{"id":1200,"date":"2024-02-09T17:39:31","date_gmt":"2024-02-09T16:39:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/?p=1200"},"modified":"2024-02-09T17:39:32","modified_gmt":"2024-02-09T16:39:32","slug":"vorurteilsfreie-wissenschaft-huch-97","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/2024\/02\/vorurteilsfreie-wissenschaft-huch-97\/","title":{"rendered":"Vorurteilsfreie Wissenschaft? &#8211; HUch #97"},"content":{"rendered":"\n<p>| von Louise Hillermann |<\/p>\n\n\n\n<p><em>Im Zuge der oftmals rassistisch gef\u00fchrten Debatten um Migration und Flucht ist es unerl\u00e4sslich, sich auch Ver\u00f6ffentlichungen von Wissenschaftler*innen kritisch anzunehmen. W\u00e4hrend  Studierende der Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universit\u00e4t versuchen, emanzipatorische Werte hochzuhalten, f\u00e4llt<\/em><em> das Buch eines Dozenten im Kontrast dazu negativ auf.<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Rassismus ist gleichwohl eine evidenzlose Weltanschauung, wie auch eine schmerzhafte Realit\u00e4t, derer wir uns annehmen m\u00fcssen. W\u00e4hrend wir in Mitteleuropa ein fortschrittliches und vermutlich \u00fcberpositives Selbstbild bez\u00fcglich Rassismus haben, bestehen die strukturellen Ungleichheiten in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik weiterhin fort. Besonders das Jahr 2015, in dem Millionen Menschen aus Syrien, Somalia und Afghanistan gezwungen waren, ihre Heimat zu verlassen, nicht zuletzt, weil ihr Leben akut bedroht war, scheint einschneidend, wenn wir uns die Entwicklung rassistischer und insbesondere muslimfeindlicher Debattenf\u00fchrung in Deutschland anschauen. Es muss die essenzielle Frage diskutiert werden, welche Rolle die Wissenschaftsgemeinde hinsichtlich der zunehmend muslimfeindlichen Debattenf\u00fchrung spielt. Wenn Wissenschaft das Kernanliegen hat, der Wahrheit auf den Grund zu gehen, ist dabei auch die Frage, inwiefern Wissenschaft Ungerechtigkeit aufdecken und bis zu welchem Grad sie politisch sein darf. Nichtsdestotrotz sollten folgende Werte gesellschaftlich unbestreitbar sein: Jeder Mensch verdient Sicherheit und Schutz \u2013 also seine basalen, universellen und unbestreitbaren Menschenrechte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ver\u00f6ffentlichung \u201eDie Asyl-Lotterie. Eine Bilanz der Fl\u00fcchtlingspoltik von 2015 bis zum Ukraine-Krieg\u201c (2023) vom HU-Dozierenden Ruud Koopmans wird im Folgenden genauer unter die Lupe genommen. Koopmans arbeitet als Soziologe und Migrationsforscher am Institut f\u00fcr Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin, weswegen gerade hier ein Augenmerk auf die Aufgabe und Integrit\u00e4t wissenschaftlicher Forschung gesetzt werden sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>In seinem Werk m\u00f6chte er augenscheinlich dar\u00fcber aufkl\u00e4ren, welche Missst\u00e4nde es im deutschen und europ\u00e4ischen Asylsystem gibt. Diese seien unter anderem der unerwartet hohe Aufwand der Integration, die Spaltung Europas, und dass viele Hilfsbed\u00fcrftige keine Chance erhalten, weil es nur \u201edie St\u00e4rksten\u201c bis nach Europa schaffen. Sein Vorschlag basiert darauf, dass wir \u201emit einer Eind\u00e4mmung der irregul\u00e4ren Einwanderung die Kontrolle zur\u00fcckgewinnen k\u00f6nnen\u201c (Koopmans, 2023, S. 2).<\/p>\n\n\n\n<p>Koopmans inszeniert sich als Humanist, der sichere Integrationsregeln und innere Sicherheit etablieren und Rechtspopulismus sowie die Spaltung Europas bek\u00e4mpfen m\u00f6chte. Dies wird zumindest im Abschnitt \u201eZum Buch\u201c direkt am Anfang des oben benannten Werks vermittelt. So behauptet Koopmans, dass sein politisch-programmatischer Vorschlag darauf abzielt, \u201e[dass] die Asylpolitik kein lebensgef\u00e4hrliches Lotteriespiel bleibt\u201c (Koopmans, 2023, S. 2).