\"de\">Die Gilets Jaunes werden triumphieren<\/span><span lang=\"de\">) be<\/span><span lang=\"de\">s<\/span><span lang=\"de\">prayt wurde, hatte einen riesigen Skandal zur Folge. In den Handlungsweisen der Bewegung offenbart sich also ein gezieltes Eingreifen an der \u00f6konomischen Basis, das auf ideologischer Ebene Wellen schl\u00e4gt und so die Stabilit\u00e4t des Systems ins Wanken bringt. Es wird in Frankreich nicht umsonst von <\/span><span lang=\"de\">\u203a<\/span><span lang=\"de\">der Krise<\/span><span lang=\"de\">\u2039<\/span><span lang=\"de\"> gesprochen. Es scheint also, als w\u00fcrden die Gilets Jaunes in ihrer revolution\u00e4ren Praxis einen emanzipativen Charakter (re)produzieren, der \u00fcber das bestehende System hinausweist. <\/span><\/p>\n<p lang=\"de\" align=\"justify\"><strong>Beziehungen kn\u00fcpfen<\/strong><\/p>\n<p lang=\"en-GB\" align=\"justify\"><span lang=\"de\">Das vielleicht eindrucksvollste Indiz des emanzipativen Potentials der Bewegung besteht in ihrer F\u00e4higkeit zur Schaffung von Netzwerken und zum Kn\u00fcpfen von zwischenmenschlichen Beziehungen. Denn die spektakul\u00e4ren samst\u00e4glichen Demonstrationen sind zwar der medienwirksame Schauplatz dessen, was die Gilets Jaunes bewegen \u2013 die kleinteiligere und nachhaltigere Arbeit geschieht jedoch bei verschiedenen Aktionen unter der Woche und in den Prozessen ihrer kollektiven Planung. In unz\u00e4hligen St\u00e4dten bilden sich Ortsgruppen der Gilets Jaunes heraus \u2013 zusammengew\u00fcrfelte Ansammlungen von Menschen, die sich regelm\u00e4ssig treffen, um gemeinsam an den Demonstrationen teilzunehmen, aber auch, um lokale Aktionen und Projekte zu realisieren. An Verkehrskreiseln oder in Wohnquartieren errichteten Gilets Jaunes beispielsweise sogenannte <\/span><em><span lang=\"de\">cabanes<\/span><\/em><span lang=\"de\">, selbstgebaute H\u00fctten, die zu Orten der Begegnung geworden sind. Und auch im Stra\u00dfenbild machen sich die Gilets Jaunes bemerkbar; manche \u2013 etwa Angestellte von Lieferdiensten \u2013 tragen ihre gelbe Weste bei der Arbeit, andere beim Fahrradfahren, bei vielen liegt sie demonstrativ hinter der Windschutzscheibe des Privatwagens. Durch diese Sichtbarkeit werden Momente des spontanen Austauschs m\u00f6glich \u2013 man nickt sich zu oder l\u00e4chelt sich an, und nicht selten ergeben sich unverhoffte Gespr\u00e4che, weil zwei Personen voneinander merken, dass sie <\/span><span lang=\"de\">beide <\/span><span lang=\"de\">in Bezug zu den Gilets Jaunes stehen. Die Bewegung wird also zunehmend in den Alltag hineingetragen. Dabei ergeben sich Begegnungen zwischen Menschen, die sonst niemals miteinander in Kontakt gekommen w\u00e4ren \u2013 es treffen Studis auf Azubis, Berufst\u00e4tige auf Berufslose, politisch Organisierte auf politische Gr\u00fcnschn\u00e4bel. Ob in einer Bahnhofshalle, die blockiert und in der miteinander getanzt wird; ob bei einer <\/span><em><span lang=\"de\">assembl\u00e9e g\u00e9n\u00e9rale<\/span><\/em><span lang=\"de\"> in der Uni, zu der ein versehrtes Gilet Jaune geladen und angeh\u00f6rt wird; ob bei Demonstrationen, wo blutjunge Antifas \u00e4lteren Damen mit Serum gegen Tr\u00e4nengas aushelfen \u2013 \u00fcberall entwickeln sich Solidarit\u00e4ten, die Kraft und Motivation stiften, weiterzumachen. Und selbst wenn die Bewegung schlussendlich nichts am Rahmen von Kapitalismus und Scheindemokratie \u00e4ndern k\u00f6nnen sollte, so bleiben doch diese Beziehungen, die durch die Bewegung entstanden sind und wesentlich emanzipativen Charakter aufweisen \u2013 denn sie werden auf Basis von Solidarit\u00e4t und einer Absage an Diskriminierung und Unterdr\u00fcckung gekn\u00fcpft.