FLT*I*Tresen

Jeden Dienstag

Frauen_Lesben_Trans*_Inter* (abgekürzt: FLT*I*) umfasst verschiedene Selbstbezeichnungen und Identitäten. „Lesbe“ wird hier getrennt von der Kategorie „Frau“ aufgeführt, weil es auch eine  Selbstbezeichnung von Menschen ist, die sich explizit nicht als „Frau“ definieren. Außerdem soll damit darauf hingewiesen werden, dass „Frau“ i.d.R. heterosexuell gedacht wird. Trans* bzw. Transgender sind offene Begriffe für Menschen, die nicht (oder nicht ausschließlich) in dem Geschlecht leben wollen oder können, das ihnen bei ihrer Geburt zugewiesen wurde. In Abgrenzung  hierzu sprechen wir von Cis-Gender, also Menschen, die sich mit dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Gender identifizieren. Cis-Männlichkeiten sind vom FLT*I*-Tresen ausgeschlossen!  Intersexuelle bzw. intergeschlechtliche Menschen werden mit einem Körper geboren, der den typischen Standards und Normen von „Mann“ und „Frau“ nicht „eindeutig“ zuzuordnen ist. Die Unterstriche symbolisieren, dass es auch Übergänge und Zwischenräume zwischen den verschiedenen Kategorien geben kann.

Wer sind wir und warum sind machen wir diesen Tresen?
Wir sind eine lose Gruppe von Student_innen an der HU, die sich zusammengefunden hat, um dem heteronormativen Alltag im Allgemeinen und besonders an der Uni etwas entgegen zu setzen. Heteronormativität, Cis-Normativität, Homophobie und Trans*phobie und andere Formen von Sexismus sind gesamtgesellschaftliche, strukturelle Probleme, die sich in allen Bereichen des Lebens wiederfinden und auch an der Uni-Tür nicht Halt machen. Momentan gibt es an der HU – neben dem queer-feministischen und dem LGBTI*-Referat – kaum Strukturen, die sich bewusst um Räume bemühen, in welchen Heteronormativität explizit Thema oder eben nicht Thema ist.
Seit einigen Jahren bieten wir daher einen Raum an, in dem sich ganz speziell Frauen_Lesben_Trans*_Inter* wohl fühlen und einfach mal entspannt abhängen können. Ohne sich dabei durch „Rumgemackere“ und/oder ähnliche Grenzüberschreitungen gestört, genervt und/oder belästigt zu fühlen (was auch sonst generell in der Krähe nicht erwünscht ist und nicht toleriert wird).

Was heißt Frauen_Lesben_Trans*_Inter*? Un-Sichtbare Ausschlüsse
Der Frauen_Lesben_Trans*_Inter*-Tag ist ein Versuch, den üblichen Machtverhältnissen an der Uni und in der Gesamtgesellschaft etwas entgegenzusetzen. Die Uni ist historisch und strukturell ein cis-männlich und heteronormativ dominierter Raum. Dabei geht es nicht nur um die Benachteiligung, die „Frauen“ erfahren, sondern auch um die Unsichtbarmachung von Menschen, die nicht in die Kategorien „männlich“ und „weiblich“ passen und passen wollen. Um gegen diese Ausschlüsse anzugehen, reicht es nicht, Leute zu „tolerieren“ (d.h. zu „ertragen“), sondern  die herrschende Norm radikal anzugreifen und zu dekonstruieren. Wir können mit dem Frauen_Lesben_Trans*_Inter*-Tag die bestehenden Machtverhältnisse nicht auflösen, sondern sie nur zum Thema machen und einen Raum schaffen, in dem eine andere Normalität besteht als überall sonst. Geschlechtliche Zugehörigkeit ist nicht sichtbar, deswegen sind Zuschreibungen aufgrund des Äußeren gewaltvoll und sollten immer hinterfragt werden. 
Unser einziges Ausschlusskriterium sind daher Cis-Männlichkeiten. Dieser Ausschluss ist keine Diskriminierung, sondern eine Reaktion auf Diskriminierung durch Heteronormativität  und patriarchale Strukturen sowie auf Entmündigung durch Pathologisierung.  Räume und Strukturen sind nicht für alle gleichberechtigt zugänglich und nutzbar, das kann sowohl sichtbar als auch unsichtbar sein (beispielsweise kann es sein, dass eine Person in einem Seminar nicht mitredet, weil hier Ausschlussmechanismen wirken, obwohl die Person physisch anwesend ist etc.). Cis-männliche Rededominanz in Seminaren und raumeinnehmendes Verhalten nimmt anderen Leuten die Möglichkeit, gehört zu werden oder überhaupt zu sprechen. Der Zugang zu bestimmten Positionen innerhalb der Uni-Hierarchie und Präsenz in verschiedenen Fachrichtungen wird unter anderem immer noch von geschlechtlicher Zuordnung bestimmt. Cis-Männlichkeit(en), Heterosexualität und (vermeintlich) geschlechtliche Eindeutigkeit sind in der Gesellschaft mit Privilegien verbunden. Diese Normen dominieren den universitären Alltag und werden durch die etablierten Inhalte und Perspektive permanent reproduziert. Der FLT*I*-Tresen ist eine empowernde Struktur, in der wir gemeinsam mit euch diesen Normen aktiv entgegentreten wollen (Cis-Männer können durch Anerkennung und Auseinandersetzung mit ihren Cis-Männlichkeiten, sowie aktivem Fernbleiben des FLT*I*-Tresens ihren Teil dazu beitragen).