<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits das Inhaltsverzeichnis scheint stark durch rechte Polemik aufgeladen: Die Kapitel tragen rei\u00dferische Namen wie \u201eVerkannte Terrorgefahr\u201c, \u201eM\u00f6rder im Orient-Express\u201c und \u201eDer Terror kommt nach Deutschland\u201c. Direkt wird ein sehr starkes Bild von Terrorismus und Gewalt im Zusammenhang mit Gefl\u00fcchteten inszeniert.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Kapitel Vier, \u201eVerkannte Terrorgefahr\u201c, sticht besonder hervor: Koopmans macht hier etwas, was man sonst nur aus Reden der Bundestagsfraktion der AfD kennt. Er beschreibt das Szenario des Bilal C., der aus Algerien stammt, und den Fall Abdelhamid Abaaoud. Letzterer war ein IS-Terrorist marokkanischer Herkunft, der Bilal C. von den Ideologien des IS \u00fcberzeugt hatte. Die Geschichte gipfelt darin, dass ein weiterer Mann, den Abaaoud auf seiner Reise nach Europa kennengelernt hat, einen Amoklauf verursacht hat und Bilal C. in Deutschland nach kriminellen Aktivit\u00e4ten ebenfalls festgenommen worden ist. Abaaoud ist der Attent\u00e4ter, der sp\u00e4ter f\u00fcr die Attentate vom 13. November 2015 in Paris verantwortlich war. Auch, wenn es sich hierbei um ein terroristisches Attentat und ein durch und durch tragisches Ereignis handelt, sollte klar sein, dass dies keineswegs die humanit\u00e4ren, menschenrechtlichen Werte untergraben darf, die gefl\u00fcchteten Menschen durch das Asylrecht garantiert werden sollten. Vereinzelte F\u00e4lle sprechen nicht f\u00fcr die Gesamtheit Fl\u00fcchtender. Dieser Stereotyp, den Koopmans durch die Einbettung des islamistischen Terrors in die Asyldebatte nutzt, sorgt daf\u00fcr, dass in unserer Gesellschaft ein falsches Sentiment gegen Menschen gesch\u00fcrt wird, die ihr Land verlassen mussten, weil ihr blo\u00dfes \u00dcberleben bedroht war.<\/p>\n\n\n\n<p> In ebendiesem Kapitel relativiert Koopmans rechte Gewalt gegen\u00fcber Gefl\u00fcchteten und spielt diese gegen islamistische und \u201elinksextremistische\u201c Gewalt aus. Folgendes Zitat ist ein Beispiel f\u00fcr die Relativierung rechtsextremer Gewalt: \u201eSchmierereien wie \u00abAusl\u00e4nder raus!\u00bb auf einer Asylunterkunft oder ein an Fl\u00fcchtlinge gerichteter Ausruf \u00abGeht doch zur\u00fcck in euer eigenes Land!\u00bb sind Beispiele von Volksverhetzungsdelikten. F\u00fcr die Betroffenen sind das bestimmt ersch\u00fctternde Erfahrungen, aber \u00abGewalt\u00bb, ein \u00ab\u00dcbergriff\u00bb oder \u00abAngriff\u00bb auf Leib und Leben sind sie nicht. Das Gleiche gilt f\u00fcr das \u00abVerwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen\u00bb (wie etwa einer Hakenkreuzschmiererei) oder Beleidigungen \u2013 zwei andere h\u00e4ufige Delikte unter den \u00abAngriffen\u00bb\u201c (Koopmans, 2023, S. 127). In einem gr\u00f6\u00dferen politischen Rahmen \u2013 insbesondere in Zeiten rasant erstarkender rechtsradikaler politischer Kr\u00e4fte \u2013 ist das inakzeptabel. Koopmans bezieht sich auf die Erfassungssystematik des Bundeskriminalamts zu rechter Gewalt gegen Gefl\u00fcchtete und \u201eargumentiert\u201c, dass man bei gewissen Delikten doch gar nicht von \u201eGewalt\u201c oder \u201eAngriffen\u201c sprechen k\u00f6nnte. Dar\u00fcber hinaus verharmlost er direkte Angriffe auf Gefl\u00fcchtete, wie beispielsweise durch diese anschlie\u00dfende Aussage: \u201eEs gab aber auch fast 200 Brandstiftungen sowie Anschl\u00e4ge mit \u2013 <em>meist nicht sehr wirkungsvollen<\/em> \u2013 Sprengs\u00e4tzen auf Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnfte [\u2026].