<\/span><\/p>\n<p lang=\"de\" align=\"justify\"><strong>Gelb sehen<\/strong><\/p>\n<p lang=\"en-GB\" align=\"justify\"><span lang=\"de\">Auch wenn die Analogie zum <\/span><span lang=\"de\">M<\/span><span lang=\"de\">arxschen Klassenkampf nicht vollst\u00e4ndig aufgeht, so kann man in den Gilets Jaunes dennoch die Arbeiter*innenklasse erkennen, die sich in der H\u00e4rte ihres Kampfes der Dimension ihrer Unterdr\u00fcckung bewusst wird \u2013 und in der Repression das Zittern der Bourgeoisie. Denn es sind nicht die linken Gruppen, die diese Bewegung tragen, sondern die Bauarbeiter*innen, Pfleger*innen, Supermarktangestellten und nicht zuletzt Rentner*innen, denen an ihrem Lebensabend die Mittel zum \u00dcberleben fehlen. All diese Menschen haben irgendwann rot gesehen und in ihrer Wut beschlossen, etwas zu bewegen. Sie haben sich Leuchtwesten angezogen und daf\u00fcr gesorgt, dass die traditionelle Linke nur noch gelb sah. Und das ist gut so. Denn dieses Verh\u00e4ltnis erzeugt einen wichtigen Abbau des insbesondere in der intellektuellen, aber auch in der Bewegungslinken pr\u00e4senten <\/span><em><span lang=\"de\">m\u00e9pris de classe<\/span><\/em><span lang=\"de\"> (Klassenhass, oder w\u00f6rtlich <\/span><span lang=\"de\">Verachtung der Klasse<\/span><span lang=\"de\">), der handlungsunf\u00e4hig macht. Das bedeutet nicht, zu ignorieren, dass weiterhin allerhand Ecken und Kanten an der Bewegung kritisiert werden k\u00f6nnen; es bedeutet, ihren roten Kern zu erkennen und von diesen revolution\u00e4ren Elementen ausgehend weiterzudenken \u2013 und zu handeln. Es geht darum, allen sich rassistisch \u00e4ussernden Gilets Jaunes die Erkenntnis zuzutrauen, dass Ressentiment gegen Immigrant*innen nicht hilft, sondern dass wir uns als Revolution\u00e4r*innen mit Ihnen zusammenschliessen m\u00fcssen, wenn wir gewinnen wollen. Es geht darum, nicht vor der Trikolore zur\u00fcckzuschrecken, sondern auf die Menschen zuzugehen und dar\u00fcber zu sprechen, welche <\/span><span lang=\"de\">Wut<\/span><span lang=\"de\"> und welche Hoffnungen wir teilen. Es geht darum, das eigene Denken und Urteilen zu erweitern durch die Lehren einer ungewissen Praxis. Es geht darum, Diversit\u00e4t und Dissens, kollektive Kraft und Kreativit\u00e4t und das Fehlermachen zuzulassen. Es geht darum, den Mut zu fassen, <\/span><span lang=\"de-DE\">mit Menschen auf die Stra\u00dfe zu gehen, die nicht schon alles durchdacht haben und trotzdem so viel wissen.<a href=\"#sdfootnote8sym\" name=\"sdfootnote8anc\">8<\/a> Mut zu fassen also, sich eine gelbe Weste zu besorgen und sich hineinzubegeben in diesen einzigartigen Protest.<\/span><\/p>\n<p lang=\"en-GB\" align=\"justify\">\n<p lang=\"en-GB\" align=\"justify\">\n<div id=\"sdfootnote1\">\n<p lang=\"en-GB\"><a href=\"#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\">1<\/a>\u00a0<span lang=\"de-CH\">Es muss hier das <\/span><span lang=\"de-CH\">W<\/span><span lang=\"de-CH\">ie<\/span><span lang=\"de-CH\"> herausgestrichen werden, denn eigentlich ist es kaum verwunderlich, dass sich in dieser Phase ein breiter politischer Widerstand Bahn bricht: Die Reformpolitik von Emmanuel Macron und seiner Regierung hat zwei Jahre lang einen unterschwelligen Druck erzeugt, der sich irgendwann entladen <\/span><em><span lang=\"de-CH\">musste<\/span><\/em><span lang=\"de-CH\">. F\u00fcr eine detailliertere Analyse zu den politischen Entwicklungen vor dem 17. <\/span><span lang=\"fr-CH\">November 2018, siehe: <\/span><\/p>\n<p lang=\"en-GB\"><span lang=\"fr-CH\"> \u00c9tienne Balibar:<\/span><span lang=\"fr-CH\"> Gilets jaunes: le sens du face \u00e0 face, <\/span><span lang=\"fr-CH\">unter<\/span><span lang=\"fr-CH\">: <\/span><a href=\"https:\/\/blogs.mediapart.fr\/ebalibar\/blog\/131218\/gilets-jaunes-le-sens-du-face-face?fbclid=IwAR2m9192yLmj7z5aFXP0vx_IKnrJRwHunr3YcOkkdSQNl2SlDdYafirybE4\"><span