{"id":1261,"date":"2024-07-22T11:52:46","date_gmt":"2024-07-22T09:52:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/?p=1261"},"modified":"2024-07-22T11:52:47","modified_gmt":"2024-07-22T09:52:47","slug":"rassismus-und-kapitalinteressen-huch-97","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/2024\/07\/rassismus-und-kapitalinteressen-huch-97\/","title":{"rendered":"Rassismus und Kapitalinteressen &#8211; HUch #97"},"content":{"rendered":"\n<p>| Bar\u0131\u015f Yazarsu |  <\/p>\n\n\n\n<p><em>Um zu verstehen, wie Rassismus in unserer Gesellschaft funktioniert, ist eine Analyse der kapitalistischen Verh\u00e4ltnisse unerl\u00e4sslich. Dabei kann es im Kampf gegen Rassismus nicht bei einem alleinig identit\u00e4tspolitischen Kurs in der Linken bleiben: Es braucht einen konsequenten, marxistischen Antirassismus.<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Rassismus ist fester Bestandteil der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft und kann als struktureller Teil ihres \u00f6konomischen Systems beschrieben werden.  So ist zum Beispiel heute viel die Rede vom faulen und b\u00f6sen Migranten, der die L\u00f6hne in den Keller treibt, die Sozialkassen pl\u00fcndert und die Arbeitspl\u00e4tze wegnimmt, sowie von der M\u00e4r&nbsp; der \u201eIslamisierung\u201c und \u201eder Umvolkung durch das Merkelregime im Auftrag von Soros\u201c &#8211; Eine&nbsp; Verschw\u00f6rungstheorie, die seit 2015 von der Rechten propagiert wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Rassismus ist in allen b\u00fcrgerlichen Staaten und in all seinen Institutionen fest verankert als eine der S\u00e4ulen der Macht. Er gibt dem ausgebeuteten Menschen das Gef\u00fchl, etwas Besseres zu sein &#8211; und der herrschenden Klasse einen S\u00fcndenbock. Er ist der S\u00fcndenbock f\u00fcr die Entfremdung und Ausbeutung der Menschen. Zugleich beraubt er die arbeitende Klasse um ihre revolution\u00e4re Kraft. Die Faschisten im Dritten Reich konnten so zum Beispiel die K\u00f6pfe der Menschen mit dem M\u00e4rchen vom \u201eslawischen Untermenschen\u201c vergiften, oder mit dem M\u00e4r vom \u201eehrenvollen arischen Kapitalisten\u201c, der gegen das \u201eb\u00f6se Finanzjudentum\u201c k\u00e4mpft. Wie der Antisemitismus ist er eine Ideologie, die die herrschende Klasse st\u00fctzt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Huch-97-Fotografien13.1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1270\" width=\"254\" height=\"378\" srcset=\"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Huch-97-Fotografien13.1.jpg 1015w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Huch-97-Fotografien13.1-201x300.jpg 201w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Huch-97-Fotografien13.1-687x1024.jpg 687w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Huch-97-Fotografien13.1-768x1144.jpg 768w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Huch-97-Fotografien13.1-16x24.jpg 16w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Huch-97-Fotografien13.1-24x36.jpg 24w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Huch-97-Fotografien13.1-32x48.jpg 32w\" sizes=\"auto, (max-width: 254px) 100vw, 254px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Foto: Maximilian Schaaf<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Die Geschichte des Rassismus \u2013 der \u00f6konomische Zusammenhang<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Frei nach Marx gilt es wie so oft festzustellen: Die Geschichte der Menschheit ist die Geschichte des Klassenkampfs. Das bedeutet, dass die gesellschaftlichen Widerspr\u00fcche, denen wir uns