\u201c (Koopmans, 2023, S. 127). Oder auch folgender: \u201eNeunzehn der k\u00f6rperlichen Angriffe sowie Brandstiftungen und Sprengstoffanschl\u00e4ge, bei denen eine Gefahr f\u00fcr Menschenleben bestand, wurden als T\u00f6tungsdelikte \u2013 Mord und Totschlag \u2013 eingestuft. <em>Viele gingen aber glimpflich aus<\/em> [\u2026].\u201c (Koopmans, 2023, S. 128). Koopmans erachtet es aber dennoch als wichtig genug zu erw\u00e4hnen, dass scheinbar nicht nur Gefl\u00fcchtete unter rechtsgerichteter Gewalt gegen Gefl\u00fcchtete leiden, sondern es auch dazu kommt, dass manchmal auch Deutsche bzw. Nicht-Gefl\u00fcchtete unter Opfern dieser Gewalt sind (Koopmans, 2023, S. 129). Eigentlich m\u00fcsste diese Erkenntnis bedeuten, dass wir uns Rassismus noch mehr annehmen m\u00fcssen, weil diese Opfer des Rassismus, wenn es auch \u201eungewollte Opfer\u201c sind, trotzdem Opfer des rassistischen Hass und T\u00f6tens der T\u00e4ter_innen sind.<\/p>\n\n\n\n<p><a><\/a>Auch versucht Koopmans darzustellen, warum Gefl\u00fcchtete \u00fcberproportional viele Straftaten begehen (Koopmans, 2023, S. 145). Dies ist ein ideales Beispiel daf\u00fcr, dass seine Analysen nicht nur inhaltlich, sondern auch aus einer wissenschaftlich-methodischen Perspektive scharf zu kritisieren sind. So bereinigt er sein Modell zwar um die Faktoren Alter und Geschlecht, allerdings l\u00e4sst er andere unabdingbare Variablen, die zur sogenannten Standarddemographie geh\u00f6ren, wie beispielsweise die Bildung und das Einkommen, aus seinem Modell aus. Inferenzstatistisch w\u00e4re es wissenschaftlich sauberer, das Modell auf diese Variablen ebenfalls zu kontrollieren. Weitere Variablen, die spezifisch im Fall von Gefl\u00fcchteten unerl\u00e4sslich w\u00e4ren, wie Gewalterfahrungen und Traumata, tauchen in seinem Modell ebenfalls nicht auf. Durch das Auslassen solcher wichtigen Daten, die f\u00fcr eine Ursachenforschung relevant w\u00e4ren, ist es einfach, zu Scheinargumenten zu gelangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Beispiel daf\u00fcr, wie er aus einer methodischen Perspektive wesentliche inferenzstatistische Faktoren zugunsten seiner Argumentation ignoriert, findet sich in seiner Argumentation, wie Gewalt gegen Gefl\u00fcchtete durch Gefl\u00fcchtete h\u00f6her sei, als Gewalt gegen Gefl\u00fcchtete durch Deutsche. Er argumentiert anhand von Zahlen \u2013 allerdings wird hierbei beispielsweise nicht ber\u00fccksichtigt, wie stark segregiert Gefl\u00fcchtete leben. Dieser zentrale Zusammenhang wird ignoriert. Diese verzerrten empirischen Grundlagen nutzt Koopmans dann erneut, um den Rassismus in Deutschland zu relativieren: \u201eTrotz der empirisch feststellbaren viel gr\u00f6\u00dferen H\u00e4ufigkeit anderer T\u00e4ter-Opfer-Muster wird bei T\u00f6tungsdelikten gegen Fl\u00fcchtlinge, bei denen der T\u00e4ter zun\u00e4chst unbekannt ist, \u00f6fter vorschnell gemutma\u00dft, dass die Tat einen rassistischen Hintergrund haben m\u00fcsse.\u201c (Koopmans, 2023, S. 156)<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiterer Punkt, den Koopmans in seinem Buch popul\u00e4r macht, ist die Ansicht, ukrainische Gefl\u00fcchtete w\u00fcrden gerechterweise privilegierter behandelt als Fl\u00fcchtende, die im Zuge der Migrationswelle von 2014\/2015 nach Deutschland kamen. Er deutet an, dass es sich bei diesem Ph\u00e4nomen ebenfalls nicht um Rassismus handeln k\u00f6nne (Koopmans, 2023, S. 184). Dass die unterschiedliche Behandlung beider Gruppen generell besteht, ist offensichtlich. Man erinnere sich an Momente in Talkshows, in denen Moderator_innen nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs in schockiertem Ton feststellen mussten, dass es nun wieder einen Krieg in <em>Europa<\/em> gibt. Dies ist nur ein Beispiel daf\u00fcr, wie die \u00d6ffentlichkeit die Fl\u00fcchtenden vor dem Ukrainekrieg vollkommen anders wahrnahm und somit nicht die gleiche Debatte um eine \u201eFl\u00fcchtlingskrise\u201c ausbrach.