lang=\"fr-CH\">https:\/\/blogs.mediapart.fr\/ebalibar\/blog\/131218\/gilets-jaunes-le-sens-du-face-face?fbclid=IwAR2m9192yLmj7z5aFXP0vx_IKnrJRwHunr3YcOkkdSQNl2SlDdYafirybE4<\/span><\/a><\/p>\n<p lang=\"en-GB\">bzw. auf Englisch: \u00c9tienne Balibar: \u203aGilets jaunes\u2039: the meaning of the confrontation, unter: <a href=\"https:\/\/www.versobooks.com\/blogs\/4191-gilets-jaunes-the-meaning-of-the-confrontation\">https:\/\/www.versobooks.com\/blogs\/4191-gilets-jaunes-the-meaning-of-the-confrontation<\/a><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote2\">\n<p lang=\"en-GB\"><a href=\"#sdfootnote2anc\" name=\"sdfootnote2sym\">2<\/a>\u00a0<span lang=\"de-DE\">Dieser <\/span><em><span lang=\"de-DE\">Grand D\u00e9bat<\/span><\/em><span lang=\"de-DE\"> bestand darin, dass Macron \u00fcber mehrere Wochen an verschiedenen Orten in Frankreich ins Fernsehen \u00fcbertragene Diskussionsrunden mit ausgew\u00e4hlten Personen \u00fcber von der Regierung vorgegebene Themen f\u00fchrte.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote3\">\n<p lang=\"en-GB\"><a href=\"#sdfootnote3anc\" name=\"sdfootnote3sym\">3<\/a>\u00a0<span lang=\"de-DE\">Eine sehr interessante Wiedergabe der Selbstwahrnehmung vieler Gilets Jaunes findet sich in diesen beiden Interviews mit einem Soziologen, der die Bewegung von B<\/span><span lang=\"de-DE\">eginn an verfolgt hat:<\/span><\/p>\n<p lang=\"en-GB\"><span lang=\"fr-CH\">Michalis Lianos: <\/span><span lang=\"fr-CH\">Une politique exp\u00e9rientielle \u2013 Les gilets jaunes en tant que \u00bbpeuple\u00ab, <\/span><span lang=\"fr-CH\">unter<\/span><span lang=\"fr-CH\">: <\/span><a href=\"https:\/\/lundi.am\/Une-politique-experientielle-Les-gilets-jaunes-en-tant-que-peuple\"><span lang=\"fr-CH\">https:\/\/lundi.am\/Une-politique-experientielle-Les-gilets-jaunes-en-tant-que-peuple<\/span><\/a><\/p>\n<p lang=\"en-GB\"><span lang=\"fr-CH\"> Michalis Lianos: <\/span><span lang=\"fr-CH\">Une politique exp\u00e9rientielle (II) \u2013 Les gilets jaunes en tant que \u00bbpeuple\u00ab pensant, <\/span><span lang=\"fr-CH\">unter<\/span><span lang=\"fr-CH\">:<\/span> <a href=\"https:\/\/lundi.am\/UNE-POLITIQUE-EXPERIENTIELLE-II-Les-gilets-jaunes-en-tant-que-peuple-pensant\"><span lang=\"fr-CH\">https:\/\/lundi.am\/UNE-POLITIQUE-EXPERIENTIELLE-II-Les-gilets-jaunes-en-tant-que-peuple-pensant<\/span><\/a><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote4\">\n<p lang=\"en-GB\"><a href=\"#sdfootnote4anc\" name=\"sdfootnote4sym\">4<\/a>\u00a0<span lang=\"de-DE\">Es muss jedoch differenziert werden zwischen einer recht klaren Ablehnung von Rassismus und einer teilweise mangelnden Sensibilit\u00e4t gegen\u00fcber Antisemitismus. Letzterer ist tats\u00e4chlich ein Problem, man finde<\/span><span lang=\"de-DE\">t beispielsweise nicht wenige eindeutig antisemitische Memes im Sinne von <\/span><span lang=\"de\">\u203a<\/span><span lang=\"de-DE\">Macron Rothschild<\/span><span lang=\"de\">\u2039<\/span><span lang=\"de-DE\"> auf Gilet Jaune-Accounts. Gleichzeitig werden solche meistens direkt von anderen Gilets Jaunes kritisiert. Und es muss ebenso dazu gesagt werden, dass auch in linken Kreisen in Frankreich die Tendenz zum Antisemitismus ein enormes Problem ist. Der Antizionismus ist derma\u00dfen stark, dass die Differenzierung zum Antisemitismus viel zu h\u00e4ufig verschwimmt und Personen in wirklich eklatanten Antisemitismus rutschen. Es w\u00e4re also zu kurz gegriffen, dieses Problem auf die Gilets Jaunes zu reduzieren \u2013 es ist in Frankreich omnipr\u00e4sent. <\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote5\">\n<p lang=\"en-GB\"><a href=\"#sdfootnote5anc\" name=\"sdfootnote5sym\">5<\/a>\u00a0<span lang=\"fr-CH\">Vgl.