{"id":1257,"date":"2024-07-05T18:07:53","date_gmt":"2024-07-05T16:07:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/?p=1257"},"modified":"2024-07-05T18:07:53","modified_gmt":"2024-07-05T16:07:53","slug":"publishing-is-cancelled-huch-97","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/2024\/07\/publishing-is-cancelled-huch-97\/","title":{"rendered":"Publishing is cancelled &#8211; HUch #97"},"content":{"rendered":"\n<p>| Ronja Arndt | <\/p>\n\n\n\n<p><em>Mit ihrem neusten Buch liefert Rebecca Kuang einen gewohnt geistreichen Roman ab. Im Gegensatz zu ihren vorherigen Werken werden Lesende jedoch nicht in eine magische Welt gezogen, sondern bekommen Einblicke in die Probleme der Verlagswelt \u2013 besonders in Hinblick auf Rassismus.<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Identit\u00e4tspolitik, Cancel Culture, Cultural Appropration \u2013 diese Schlagw\u00f6rter kursieren in den letzten Jahren immer h\u00e4ufiger durch soziale wie andere Medien. W\u00e4hrend Rechte emp\u00f6rt aufschreien, werden die Konzepte in linken Kreisen heftig diskutiert. Diese Diskurse bleiben nicht nur auf Instagram, X (ehemals Twitter) und anderen Plattformen, sondern finden auch ihren Weg in die Popkultur.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Huch-97-Fotografien29.1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1272\" width=\"286\" height=\"251\" srcset=\"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Huch-97-Fotografien29.1.jpg 1010w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Huch-97-Fotografien29.1-300x263.jpg 300w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Huch-97-Fotografien29.1-768x674.jpg 768w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Huch-97-Fotografien29.1-24x21.jpg 24w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Huch-97-Fotografien29.1-36x32.jpg 36w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Huch-97-Fotografien29.1-48x42.jpg 48w\" sizes=\"auto, (max-width: 286px) 100vw, 286px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Foto: Maximilian Schaaf<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Der 2023 erschienene Roman \u201eYellowface\u201c stellt sich den besagten Themen im Bereich der Literatur sowie des zugeh\u00f6rigen Literaturmarkts zwischen Schreibenden, Fans, Kritiker_innen und Verlagen. Bei einem n\u00e4heren Blick auf das Buch zeigt sich eine nicht undifferenzierte Analyse gesellschaftlicher Verh\u00e4ltnisse bez\u00fcglich Rassismus und Kapitalismus. Mit \u201eYellowface\u201c wagt die Autorin Rebecca Kuang den Sprung in ein neues Genre. W\u00e4hrend ihre Romane bislang im Bereich der Fantasy angesiedelt und von Magie befl\u00fcgelt wurden, so handelt es sich bei dem Werk um eine ganz und gar in der realen Welt angesetzte Satire.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Plot ist auf den ersten Blick relativ simpel: June, <em>wei\u00df<\/em> und wenig erfolgreich mit ihren Versuchen als Autorin erfolgreich zu sein, steht seit ihrer gemeinsamen Zeit am College in Kontakt mit ihrer dort gefundenen \u201a<em>frenemy\u2018<\/em><sup>1<\/sup>. Athena,&nbsp; als asiatisch-amerikanische Schriftstellerin mehr als erfolgreich, l\u00e4dt June nach einigen Cocktails zu sich ein \u2013 und verstirbt \u00fcberraschend. June stiehlt kurzerhand das nahezu fertige Manuskript, das Athena ihr noch kurz vor ihrem \u00fcberraschenden Tod zeigte und beginnt, es fertigzustellen. Es kommt zum