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass es nun eine Ungleichbehandlung migrantisierter Menschen zugunsten ukrainischer Gefl\u00fcchteter gibt, versucht Koopmans \u00fcberhaupt nicht zu leugnen. Im Gegenteil: Er benennt das eindeutig so, und es entsteht der Eindruck, dies passiere \u201enat\u00fcrlich\u201c und berechtigterweise. In Kapitel 6 seines Buches beschreibt er, Fl\u00fcchtende aus der Ukraine seien \u201eanders\u201c, weil uns die Ukraine sowohl geographisch als auch kulturell n\u00e4her sei (Koopmans, 2023, S. 184). Die entgegengesetzte Betrachtungsweise, dass Rassismus sich blo\u00df noch potenziert, wenn sich eine geflohene Bev\u00f6lkerungsgruppe \u201eschwerer integrieren\u201c l\u00e4sst, dass das diese Bev\u00f6lkerungsgruppe noch vulnerabler macht, und dass ein inklusives, menschenw\u00fcrdiges Klima somit umso wichtiger wird, scheint f\u00fcr Koopmans nicht in Frage zu kommen. In diesem Kontext macht Koopmans beinahe deterministische Aussagen und es entsteht der Eindruck, Rassismus w\u00e4re lediglich die logische Konsequenz von kulturellen Unterschieden.<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem muss ein weiterer wichtiger Punkt gemacht werden. Auch wenn Koopmans vereinzelt vielleicht richtig liegt, wie zum Beispiel, wenn er schreibt, dass es problematisch ist, wenn junge, wohlhabende M\u00e4nner unter den Fl\u00fcchtenden \u00fcberrepr\u00e4sentiert sind, fehlt trotzdem eine sinngem\u00e4\u00dfe \u00dcberleitung zu seiner Forderung einer Versch\u00e4rfung der EU- und Asylpolitik. Flucht ist von sozio\u00f6konomischen und patriarchalen Machtstrukturen gepr\u00e4gt. Das Konkludieren restriktiver Politik, die er als notwendig ansieht, wird aber nicht vertieft. Es bleibt unklar, wieso wir nun unsere Asylpolitik auf Drittstaaten auslagern sollen, anstatt soziale wie \u00f6konomische Ungleichheit und patriarchale Missst\u00e4nde zu problematisieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Solche Forschungen, die unter anderem mit einer verzerrten Datengrundlage arbeiten, beg\u00fcnstigen die F\u00f6rderung rassistischer Ideologien. Ebendiese B\u00fccher wurden sogar schon von Rechtspopulisten wie Thilo Sarrazin, dem Niederl\u00e4nder Geert Wilders und der ehemaligen AfD-Chefin Frauke Petry immer wieder zitiert (Bax, 2016). Eine Abgrenzung des Autors fehlt v\u00f6llig.<\/p>\n\n\n\n<p>Koopmans war zudem Vorsitzender des Kuratoriums des Deutschen Zentrum f\u00fcr Integrations- und Migrationsforschung. Ferner ist er Direktor f\u00fcr die Abteilung Migration, Integration und Transnationalisierung beim WZB. Er ist \u00f6ffentlichkeitswirksam t\u00e4tig, vertritt beispielsweise in Talkshows seine radikalen und wissenschaftlich unsauber herausgearbeiteten Thesen. In der \u00d6ffentlichkeit fordert er schon lange eine restriktivere Asylpolitik und, wie es voraussichtlich auch verabschiedet wird, die Antragstellung nach Asyl von von Flucht bedrohten Personen in Drittstaaten (Hart aber fair, 2023). Entsprechend ist es kein Fehlschluss zu konstatieren, dass er eine gesellschaftlich einflussreiche Stellung innehat, und ihm innerhalb sozialer Diskurse Geh\u00f6r verschafft wird. Bei ihm handelt es nicht um eine willk\u00fcrliche Person mit rechts-alternativen Ansichten. Es entsteht der Eindruck , dass er sehr strategisch und gezielt mit dem Einfluss, den er innehat, arbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Wichtig herauszustellen und aus wissenschaftlicher Perspektive zu kritisieren ist, dass es teilweise uneindeutig bleibt, ob er an wichtigen Stellen empirische oder normative Aussagen trifft. An vielen Stellen fragt man sich nach der Grundlage, auf der gewisse Aussagen fu\u00dfen. In der Hinsicht darf man sich durchaus die Frage stellen, inwiefern Koopmans als Dozierender wissenschaftliche Inhalte vermittelt oder ob er damit nicht auch unter einem (pseudo-)wissenschaftlichen Deckmantel politischen Lobbyismus betreiben k\u00f6nnte. Wie die angef\u00fchrten Aussagen anzeigen, k\u00f6nnten seine Publikationen einer Abschottungspolitik den N\u00e4hrboden bieten.