ausgesetzt sehen, durch den Klassenantagonismus, also vom Interessengegensatz zwischen herrschender Klasse und unterdr\u00fcckter Klasse, ma\u00dfgeblich bestimmt werden. Dass der Klassengegensatz in der b\u00fcrgerlichen, also kapitalistischen Gesellschaft eine extrem rassistische Komponente hat, ist kein Zufall, sondern eine Notwendigkeit, um das kapitalistische System zu stabilisieren. Die rassistischen Unterteilungen, die wir in unserer heutigen Gesellschaft kennen, sind explizit ein Charakteristikum des Kapitalismus und erst mit ihm entstanden.<\/p>\n\n\n\n<p>In antiken wie feudalen Gesellschaften existierte Rassismus als Weltanschauung nicht. So war es im antiken Rom absolut normal, dass die Mitglieder unterworfener Kulturen, ungeachtet ihrer ethnischen Herkunft, in die r\u00f6mische Gesellschaft integriert wurden und mit dem Erwerb des B\u00fcrgerrechts auch hohe Machtpositionen erreichen konnten. Auch das \u00c4gypten der Bronzezeit integrierte die Mitglieder anderer Ethnien nahtlos in ihre Gesellschaft. Selbst der Posten des Pharaos war davon nicht ausgenommen. Im Feudalismus war lediglich die Religionszugeh\u00f6rigkeit und die K\u00f6nigstreue bzw. die Treue gegen\u00fcber dem Lehnsherren relevant.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Aufkommen des B\u00fcrgertums und dem langsamen Absterben des Feudalismus enstand auch der Rassismus. Es ist kein Zufall, dass mit dem Aufstieg des britischen Imperiums und der Kolonialisierung der heutigen USA auch die Sklaverei begann: Es ben\u00f6tigte eine ideologische Grundlage, mit der Kolonialisierung, Kriege, Ausbeutung und Gewalt rechtfertigt werden konnten. Das Christentum verbot schlie\u00dflich die Versklavung von Christ_innen und forderte die menschliche Behandlung von nicht-christlichen Sklav_innen (die de facto im Feudalismus nicht existent waren). Dar\u00fcber hinaus war die Bekehrung nicht-christlicher Sklaven verpflichtend. Dies hatte nat\u00fcrlich zur Folge, dass man die versklavte Person mit dem \u00dcbertritt zum Christentum freilassen musste, was aus kapitalistischer Sicht ein nicht tragbarer finanzieller Schaden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinzu kam ein weiteres moralisches Dilemma. \u00dcberall siegten die b\u00fcrgerlichen Revolutionen, der Feudalismus in seiner absolutistischen Form war nahezu besiegt, und es&nbsp; wehte das Motto der Revolutionen (\u201eFreiheit, Br\u00fcderlichkeit, Gleichheit\u201c) von den D\u00e4chern. Nun war das B\u00fcrgertum von der unterdr\u00fcckten Klasse zur herrschenden Klasse geworden und hatte sich mit den \u00dcberresten des Feudalismus verb\u00fcndet. Wie sollte man also trotz der Ideale der Aufkl\u00e4rung und des Humanismus all diese Grausamkeiten und die Ausbeutung rechtfertigen?<\/p>\n\n\n\n<p>Es bedurfte also einer neuen Ideologie, die Menschen anderer Ethnien nicht nur entmenschlicht, sondern sie nicht einmal mehr als Mensch wahrnimmt. Mit dieser ideologischen Basis schafften es die aufstrebenden nationalen Bourgeoisien (die jeweiligen nationalen herrschenden Klassen), allen voran die britische, ihre brutalen Raubz\u00fcge durch die gesamte Welt und ihren Rassismus als \u201eAkt der Menschlichkeit\u201c zu verkaufen. Den angeblichen \u201ewilden, unzivilisierten Untermenschen\u201c wurde damit die wei\u00dfe und vermeintlich \u00fcberlegene Zivilisation gebracht. Marx stellte fest, dass die Sklaverei auf dem amerikanischen Kontinent sogar als das wesentliche Element der urspr\u00fcnglichen Akkumulation des Kapitals zu werten ist, also als die (gewaltsame) Losl\u00f6sung des Produzierenden von seinen Produktionsmitteln. Er legte zudem dar, dass es die Sklaven waren, die den Kolonien \u00fcberhaupt ihren Wert in der Form gaben. Ihre Arbeit auf den Plantagen und in den Minen Amerikas und das Ausbluten der anderen Kolonien war die \u00f6konomische Grundlage f\u00fcr die Industrialisierung Europas war, da die Ressourcen, die f\u00fcr die Industrialisierung sowie die Fertigungsprozesse n\u00f6tig waren, aus den Kolonien kamen. Sklaverei und Rassismus erm\u00f6glichten dem Kapitalismus \u00fcberhaupt erst seinen ausbeuterischen Siegeszug.