sehnlichst erwarteten Durchbruch, zusammit mit einer Lawine an Ereignissen. June muss sich nun zurechtfinden in verschiedenen Diversity-Programmen der Verlagswelt, sieht sich dem Vorwurf der Cultural Appropration ausgesetzt und muss damit umgehen lernen, was es bedeutet, als Person des \u00f6ffentlichen Lebens \u201agecancelt\u2018 zu werden. Mit bissigem Humor und rasantem Erz\u00e4hltempo werden aktuelle politische Fragen gestellt und verhandelt. Darf eine <em>wei\u00dfe<\/em> Frau \u00fcber nicht-<em>wei\u00dfe<\/em> Charaktere schreiben? Wo liegt das Interesse von Verlagen tats\u00e4chlich, wenn es um Diversity geht? Handelt es sich bei \u201aCancel Culture\u2018 und Identit\u00e4tspolitik tats\u00e4chlich um emanzipatorische Politiken?<\/p>\n\n\n\n<p>Wer sich bereits ein wenig mit Kuang als Person und ihren bereits erschienen B\u00fcchern, n\u00e4mlich der \u201ePoppy-War\u201c-Triologie sowie \u201eBabel\u201c, besch\u00e4ftigt hat, ist geneigt, eine linke Analyse der genannten Thematiken zu erwarten \u2013 und liegt damit keineswegs falsch. Kuang ist nicht nur daf\u00fcr bekannt, dichte Theoriearbeit anhand von Theoretiker_innen wie Frantz Fanon, Edward Said oder auch Cedric J. Robinson im Hintergrund ihrer Romane zu verhandeln, sie engagiert sich auch&nbsp; abseits ihres Schreibens politisch. So unterst\u00fctzte sie im vergangenen Jahr etwa die Streikenden HarperCollins, also des Verlagshaus, in welchem bislang ihre eigenen B\u00fccher erschienen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies zeigt sich auch an verschiedenen Stellen in \u201eYellowface\u201c, von denen einige exemplarisch hervorzuheben sind: Begonnen werden kann hierbei mit einer der offensichtlichsten, n\u00e4mlich Junes Identit\u00e4t als <em>wei\u00dfe<\/em> Frau und der daraus resultierenden Darstellung ihrer selbst als Opfer der Umst\u00e4nde. W\u00e4hrend im <em>wei\u00df<\/em> gepr\u00e4gten, liberalen bzw. westlichen Feminismus <em>wei\u00dfe<\/em> Frauen sich seit jeher gerne als die am st\u00e4rksten betroffenen Opfer des Patriarchats darstellen, l\u00e4sst diese radikale Interpretation ihrer gesellschaftlichen Stellung oft nicht zu, dass sie zugleich auch als T\u00e4terinnen in Frage kommen. Ebenso verh\u00e4lt sich June, wobei anhand ihres Charakters deutlich wird, dass eine Identit\u00e4t als (<em>wei\u00dfe<\/em>) Frau keineswegs ausschlie\u00dft, dass sie eben nicht auch T\u00e4terin sein kann \u2013 was sich bereits zu Beginn der Handlung zeigt, als sie das Manuskript Athenas\u2018 stiehlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus l\u00e4sst sich an June (trotz ihrer nur bedingten Verl\u00e4sslichkeit als Erz\u00e4hlerin), ein weiterer Kritikpunkt Kuangs finden. Dieser wiederum bezieht sich auf den Umgang von Verlagsh\u00e4usern mit Diversity als Verkaufsstrategie. So wird im Laufe des Romans deutlich, dass das Team, welches Junes Buch in dem Prozess der Ver\u00f6ffentlichung betreut, <em>race<\/em> als verkaufsf\u00f6rdernden Faktor nutzen will. Dabei geht es selbstredend lediglich um Profit, und keinesfalls darum, f\u00fcr tats\u00e4chliche Sichtbarkeit zu sorgen. So ist dem Verlag klar, dass es sich bei June sicherlich nicht um eine von (anti-asiatischem) Rassismus betroffene Person handelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Kuangs \u00fcberspitzte Darstellung der fiktiven Ereignisse hat dabei einen realen Hintergrund. Eine 2022 ver\u00f6ffentlichte Studie (entstanden in dem Zeitraum, in welchem auch \u201eYellowface\u201c geschrieben wurde), besch\u00e4ftigt sich mit <em>race<\/em> als Faktor in der Verlagsindustrie. Die Ergebnisse sind leider \u2013 erwartenswerterweise \u2013 ern\u00fcchternd.