<\/span><span lang=\"fr-CH\"> Joshua Clover: <\/span><span lang=\"fr-CH\">Les \u00e9meutes des ronds-points, <\/span><span lang=\"fr-CH\">unter<\/span><span lang=\"fr-CH\">: <\/span><a href=\"https:\/\/agitationautonome.com\/2018\/12\/11\/les-emeutes-des-ronds-points\/?fbclid=IwAR0s7bOFXhmwpj1bnZpmFxMI2e3OVNqT6VRAAXXu4wXx-d5Pt6504ryHGho\"><span lang=\"fr-CH\">https:\/\/agitationautonome.com\/2018\/12\/11\/les-emeutes-des-ronds-points\/?fbclid=IwAR0s7bOFXhmwpj1bnZpmFxMI2e3OVNqT6VRAAXXu4wXx-d5Pt6504ryHGho<\/span><\/a><\/p>\n<p lang=\"en-GB\">bzw. auf Englisch: Joshua Clover: The roundabout riots, unter: <a href=\"https:\/\/www.focaalblog.com\/2018\/12\/14\/joshua-clover-the-roundabout-riots\/\">https:\/\/www.focaalblog.com\/2018\/12\/14\/joshua-clover-the-roundabout-riots\/<\/a><\/p>\n<p lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">und auf Deutsch: Joshua Clover: <\/span><span lang=\"de-DE\">Der Brotaufstand ist zur\u00fcck, <\/span><span lang=\"de-DE\">unter<\/span><span lang=\"de-DE\">:<\/span> <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/der-freitag\/der-brotaufstand-ist-zurueck\"><span lang=\"de-DE\">https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/der-freitag\/der-brotaufstand-ist-zurueck<\/span><\/a><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote6\">\n<p lang=\"en-GB\"><a href=\"#sdfootnote6anc\" name=\"sdfootnote6sym\">6<\/a>\u00a0<span lang=\"de-DE\">Vgl.<\/span><span lang=\"de-DE\"> insbesondere auch bez\u00fcglich problematischer Aspekte des Referendums und der Tatsache, dass auch die Rechte das RIC verteidigt: Samuel Hayat: <\/span><span lang=\"de-DE\">Les Gilets jaunes et la question d\u00e9mocratique, <\/span><span lang=\"de-DE\">unter<\/span><span lang=\"de-DE\">: <\/span><a href=\"https:\/\/samuelhayat.wordpress.com\/2018\/12\/24\/les-gilets-jaunes-et-la-question-democratique\/#_ftnref12\"><span lang=\"de-DE\">https:\/\/samuelhayat.wordpress.com\/2018\/12\/24\/les-gilets-jaunes-et-la-question-democratique\/#_ftnref12<\/span><\/a><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote7\">\n<p lang=\"en-GB\"><a href=\"#sdfootnote7anc\" name=\"sdfootnote7sym\">7<\/a>\u00a0<span lang=\"de-CH\">F\u00fcr einen umfangreicheren Forderungskatalog, bei dem zudem sichtbar wird, dass aus den Vorstellungen der Gilets Jaunes ein sozialer Geist, eine linke Agenda spricht, siehe: <\/span><a href=\"https:\/\/www.nouvelobs.com\/politique\/20181129.OBS6307\/gilets-jaunes-on-a-decortique-chacune-des-42-revendications-du-mouvement.html\"><span lang=\"de-CH\">https:\/\/www.nouvelobs.com\/politique\/20181129.OBS6307\/gilets-jaunes-on-a-decortique-chacune-des-42-revendications-du-mouvement.html<\/span><\/a><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote8\">\n<p lang=\"de-CH\"><a href=\"#sdfootnote8anc\" name=\"sdfootnote8sym\">8<\/a> Vielen Dank an Charlotte Cremer f\u00fcr diese wunderbare Wendung.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Nora Hillermann Hinter dem heterogenen und zun\u00e4chst verd\u00e4chtig uneindeutigen Aufstand der Gilets Jaunes in Frankreich verbergen sich emanzipative Potentiale, die es zu entdecken und an die es anzukn\u00fcpfen gilt.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-239","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/239","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=239"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/239\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":240,"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/239\/revisions\/240"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=239"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=239"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=239"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}