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine \u00e4hnliche Situation erleben wir heute: Der westliche Imperialismus zwingt die ressourcenreichen L\u00e4nder, ihre Ressourcen zu Spottpreisen an die Konzerne zu verkaufen. Wenn sich eine Regierung dem verweigert oder es wagt, die f\u00fcr die Kapitalisten relevanten Ressourcenvorkommen zu verstaatlichen, wird sie entweder unter einen beliebigen Vorwand angegriffen, oder es wird ein rechter Putsch inszeniert. Daraufhin installiert man ein Marionettenregime, das die politischen Interessen der imperialistischen M\u00e4chte durchsetzt. Sie wird zu einer Art der modernen Kompradorenbourgeoisie. Diese ist eine Form der Bourgeoisie, deren Aufgabe es ist, die immer rassistisch gepr\u00e4gte koloniale Ausbeutung im Inneren sicherzustellen. Als Lohn darf sie sich an der Ausbeutung bereichern. Durch sie findet lediglich eine Akkumulation von Reichtum, nicht aber von Macht und Produktionsmitteln statt, da sie sonst in direkte Konkurrenz mit den imperialistischen Bourgeoisien treten w\u00fcrde. Auch heute bilden die Sklaverei oder Ausbeutungsverh\u00e4ltnisse, die an Sklaverei grenzen, die \u00f6konomische Grundlage des kapitalistischen Systems. Aktuell gibt es 50 Millionen Menschen, die man im Wortsinne als Sklaven bezeichnen kann. Letzteres ist etwas schwerer zu erfassen. Als Richtwert f\u00fcr massive und sklaverei\u00e4hnliche Ausbeutung kann man sich aber die globalen Armutszahlen anschauen und die L\u00e4nder, die am schlimmsten betroffen sind. Insgesamt leben 3,4 Milliarden Menschen von unter 5,50 $ am Tag. Von diesen 3,4 Milliarden Menschen leben wiederum 736 Millionen Menschen von unter 1,90 $ pro Tag (Stand 2015). Die L\u00e4nder, die heute noch von massiver Armut gebeutelt sind, sind jene L\u00e4nder, die damals schon kolonialisiert wurden und heute noch durch wirtschaftlichen und milit\u00e4rischen Druck der ehemaligen Kolonialm\u00e4chte in Abh\u00e4ngigkeit gehalten werden. Am schlimmsten betroffen ist der afrikanische Kontinent. Dort liegt die Armutsquote bei fast allen L\u00e4ndern \u00fcber 80% und unter diesen wiederum, bei erschreckend vielen, bei einer Quote von \u00fcber 90%.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ignorieren oder Degradierung der Klassenfrage<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Identit\u00e4tspolitische Rassismuskritik, die behauptet, dass die Klassenzugeh\u00f6rigkeit eines Menschen geringe oder keine Relevanz f\u00fcr seinen gesellschaftlichen Werdegang hat, bietet dabei keine Antwort auf gesellschaftliche Probleme. Sie degradiert den Antagonismus zwischen den Klassen als Hauptfaktor, spielt also seine Wichtigkeit herunter oder negiert diesen komplett. Dazu betrachtet sie Diskriminierungsformen wie Rassismus, Antisemitismus, Frauenfeindlichkeit, Sexismus, Homo- und Transfeindlichkeit losgel\u00f6st vom gesamtgesellschaftlichen Kontext und als isolierte Ph\u00e4nomene: So wollen oder k\u00f6nnen sie keinen Zusammenhang zum herrschenden System herstellen. Daraus resultiert, dass der Kapitalismus als Ursache f\u00fcr diese Diskriminierungen