&nbsp; Die Forderungen nach mehr sozialer Gerechtigkeit und gegen Rassismus, die 2020 w\u00e4hrend der Black-Lives-Matter-Proteste auch an Verlage richteten, haben lediglich zu mehr Diversity-Konzepten als Form von Marketingstrategie gef\u00fchrt. Die in Gro\u00dfbritannien gefundenen Ergebnisse lassen sich auch mit wenig Vorstellungsverm\u00f6gen auf die USA, wo Kuang arbeitet und ihrer Roman spielt, \u00fcbertragen: \u201eDieser Artikel drehte sich um die Frage: Wie macht die Verlagsbranche&nbsp; Autor_innen of Color? Die kurze Antwort lautet, dass sie f\u00fcr ein <em>wei\u00dfes<\/em> Publikum der Mittelschicht gemacht werden. Die zunehmende wirtschaftliche Bedeutung von Diversity kann zu einigen Chancen f\u00fcr Autor_innen of Color f\u00fchren, aber nur, wenn sie den rassistischen Erwartungen wei\u00dfer Verleger_innen und Einzelh\u00e4ndler_innen entsprechen. Und selbst wenn diese Erwartungen erf\u00fcllt werden, f\u00fchrt dies nicht unbedingt zu wirtschaftlichen Vorteilen. Vielmehr wird dadurch der Lohn f\u00fcr ihre Arbeit verringert [\u00dcbersetzung R.A.].\u201d<sup>2<\/sup> Ebenso verh\u00e4lt es sich in \u201eYellowface\u201d mit dem Buch, das June ver\u00f6ffentlicht \u2013 kein Wunder, dass es sich um einen einschlagenden Erfolg im Mainstream handelt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2259\" height=\"1503\" src=\"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Huch-97-Fotografien28.1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1273\" srcset=\"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Huch-97-Fotografien28.1.jpg 2259w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Huch-97-Fotografien28.1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Huch-97-Fotografien28.1-1024x681.jpg 1024w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Huch-97-Fotografien28.1-768x511.jpg 768w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Huch-97-Fotografien28.1-1536x1022.jpg 1536w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Huch-97-Fotografien28.1-2048x1363.jpg 2048w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Huch-97-Fotografien28.1-24x16.jpg 24w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Huch-97-Fotografien28.1-36x24.jpg 36w, https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Huch-97-Fotografien28.1-48x32.jpg 48w\" sizes=\"auto, (max-width: 706px) 89vw, (max-width: 767px) 82vw, 740px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Foto: Maximlian Schaaf<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Wenden wir uns von June als Protagonistin ab und widmen uns der eigentlichen Autorin Athena. Wenngleich sie bereits zu Beginn des Romans verstirbt, so l\u00e4sst ihr metaphorischer Geist niemanden wirklich ruhen. An dieser Rolle zeigt sich die Sch\u00e4rfe von Kuangs Kritik, die stellenweise vom rasanten Erz\u00e4hltempo verschluckt wird. Zwischen den sich \u00fcberschlagenden Ereignissen und absurden Spitzen ist es stellenweise nicht so einfach, herauszulesen, wer nun auf welche Art kritisiert wird. Umso wichtiger, einen Moment innezuhalten und nach der zweiten Hauptfigur zu fragen. Denn Athena, wie beim sorgf\u00e4ltigen Lesen deutlich wird, war sicherlich keine