Heteronormativität
Heteronormativität bedeutet für uns, sich innerhalb eines zweigeschlechtlichen Systems in die Kategorien „Frau“ oder „Mann“ einteilen zu müssen und dass keine selbstbestimmte Positionierung außerhalb der Norm zugelassen wird. Die gesellschaftliche Norm fordert von uns außerdem ein heterosexuelles Begehren (denken wir zum Beispiel an all die (Liebes)Filme, die uns heterosexuelle Paare zeigen). Nicht-heterosexuell zu sein bedeutet daher oft als „anders“ oder „besonders“ betrachtet zu werden, nicht aber als „normal“. Es bedeutet für uns, heterosexuell sein zu müssen oder ständig als nicht-heterosexuell herausgestellt zu werden. Außerdem heißt es, dass wenn manche von uns als „Frau“ leben wollen, ihnen im Patriarchat eine untergeordnete Rolle zugeschrieben wird und sie sich ständig mit gesellschaftlichen Erwartungen konfrontiert sehen, z.B. in Bezug auf Schönheitsideale und Rollenerwartungen.
All das kotzt uns an! Unsere Identitäten und unser Begehren lassen sich nicht auf eine einfache Formel herunterbrechen.

Strategisches Projekt
Wir sind uns dessen bewusst, dass wir mit der Beschränkung auf Frauen_Lesben_Trans*_Inter*  Cis-Männer ausschließen, unabhängig davon ob sie sich explizit als solche bezeichnen oder nicht, sowie unabhängig davon, ob sie sich mit Sexismus, Trans*- und Homophobie auseinandergesetzt und einen emanzipatorischen, antisexistischen, (queer-)feministischen Anspruch haben. Unser Konzept bildet allerdings keinen Idealzustand ab, sondern ist ein strategisches Projekt zur Verbesserung des (Uni-)Alltags von Frauen_Lesben_Trans*_Inter*. Auf der anderen Seite sind auch Frauen_Lesben_Trans*_Inter* dazu in der Lage, andere zu diskriminieren. Wenn wir diskriminierendes Verhalten mitkriegen, fliegt die diskriminierende Person raus. Dennoch können wir leider keinen komplett diskriminierungsfreien Raum garantieren. Erst recht nicht in Bezug auf andere, in diesem Text bisher nicht angesprochene (strukturelle) Diskriminierungsformen. Unsere Gesellschaft ist gekennzeichnet durch Rassismus, Diskriminierung aufgrund von Klassenzugehörigkeit, Be_hinderung und anderen Unterdrückungsmechanismen. Auch wir sind als Teil dieser Gesellschaft sozialisiert und verfestigen permanent und immer wieder Machtverhältnisse und Herrschaftsstrukturen. Wir teilen bestimmte Erfahrungen und andere nicht, und können auf Probleme nur entsprechend unserer Sensibilisierung reagieren. Wir versuchen, uns mit unseren Privilegien auseinanderzusetzen, wollen aber nicht behaupten, selbst von Diskriminierungspraxen frei zu sein.

Ist die Krähe dann am Dienstag anders?
Ansonsten soll der Raum eigentlich fast so sein wie ihr ihn kennt: abhängen, lesen, quatschen, schlafen, rumalbern, aber auch vernetzen und evtl. auch mal ein paar Sachen organisieren. Es gibt, wie an allen Tagen auch, Kaffee, Tee, Säfte und Wasser gegen Spende, Musik, bei der  auch alle aus dem Raum ein Mitsprachrecht haben und diese verändern können. Der Raum ist offen für eure Bedürfnisse, dabei soll der Tresen keine Schranke sein. Wenn ihr Lust habt, euer Plenum, Vernetzungstreffen oder Veranstaltungen bei uns zu machen, sprecht uns an. Wenn euch auffällt, dass Menschen von uns behindert werden, weil die Tür mal wieder zugefallen ist, sprecht uns an.
Sprecht uns an, wenn ihr problematische Situationen mitbekommt und seid ggf. ruhig auch uns gegenüber kritisch. Wir fühlen uns als Kollektiv zwar verantwortlich für den Raum, wollen aber auch keine Dienstleister_innen sein, wünschen uns also auch von euch Aufmerksamkeit gegenüber anderen und ggf. Bereitschaft zur Mitgestaltung. 
Wir erwarten von allen Nutzer_innen einen verantwortungsvollen und vorsichtigen Umgang miteinander. Sprecht Leuten nicht aufgrund von äußerem Erscheinen das Recht ab, den Raum zu nutzen. Ihr könnt gerne die Anwesenden auf das FLT*I*-Konzept hinweisen, respektiert dabei aber, dass Trans*- und Inter*personen sich vielleicht nicht als solche sichtbar machen wollen.

Wir würden uns freuen, euch am Dienstag in der Krähe zu sehen. Wenn ihr Lust habt, euch im Tresenkollektiv zu beteiligen, eine Veranstaltung am Dienstagabend machen wollt oder sonst Kontakt mit uns aufnehmen wollt, sprecht uns an oder schreibt uns eine Mail an: flt_@gmx.de.

 


geändert: 13.11.13, 12:35 | nach oben
ReferentInnenRat der Humboldt-Universität zu Berlin
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