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuletzt d\u00fcrfen wir nicht vergessen, dass gefl\u00fcchtete Menschen zumeist selbst nicht einmal freiwillig in Deutschland leben m\u00f6chten, von \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nden aber dazu gezwungen wurden. Durch Beitr\u00e4ge zu den gesellschaftspolitischen Debatten wie die von Koopmans werden Ressentiments gesch\u00fcrt und eine Integration erschwert. Gerade aus einer eurozentrischen Perspektive wird h\u00e4ufig unter den Tisch gekehrt, wie viele Gebiete im Nahen Osten oder in (Nord-)Afrika durch die Politik einiger Staaten des globalen Nordens destabilisiert wurden. Afghanistan war beispielsweise ein relativ freies Land, welches zun\u00e4chst von der Sovietunion und folgend von den USA wie westeurop\u00e4ischen Staaten besetzt wurde. Mit dem Abzug der Truppen wurde das Land dem v\u00f6lligen Chaos und der Herrschaft der Taliban und der Scharia \u00fcberlassen. Das ist der Zusammenhang, den wir im Blick und auf das Sch\u00e4rfste verurteilen m\u00fcssen: Staaten mit imperialistischen Interessen verw\u00fcsten und zerst\u00f6ren quasi gesamte Kontinente, und Menschen, die fliehen, werden vor der Festung Europa stehengelassen. Sie erfrieren in W\u00e4ldern an der polnischen oder belarussischen Grenze, landen in inhumanen Gef\u00e4ngnissen in Drittstaaten, ertrinken im Mittelmeer, oder sterben in der Sahara auf der Strecke vom Innern Afrikas zur Mittelmeerk\u00fcste. Statt kritische Wissenschaft zu betreiben, sch\u00fcren Wissenschaftler an deutschen Universit\u00e4ten darauffolgend dann lieber Sentiments gegen ebendiese Opfer einer gewaltvollen, imperialistischen Politik.<\/p>\n\n\n\n<p>Literaturverzeichnis<\/p>\n\n\n\n<p>Bax, D. (4. 10 2016). Streit an der Humboldt-Universit\u00e4t. Der Parallelforscher. <em>taz<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Hart aber fair. (15. 8 2023). <em>Neue H\u00e4rte: Kommt die Wende in der Asylpolitik?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Koopmans, R. (2023). <em>Die Asyl-Lotterie. Eine Bilanz der Fl\u00fcchtlingspolitik von 2015 bis zum Ukraine-Krieg.<\/em> C.H.Beck.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>| von Louise Hillermann | Im Zuge der oftmals rassistisch gef\u00fchrten Debatten um Migration und Flucht ist es unerl\u00e4sslich, sich auch Ver\u00f6ffentlichungen von Wissenschaftler*innen kritisch anzunehmen. W\u00e4hrend Studierende der Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universit\u00e4t versuchen, emanzipatorische Werte hochzuhalten, f\u00e4llt das Buch eines Dozenten im Kontrast dazu negativ auf.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1200","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1200","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1200"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1200\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1201,"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1200\/revisions\/1201"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1200"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1200"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.refrat.de\/huch\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1200"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}