tragische Heldin. Es wird mit jeder gelesenen Seite deutlicher, dass ihre Figur zugleich eine Kritik an reiner Repr\u00e4sentationspolitik darstellt. Zwar gibt bzw. gab es mit ihr nun eine Schriftstellerin of Color ganz an der Spitze \u2013 das bedeudet(-e) aber weder, dass sie ihre Position genutzt h\u00e4tte, um anderen Schreibenden of Color zu helfen, noch, dass sich dadurch das System ge\u00e4ndert h\u00e4tte. Dies stellt nicht nur eine relevante Kritik Kuangs dar, sondern zeigt auch ihr Talent, komplexe Charaktere zu schaffen. Athena ist kein Token, sondern eine eigene, vielschichtige Pers\u00f6nlichkeit, mit der man gleichzeitig nicht sympathisieren muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben den bereits genannten Punkten muss ein wichtiger Themenkomplex&nbsp; zu \u201eYellowface\u201c noch analysiert werden: n\u00e4mlich die sogenante \u201aCancel Culture\u2018. Immer wieder holt Kuang die nervenaufreibenden Dynamiken sozialer Medien hervor, begonnen bei Doom-Scrolling bishin zur Erfahrung, \u00fcber diverse Plattformen \u201agecancelt\u2018 zu werden. Ohne an dieser Stelle zu viel von der Handlung zu spoilern, zeigt Kuang, dass sie auch hierbei eine differenzierte Position vertritt: \u201aCanceln\u2018, wie es h\u00e4ufig mit Einzelpersonen geschieht, kann eine Strategie zum Mundtot-Machen verschiedener Personen sein. Aber das System \u00e4ndert sich dadurch nicht \u2013 im Zweifelsfall r\u00fcckt lediglich jemand nach, wenn der Call-Out es schafft, die eigenen Echor\u00e4ume zu verlassen. An diesem Punkt kann auch mit der Autorin und Aktivistin adrienne maree brown erg\u00e4nzt werden, dass Diskurse in den sozialen Medien oft dazu verleiten, verschiedene Formen von Diskriminierung, Unterdr\u00fcckung und Gewalt auf die gleiche Ebene zu heben, bei denen eine sorgf\u00e4ltigere Differenzierung notwendig w\u00e4re. Zeitgleich ist die Versuchung gro\u00df, sich von der Dynamik hinrei\u00dfen zu lassen und das s\u00fc\u00dfe Gef\u00fchl, selbst besser als andere zu sein, auszukosten. Dies bedeutet aber nicht, dass ein Call-Out nicht eine wichtige Funktion f\u00fcr soziale Ver\u00e4nderung einnehmen kann \u2013 jedoch ist daf\u00fcr eben die Art und Weise, wie er umgesetzt wird, von gro\u00dfer Bedeutung<sup>3<\/sup>.<\/p>\n\n\n\n<p>Es stellt sich mit \u201eYellowface\u201c die Frage, was denn nun geschehen soll. Die besprochenen Probleme sind offensichtlich: Letztendlich handelt es sich bei der Verlagsindustrie auch nur um einen weiteren Marktzweig des Kapitalismus. Kuang bleibt uns an dieser Stelle Antworten schuldig, und hierin liegt dann doch eine der Schw\u00e4chen des Romans: Es fehlt eine st\u00e4rkere Einbindung in gesamtgesellschaftlichen und damit auch kapitalistischen Verh\u00e4ltnisse. Beispielsweise wird der Faktor der Klasse im Zusammenhang mit Rassismus in dem Roman stark vernachl\u00e4ssigt und stellenweise wirkt es so, als habe Kuang den Roman eher f\u00fcr sich selbst, zur Verarbeitung ihrer eigenen Erfahrungen, als f\u00fcr ein Publikum geschrieben. Lesende m\u00f6gen zur\u00fcckbleiben mit einem interessanten und wichtigen Einblick \u2013 und sich danach allerdings fragen, was denn nun getan werden sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer nach \u201eYellowface\u201c die n\u00e4chsten Schritte gehen will, sollte einen Blick in \u201eViolent Phenomena\u201c werfen. In dieser ebenfalls neuen Publikation aus dem Jahre 2022 werden