nicht mehr wahrgenommen wird und es lediglich diese \u201eisolierten Ph\u00e4nomene\u201c zu bek\u00e4mpfen gilt. Und schon w\u00fcrden wir in einer gerechten Gesellschaft leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir stellen also fest: Es w\u00fcrde nach wie vor eine ungerechte Gesellschaft bleiben, in der der Mensch nach wie vor auf den Wert, den er f\u00fcr die herrschende Klasse hat, reduziert wird, nur eben ohne kulturelle Identifikationsmerkmale. Dies ist auch der Grund, warum solche Identit\u00e4tspolitik auf nahezu keinen Widerstand aus der Wirtschaft st\u00f6\u00dft und politisch lediglich auf Widerstand aus dem konservativen und rechts(-radikalen) Lager trifft. Sie ist unmarxistisch und stellt keine Bedrohung f\u00fcr die gesellschaftlichen Bedingungen dar. W\u00e4hrend die Rechten und Konservativen diesen Weg aufgrund ihres Herrenmenschengehabes ablehnen, und eher auf faschistische Hetze und die rohe Gewalt der Staatsmacht vertrauen, haben die Liberalen die zersetzende Kraft der Identit\u00e4tspolitik erkannt. Mit ihr kann man wunderbar Appeasementpolitik, also Beschwichtigungspolitik, betreiben. Man macht den Menschen kleine Zugest\u00e4ndnisse, die nichts an den Strukturen \u00e4ndern und deren antidiskriminierender Wert rein plakativ ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die<\/strong> <strong>Zementierung des Grabes im Sinne der bestehenden Verh\u00e4ltnisse<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es wird kaum dar\u00fcber geredet, was linksliberale Identit\u00e4tspolitik im Grunde eigentlich aussagt: n\u00e4mlich, dass die ethnische, kulturelle und\/oder religi\u00f6se Identit\u00e4t das Wichtigste sei. Und hier sollte man hellh\u00f6rig werden. Denn es handelt sich hierbei um ideologische Ans\u00e4tze, die man aus dem rassistischen und faschistischen Milieu kennt. Und das ist kein Zufall. Da reine Identit\u00e4tspolitik nicht in der Lage ist, die gesellschaftlichen Widerspr\u00fcche zu l\u00f6sen, ist sie umso mehr daf\u00fcr geeignet, alte Gr\u00e4ben zu zementieren und neue zu graben. Das wird von politischem Akteur_innen genutzt: Die Menschen werden von diesen Leuten aktiv weg vom Klassenkampf gef\u00fchrt und ihnen wird eingeredet, sich mit denen zusammenzutun, zu denen sie \u201enaturgem\u00e4\u00df\u201c geh\u00f6ren w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier darf nat\u00fcrlich nicht vergessen werden, dass die Bewahrung der eigenen Kulturen gegen die Zerst\u00f6rung durch Assimilation oder profitbedingte Aneignung durch den Kapitalismus keine Form der \u201eZementierung des Grabens\u201c ist. Insgesamt kann man sich lediglich zwei Sachen der Identit\u00e4tspolitik zu Nutze machen, wenn man dies denn richtig tut: Zum Einen gilt das f\u00fcr die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Stellung sowie mit der Stellung unterdr\u00fcckter Gruppen in der Gesellschaft und was dies bedingt. Zum anderen profitieren wir von der st\u00e4ndigen und aktiven Auseinandersetzung mit den eigenen &#8222;-Ismen&#8220;, die uns von der Gesellschaft aufoktroyiert wurden und die es zu bek\u00e4mpfen gilt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Privileg oder Unterdr\u00fcckung \u2013 Wie falsche Begriffe ein falsches Bild suggerieren<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Nutzung des Begriffes \u201ePrivileg\u201c, um auf rassistische Unterdr\u00fcckung hinzuweisen, ist in doppelter Hinsicht irref\u00fchrend. Dass PoC in der Gesellschaft Rassismus erfahren, indem sie von der Polizei drangsaliert werden, oder, dass sie auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt schlechtere Chancen haben, ist kein versagtes Privileg. Die gesellschaftliche Behandlung, die wei\u00dfe Menschen &#8211; oder besser gesagt, wei\u00dfe cis M\u00e4nner &#8211; erfahren, obwohl sie nach identit\u00e4tspolitischer Logik den gesellschaftlichen Jackpot gezogen haben, ist das eigentliche gesellschaftliche Soll. Das bedeutet, dass wir die fehlende Erfahrung von rassistischer Gewalt nicht als Privilegien bezeichnen, sondern als aktive Unterdr\u00fcckung benennen sollten. Denn wir reden hier von einem gesellschaftlichen Recht, das vermeintlich f\u00fcr alle gelten soll. Somit wird kein Privileg verwehrt, sondern gewaltsam unterdr\u00fcckt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der zweite Punkt ist, dass das Wort \u201ePrivileg\u201c suggeriert, wei\u00dfe Arbeiter_innen w\u00fcrden eigentlich von rassistischer Unterdr\u00fcckung profitieren. Doch es wird nicht nur suggeriert, es wird von den Verteidiger_innen der Identit\u00e4tspolitik sogar behauptet, dass alle Wei\u00dfen vom Rassismus profitieren w\u00fcrden. Der Rassismus der Gesellschaft sorgt jedoch nicht daf\u00fcr, dass alle wei\u00dfen Arbeiter_innen besser bezahlt werden oder andere wirtschaftliche Vorteile genie\u00dfen. Ganz im Gegenteil: Durch die rassistische Politik des Staates und die rassistische Struktur der Gesellschaft k\u00f6nnen Kapitalist_innen Lohndumping betreiben und die Schuld daf\u00fcr sogar noch auf Migrant_innen abw\u00e4lzen. Dass wei\u00dfe Arbeiter_innen angeblich besser bezahlt werden, weil PoC schlechter verdienen, ist ein Fehlschluss, der sich aus dem ersten Punkt herleitet. Zu kritisieren ist nicht, dass Wei\u00dfe \u201efairer\u201c ausgebeutet werden, sondern Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung an sich. Kapitalist_innen k\u00f6nnen hier den Rassismus noch vielf\u00e4ltiger nutzen, um einen Keil in die Bev\u00f6lkerung zu treiben. Dabei ist es der Rassismus, der die Emanzipation der arbeitenden Klasse \u00fcberhaupt erst verhindert. Er beraubt sie ihrer Solidarit\u00e4t und hetzt sie gegeneinander auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Folgt man weiter der identit\u00e4tspolitischen Logik, w\u00e4ren Personen des \u00f6ffentlichen Lebens wie Oprah Winfrey, die ihr eigenes b\u00fcrgerliches Propagandaimperium aufgebaut hat, oder Beyonc\u00e9, die rund um den Globus tausende Menschen unter sklaverei\u00e4hnlichen Bedingungen f\u00fcr sich arbeiten l\u00e4sst, in der Unterdr\u00fcckungspyramide auf derselben Stufe wie die N\u00e4her_innen und Arbeiter_innen in ihren Sweatshops. Auch hier muss wieder einmal klar und deutlich gesagt werden: Der Hauptwiderspruch liegt in den Besitzverh\u00e4ltnissen. Die gesellschaftliche Trennlinie verl\u00e4uft zwischen Oben und Unten. Und alle, die diese Tatsache verwischen oder negieren, dienen dem Machterhalt der herrschenden Klassen, nicht der Vereinigung der arbeitenden Klasse. Genau diesen Schritt sollten sie jedoch nicht f\u00fcrchten, denn sie &#8222;[&#8230;] haben nichts zu verlieren au\u00dfer ihre Ketten.&#8220;<sup>1<\/sup>Nein, &#8222;[s]ie haben eine Welt zu gewinnen.&#8220;<sup>2<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p><sup>1<\/sup> S. 77, Karl Marx, Friedrich Engels: \u201eManifest der kommunistischen Partei\u201c, Druck und Verlag in der VR China, 1965<\/p>\n\n\n\n<p><sup>2<\/sup> Ebd.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>| Bar\u0131\u015f Yazarsu | Um zu verstehen, wie Rassismus in unserer Gesellschaft funktioniert, ist eine Analyse der kapitalistischen Verh\u00e4ltnisse unerl\u00e4sslich. 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