vielf\u00e4ltige Essays von \u00dcbersetzenden versammelt. Diese besch\u00e4ftigen sich mit Fragen rund um \u00dcbersetzungen, \u00dcbersetzende, Rassismus, aber auch Ableismus und Klasse. Wie bereits in der Einleitung des Sammelbandes festgestellt wird, so handelt es sich auch beim Schaffen von Literatur um (Lohn-)Arbeit, und ist damit in die gesellschaftlichen, kapitalistischen Verh\u00e4ltnisse eingebunden. Infolgedessen geht es also nicht lediglich darum, wer wie repr\u00e4sentiert wird (die Grenzen dessen zeigen sich bei Kuang am Charakter Athena), sondern auch, wie die gesamte Industrie Teil eines gr\u00f6\u00dferen Komplexes ist: n\u00e4mlich eines profitorientierten, marktwirtschaftlichen Systems. Die Herausgebenden ziehen daraus einen treffenden Schluss: \u201cIndividuelle Bem\u00fchungen und Erfahrungen sind zwar wichtig, aber wirkliche Ver\u00e4nderungen, grundlegende Ver\u00e4nderungen, finden auf struktureller Ebene statt, und um diese zu ver\u00e4ndern, m\u00fcssen wir sie zun\u00e4chst klar sehen. Unterdr\u00fcckerische Systeme m\u00fcssen eher abgebaut als verhandelt werden, damit neue M\u00f6glichkeiten entstehen, damit wir uns \u00fcberhaupt etwas anderes vorstellen k\u00f6nnen [\u00dcbersetzung R.A.].\u201d<sup>4<\/sup> In diesem Sinne kann eine literarische Auseinandersetzung, wie Kuang sie bietet, hilfreiche Einblicke und kritische Ans\u00e4tze bieten. Eine \u00c4nderung der gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse erfordert jedoch weitaus mehr, n\u00e4mlich den benannten Wandel der kapitalistischen Verh\u00e4ltnisse.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz dieser Leerstelle in Kuangs Analyse in \u201eYellowface\u201c und den kleineren Kritikpunkten ist festzuhalten, dass Rebecca Kuang erneut ein komplexes, kritisches und gleicherma\u00dfen unterhaltsames Buch geschaffen hat. Mit rasantem Tempo jagen Lesende durch die Verlagswelt, wobei die satirischen Aspekte keineswegs \u00fcber eine Realit\u00e4t, die man sich oftmals nicht mehr ausdenken k\u00f6nnte, hinwegt\u00e4uschen \u2013 sondern sie vielmehr erst wirklich greifbar machen.<\/p>\n\n\n\n<p><sup>1 <\/sup>\u201eEine Person in Ihrem Leben (in der Regel ein Freund eines Freundes oder ein Arbeitskollege), mit der Sie gut auskommen und deren Gesellschaft Sie insgesamt genie\u00dfen, die Sie aber bei jeder Gelegenheit mit meist zweideutigen Komplimenten oder Sticheleien niedermacht. Sie sind immer daf\u00fcr, dass Sie gut sind, aber eben nicht besser als sie. Normalerweise kommt das von einer gewissen Eifersucht auf irgendeinen oder alle Aspekte deines Lebens.\u201c https:\/\/www.urbandictionary.com\/define.php?term=Frenemy<\/p>\n\n\n\n<p><sup>2 <\/sup>Saha, Anamik\/Van Lente (2022): <em>The Limits of Diversity: How Publishing Industries Make Race.<\/em> In: International Journal of Communication 16(2022), 1804\u20131822 .<\/p>\n\n\n\n<p><sup>3 <\/sup>Vgl. brown, adrienne maree (2020): <em>We Will Not Cancel Us. And Other Dreams Of Transformative Justice.<\/em> Chico: ak press.<\/p>\n\n\n\n<p><sup>4<\/sup> Bhanot, Kavite\/ Tiang, Jeremy (2022): <em>Introduction.<\/em> In: Bhanot, Kavite\/ Tiang (Hg.): <em>Violent Phenomena. 21 Essays on Translation.<\/em> Ohne Ort: Tilted Axis Press, S. 7-14.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>| Ronja Arndt | Mit ihrem neusten Buch liefert Rebecca Kuang einen gewohnt geistreichen Roman ab. 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